Ich habe einen Traum von Zeit und Lächeln

Ich habe einen Traum von Zeit und Lächeln

Die Vorsitzende des Seniorenbeirates Monika Stadtmüller träumt von freundlichen Begegnungen im Alltag

Vor wenigen Tagen fuhr ich abends in der Linie 5 Richtung Kirchrode. Die Bahn war ziemlich voll, neben mir noch ein Platz frei. Eine ältere Dame in Begleitung eines weißhaarigen Herrn stieg am Aegi ein und setzte sich dazu. Mir gegenüber saß eine Frau im mittleren Alter, mit Einkaufstüten bepackt, sie guckte kurz auf, sah den Herren mit den weißen Haaren und fragte mit einem sehr freundlichem

Monika Stadtmüller ist Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt Hannover. Die gebürtige Wienerin und Diplom-Kauffrau für Pflegemanagement ist Mutter von drei Kindern und stolze Oma von drei Enkelkindern. Foto: privat

Monika Stadtmüller ist Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt Hannover. Die gebürtige Wienerin und Diplom-Kauffrau für Pflegemanagement ist Mutter von drei Kindern und stolze Oma von drei Enkelkindern.
Foto: privat

Lächeln: „Möchten Sie sich setzen?“ Der Mann guckte verdutzt und antwortete mit einem ebenso freundlichem Lächeln: „Danke für das Angebot, es überrascht mich etwas, eigentlich biete ich sonst Damen einen Platz an, aber wirklich ganz lieben Dank, ich kann aber noch gut stehen“ – und was passierte dann: Wir redeten über alles Mögliche, wir haben viel gelacht und die Fahrt verging im Fluge. Beim Aussteigen wünschten wir uns alle eine schöne Weihnachtszeit und: „Schön, dass wir uns getroffen haben, das hat richtig gut getan.“ Wir haben uns gegenseitig ein unverhofftes Geschenk gemacht: Zeit geschenkt, und Aufmerksamkeit.
Und mein Traum? Wir kennen unser Umfeld und unsere Nachbarn gut, wir treffen in unserem Quartier immer wieder die gleichen Menschen. Haben Sie schon mal ein Lächeln probiert? Oder beim Einkaufen an der Kasse einer jungen Frau mit zwei kleinen Kindern den Vortritt gelassen? Vielleicht sogar mit den Worten: „Ich kenne die Situation von früher gut und jetzt habe ich Zeit, gehen Sie ruhig vor!“
Es sind die kleinen Taten im Alltag, die uns wieder näher zueinander bringen, die jeden von uns aus der Anonymität holen, sodass wir langsam ein kleines soziales Netzwerk knüpfen können. Mein ganz persönlicher Gewinn: Ich fahre häufiger abends spät mit der Bahn nach Hause und muss dann noch etwa 500 Meter durch stille, ruhige Straßen zu meiner Wohnung laufen. Ich treffe dabei immer auf Menschen, die noch eine Runde mit ihrem Hund drehen und mich freundlich grüßen, auch über die Straße hinweg, und ich grüße zurück. So fühle ich mich sicher aufgehoben in meinem Stadtbezirk.
Ich finde, Zeit und ein Lächeln kann jeder spenden und man bekommt unendlich viel zurück – ein Lächeln und Zeit von anderen. Mein Traum könnte so leicht Realität werden: Trauen Sie sich, es ist ganz leicht!

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