Immer mehr Fahrraddiebstähle
Einmal den Bolzenschneider angesetzt und weg ist das Rad: In Hannover wurden im vergangenen Jahr 4893 Fahrraddiebstähle bei der Polizei angezeigt.

Immer mehr Fahrraddiebstähle

Von Thomas Oberdorfer

Hannover. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist drauf und dran, eine Hochburg für Fahrraddiebe zu werden. 4893 Anzeigen wegen Fahrraddiebstahls schrieb die hannoversche Polizei im vergangenen Jahr. 36 Prozent mehr als 2013 (3598 entwendete Fahrräder). In einer in dieser Woche veröffentlichten Vergleichsstudie rangiert Hannover damit auf Platz 17 unter den 100 größten Städten Deutschlands.

Um die Kommunen vergleichbar zu machen, rechneten die Studienmacher aus, wieviel Fahrräder je 100 000 Einwohner verschwanden. Das waren in Hannover 944 im Jahr 2014. Damit liegt die Leinemetropole satte 58 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Trauriger Spitzenreiter dieser Statistik ist Cottbus. Je 100 000 Einwohner verschwanden dort im vergangenen Jahr 2030 Fahrräder. Das es auch ganz anders geht, zeigen die Zahlen für Remscheid. Mit gerade einmal 57 gestohlenen Rädern je 100 000 Einwohner bildet die nordrhein-westfälische Stadt das Schlusslicht der Statistik.

Mit den 944 gestohlenen Fahrrädern je 100 000 Einwohner und Platz 17 in der von dem Verbraucherportal „billiger.de“ beauftragten 100-Städte-Studie liegt Hannover zwar weit vorne, ist aber nicht der niedersächsische Spitzenreiter. Mit Oldenburg (Platz 6/1209 gestohlene Räder je 100 000 Einwohner), Göttingen (Platz 7/1143) und Lüneburg (Platz 13/1021) rangieren gleich drei Kommunen noch vor der Landeshauptstadt.

2014 registrierte die Polizei bundesweit insgesamt 339 760 Fahrraddiebstähle. Rund 210 000 dieser Drahtesel waren nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft versichert. Für sie zahlten die Gesellschaften gut 100 Millionen Euro als Entschädigungen an ihre Kunden aus.

Dass Hannover für Langfinger nicht unbedingt ein gutes Pflaster ist, zeigt die Aufklärungsquote. 10,6 Prozent der angezeigten Diebstähle konnten von der Polizei aufgeklärt werden. Damit liegt Hannover noch über dem Bundesdurchschnitt (9,6 Prozent). Andere Städte wie Tübingen (2,8 Prozent), Hamburg (3,8 Prozent) oder Berlin (4 Prozent) schneiden weit schlechter als die Leinemetropole ab.

 

„Ein einfaches Rahmenschloss allein reicht nicht aus“

Timo Suchert, Experte der VHV Versicherung in Hannover

Timo Suchert, Experte der VHV Versicherung in Hannover

Hannover. Immer mehr Fahrräder werden gestohlen. „Jetzt ist es wichtig, richtig versichert zu sein“, sagt Timo Suchert, Experte der VHV Versicherung in Hannover. Er beantwortet die wichtigsten Fragen im hallo-Interview.

Reicht die Hausrat- oder sollte es eine eigene Fahrradversicherung sein?
In der Regel reicht die Hausratversicherung. Wichtig: Fahrräder können bis zu einem vereinbarten Prozentsatz der Gesamtversicherungssumme mitversichert werden. Dieser  Prozentsatz muss an den Wert des Fahrrades angepasst werden. Gerade durch die E-Bikes sind Fahrräder heute oft viel mehr wert, als noch vor ein paar Jahren. Fahrradversicherungen bieten meist zusätzliche Leistungen, wie Schutz gegen Teilediebstahl.

Gibt es Einschränkungen im Versicherungsschutz?
Ja. Soll der Versicherungsschutz greifen, muss das Fahrrad durch ein „vernünftiges“ Schloss gesichert sein. Ein einfaches Rahmenschloss reicht da nicht. Außerdem müssen Räder auch im Keller abgeschlossen werden – zumindest dann, wenn weitere Personen Zugang zu den Räumen haben. Und: Ein Diebstahl muss bei der Polizei angezeigt werden.
Sollte das Fahrrad gestohlen werden, wie weist man den Wert des Rades gegenüber der Versicherung nach?
Am besten mit der Kaufquittung. Sollte die nicht mehr vorhanden sein, wäre ein Foto des Rades mit dem Versicherungsnehmer hilfreich. Gibt es auch das nicht, zahlen viele Versicherungen – wie auch die VHV Hannover – eine pauschale Entschädigung.

 

„Räder nicht ab- sondern immer anschließen“
Fahrradexperte Weert Neupert über die „richtigen“ Schlösser

Stadler Fahrradexperte Weert Neupert.

Stadler Fahrradexperte Weert Neupert.

Hannover. Das „richtige“ Fahrradschloss ist wichtig: Rund „zehn Prozent des Kaufpreises für ein Fahrrad sollten noch einmal in ein Schloss investiert werden“, rät Weert Neupert, Fahrradexperte beim Zweiradcenter Stadler. Und wichtig: Fahrräder sollten nicht nur ab- sondern immer angeschlossen werden, „beispielsweise an einen Fahrradbügel oder auch an ein Verkehrsschild“, sagt Neupert weiter. Seine Schlösser-Tipps:

Ein Schüssel – doppelte Sicherheit
Immer beliebter werden sichere Rahmenschlösser am Hinterrad mit dazugehöriger Kette (Fotos). Vorteil: Das Rad ist mit einem Schlüssel  gleich zweifach gesichert. Preis: 48 Euro.

Zahlenschloss für den Nachwuchs
Für die Räder von Kindern und Jugendlichen empfiehlt Neupert Zahlenschlösser. „Die sind heute richtig gut. Sie sind längst nicht mehr so einfach zu knacken, wie noch vor einigen Jahren“, erläutert der Fachmann. Preis: 22 Euro

15 von 15 Punkte – mehr Sicherheit geht nicht
„An diesem Schloss beißen sich Diebe die Zähne aus“, verspricht Neupert. Das 85 Zentimeter lange Gliederschloss „Bordo Granit X Plus“ von Abus besitzt die höchste Sicherheitseinstufung (15/15). Preis: 125 Euro.tob

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