Interview: Elisa Schmidt Im Gespräch

Interview: Elisa Schmidt Im Gespräch

„Man sollte doch jeden Tag so leben, als wäre er ein ganzes Leben wert“, sagt Elisa Schmidt. Dass dieser Satz lebensklug und wahr ist, verwundert nicht. Dass er aus dem Mund einer 23-Jährigen kommt, schon.
„Schmidt“ wie sie sich ganz unprätentiös als Künstlerin nennt, ist das neue Frolleinwunder am Musikhimmel. Ihr erstes Album „Femme Schmidt“ schlug ein wie eine Bombe. Der Tatort-Song „Heart Shaped Gun“ stammt von ihr. Bei Ivy Quainoos Song „Richest Girl“ war sie Co-Autorin. Gemeinsam mit Produzent Guy Chambers hob sie den Stil „Pop noir“, eine Mischung aus Cabarett-Jazz und Pop, aus der Taufe. Dass sie sich auf der Bühne wie privat gerne lasziv und rätselhaft gibt, kommt nicht von ungefähr. Mit ihren 21 Jahren hat die Musikerin schon ein bewegtes Nomadenleben hinter sich und eine wirklich große Zukunft vor sich.
Jeanine Cujé-Bartsch traf „Schmidt“ auf ihrer Promo-Tour im Sol Y Mar.

hallo Sonntag: Du verkörperst mit Deiner Musik und Deinem Stil die 1920er Jahre. Was fasziniert Dich so daran?

Schmidt: Abgesehen davon, dass es eine künstlerische Hochburg war und man sich von einigen Künstlern aus der Zeit sehr viel abgucken kann, bin ich einfach vom dem Lebensgefühl fasziniert, was damals herrschte. Ich glaube, die Menschen haben sehr intensiv gelebt. Man hat einfach jeden Tag so gelebt, als wäre er ein ganzes Leben wert. Heutzutage werden junge Leute so früh schon so viel Druck ausgesetzt. Jeder guckt doch schon komisch, wenn Du mit 23 noch keinen Bachelor hast und nicht in einer Top-Position bist und genau weißt, was Du machen willst. Ich finde, als junger Mensch ist man so kreativ, dass man sich Zeit nehmen sollte, sich mehrmals neu zu erfinden und auch wieder zu verlieren. Schon mit 27 Jahren die erste Midlife-Crisis und Depressionen, weil man nicht macht, was das Richtige für einen ist, das ist doch furchtbar. Ich behalte mir einfach die Freiheit, mich vom Leben ein bisschen Treiben zu lassen.

Und wie kamst Du das erste Mal in Kontakt mit den Goldenen 20ern?

Durch die Schule. Im Leistungskurs Geschichte. Davor hatte ich schon Musik aus der Zeit gehört: Billy Holiday, Cole Porter. Später kam Norah Jones dazu. Das hat sich dann einfach so weiterentwickelt. Und dass Guy Chambers auch eine Vorliebe für diese Zeit hat, war echter Zufall. Auch in London sind die 20er gerade voll in: Die Leute gehen ins Cabaret tanzen Charleston und kleiden sich vintage.

Du hättest gerne mal Marlene Dietrich getroffen?

Ich verehre Marlene Dietrich. Eine starke, selbstbewusste Frau und Stilikone. Eine Super-Woman. Ich weiß gar nicht, was man an ihr nicht toll finden kann.

Du lebst derzeit in Berlin und London. Wie sieht es bei Dir zuhause aus?

Chaos. Viele Platten. Mein Kleiderschrank ist komplett schwarz. Ich bin sehr detailverliebt. Mache sehr viel mit Dekoration. Sehr viel Kunst. Ich habe zwei riesen Ölbilder: eins aus China, eins aus Australien, Fotografien. Mein Heimstudio. Mein Klavier. Meine Möbel sind im Moment alle hell.

Wo lebst Du lieber? Deutschland oder Großbritannien?

Ich war noch nie besonders ortbezogen und war schon immer so ein kleines Nomadenkind. Meine Heimat ist eigentlich die Bühne. Was ich auf Reisen allerdings vermisse, ist mein Flügel, ein schwarzer Schimmel.

Du bist in Koblenz aufgewachsen. Bist mit 16 auf ein Musikinternat in London und mit 17 in die USA gegangen. Abitur in München, später Reisen durch Europa und Australien. Wie kommt man denn zu so einem Leben?

Meine Mutter war Stewardess bei der Lufthansa. Sie hat mich und meinen älteren Bruder viel mitgenommen. Ich bin mit zwei Jahren schon durch die ganze Welt geflogen. Während sie Dienst hatte, schlief ich hinten im Bettchen. Früher war das alles noch etwas einfacher, die Bestimmungen noch nicht so streng. Da ging so etwas noch. Wahrscheinlich hab ich deswegen auch immer so ein bisschen Fernweh.

Bei Deinem Debüt „Femme Schmidt“ hast Du ja gleich mit einem ganz Großen losgelegt. Guy Chambers ist einer der erfolgreichsten Musikproduzenten und Songwriter der Szene. Er arbeitete mit Robbie Williams, Kylie Minogue, James Blunt, Katie Melua. Und dann mit Dir.

Ich lernte Guy zufällig in London kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick, musikalisch gesehen. Wir haben schon nach zwei Tagen unseren ersten Song „Shadowman“ zusammen geschrieben. Von da an war klar, wir machen auch den Rest zusammen. Allerdings muss ich zugeben, ich habe mich noch nie im Leben so viel mit jemandem gestritten. Aber das braucht so ein kreativer und intensiver Prozess auch. Jemanden, der nur Ja und Ahmen sagt, kann Guy nicht neben sich gebrauchen. Und ich auch nicht.

Apropos Liebe auf den ersten Blick. Bist Du derzeit fest liiert?

Nein. Ich bin solo.

Du warst Vorgruppe der „Sir Elton Arena Tour“ 2012 durch Australien. Wie war die Tournee mit Elton John?

Ganz toll. Ich wurde sofort in die große Tour-Familie aufgenommen. Hätte ich nicht drei Video-Tagebücher gedreht, würde ich es wohl selbst nicht glauben. Und vor 20 000 Leuten aufzutreten, ist einfach „The best job in the world“.

Wer hatte die Idee, Dein Debütalbum „Femme Schmidt“ zu nennen?

Guy hatte die Idee. Nach zwei Monaten gemeinsamer Arbeit meinte er nur „Hey Schmidt“. So ähnlich wie „Die Dietrich“. Und da war klar: Schmidt´s the Shit“ (lacht).

Wann war das Album fertig?

Nach neun Monaten intensiver Zusammenarbeit.

Wie entstehen Deine Songtexte?

Mein komplettes Album ist autobiografisch. Ich schreibe über meine Gedanken, Gefühle, Fantasien. Über alles, was mir im Leben so passiert. Ich habe immer ein kleines Buch dabei (jetzt auch), in das ich alle meine Gedanken und Gefühle reinschreibe. Und irgendwann gehe ich dann ins Studio und schreibe meinen Song oder singe eine Melodie im iPhone ein.

Wie sieht Dein Alltag zur Zeit aus?

Künstler ist ja kein 9 to 5 Job. Eher so 24/7. Ich bin seit letztem Monat auf Promo-Tour. Jeden Tag in vier Städten. Dann noch ein ganztägiges Foto-Shooting. Danach geht die Tourprobe los. An meinem Geburtstag (14. Februar) habe ich einen Auftritt. Den Tag danach auch. Anschließend fliege ich nach London. Wieder ein Auftritt. Dann gehe ich auf die Brit Awards. Und von da aus flieg ich dann sofort auf Tour.

Klingt anstrengend…

Auf der Bühne stehen ist ja meine Königsdisziplin. (breites Lachen)

Weitere Zukunftspläne?

Natürlich ein zweites Album. Vielleicht wieder mit Guy. Beim ersten Album ist es einfach so passiert. Das soll beim zweiten auch so sein.

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