Im Buchdruckmuseum können Besucher alte Maschinen ausprobieren
Der gelernte Schriftsetzer Günter Wolfslast zeigt im Buchdruckmuseum, wie ein Text per Hand gesetzt wird. Foto: Haak

Im Buchdruckmuseum können Besucher alte Maschinen ausprobieren

Der kleine Raum im Hinterhof ist hell erleuchtet. Es riecht nach Staub und ein wenig nach Bier. Das Buchdruckmuseum Linden ist kein Ausstellungsraum mit Schaukästen und Erklärungstafeln. Nur an der alten Setzmaschine steht der Hinweise „Bitte nicht berühren“. Ansonsten kann alles angefasst und ausprobiert werden: die Setzkästen mit den Bleilettern genauso wie die handbetriebene Abziehpresse.

Auf den insgesamt gut 180 Quadratmetern soll das Museum einen authentischen und praxisnahen Einblick in das Handwerk und die Kunst des Buchdrucks vermitteln. Die ehemaligen Drucker, Setzer und Buchbinder, die sich im Freundeskreis Schwarze Kunst zusammengeschlossen haben, öffnen das Museum jeden Mittwoch von 15 bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit. Außerdem bieten sie Workshops und Projektwochen für Schulklassen, Kindergärten und Senioren an.

Günter Wolfslast ist gelernter Handsetzer. Den Setzkasten mit den kleinen Bleilettern kennt er im Schlaf. Ohne Nachzudenken finden seine Finger die richtigen Buchstaben, wenn er für Besucher kleine Texte setzt. Und er sieht geduldig zu, wenn sie das Setzen selbst ausprobieren wollen. Nur ab und zu zeigt er dezent auf eines der Fächer, wenn sie allzu lange nach einem Buchstaben suchen.

An diesem Mittwochabend, kurz vor Ende der wöchentlichen Öffnungszeit, sind die ehemaligen Drucker, Setzer und Buchbinder, die das Museum betreuen, unter sich. Sie reden über ihre Ausbildungsbetriebe, die es längst nicht mehr gibt, über frühere Kollegen und darüber, wie es mit den Druckereien und den Printmedien weitergeht. Auf der Abziehpresse und zwischen den Setzkästen stehen halbvolle Bierflaschen. „Alkohol gehörte damals auch bei der Arbeit dazu. Das war halt ein richtiges Handwerk“, sagt der gelernte Setzer Peter Thiel. Und fügt dann hinzu, dass das heute in den meisten handwerklichen Berufen vermutlich anders sei.

Der Schriftsetzer Peter Thiel zeigt einen Kalender und ein Heft, das Schulklassen im Buchdruckmuseum gefertigt haben. Foto: Haak

Auch in den Druckereien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert: Die meisten Maschinen und Werkzeuge, die im Museum zu sehen sind, sind aus den heutigen Betrieben verschwunden. Gerade dieser rasante Wandel hat die ehemaligen Drucker und ihre Fachkollegen 2002 – vor genau 15 Jahren – dazu veranlasst, den Freundeskreis Schwarze Kunst zu gründen und ein Museum einzurichten. „Wir wollen das Fachwissen der Buchdruckkunst der Nachwelt erhalten und weitergeben“, erklärt der Vorsitzende des Freundeskreises, Wolfgang Schmidt. 2003 richtete sich der Verein zunächst im Kötnerholzweg ein, 2007 zog er dann in die Räume an der Limmerstraße um.

Die Ausstellung dort ist seitdem stetig gewachsen. In Regalen im Obergeschoss stehen Bücher über das Buchdruckhandwerk und über hannoversche Druckereien, auf Tischen liegen alte Zeitungsseiten im Bleisatz und Schwarz-Weiß-Fotos von den Setzern bei ihrer Arbeit.
Das Erdgeschoss ist hingegen ganz der praktischen Arbeit gewidmet. Dort gibt es alte Druckpressen,  Setzregale und Schriften, die Druckereibetriebe ausrangiert und dem Museum gespendet haben. Der Verein will sie nicht einfach aufbewahren. Die Besucher sollen sie im Einsatz erleben und einen Eindruck davon bekommen, wie man mit ihnen arbeitet.

Auch die große Setzmaschine mit dem „Bitte nicht berühren“-Schild ist nicht nur Anschauungsobjekt, sondern erwacht an ausgewählten Tagen wieder zum Leben. Der Mechanismus ist komplex: Die Maschine enthält Matrizen, also Gießformen für die unterschiedlichen Buchstaben. Wenn ein Buchstabe auf einer Tastatur eingetippt wird, wird die entsprechende Form zu einer Sammelstelle befördert. Jede abgeschlossene Zeile wird mit flüssigem Blei ausgegossen, das die Maschine in einem Kessel erhitzt. So entsteht Zeile für Zeile der Maschinensatz – einst das Rohmaterial, das Handsetzer dann zu einer Zeitungsseite zusammenfügten.

Und damit war der Prozess noch nicht abgeschlossen: Die so gesetzte Seite diente als Vorlage, um – ebenfalls aus Blei – eine Form für die Rotationsmaschine zu gießen. Ein ganz besonderes Ausstellungsstück findet sich im Obergeschoss des Museums: die Druckform für die letzte Titelseite der HAZ, die im Dezember 1974 in diesem Verfahren entstanden ist.

Das Buchdruckmuseum Hannover an der Limmerstraße 43 ist jeden Mittwoch von 15 bis 19 Uhr für die Allgemeinheit geöffnet. Zusätzlich bietet der Freundeskreis Schwarze Kunst, der das Museum betreibt, Führungen,Workshops und Projektwochen für Kindergärten, Schulen und Senioren an. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.buchdruckmuseum-hannover.de und unter Telefon (0511) 2208253.

Von Franka Haak

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