Interview: Inka Bause im Gespräch

Interview: Inka Bause im Gespräch

Auf den Gängen im NDR Funkhaus auf dem Messegelände wuseln die Leute herum, noch eine knappe Stunde, dann beginnt eine neue „Tietjen und Hirschhausen“-Talkshow. Als Gast unter anderem dabei ist Inka Bause, die bei RTL nicht nur „Die Farm“ moderierte, sondern auch immer wieder erfolgreich Bauern verkuppelt. Hallo Sonntag-Mitarbeiterin Annette Hartmann und -Redakteur Clemens Niehaus sprachen vor der Talkshow mit der quirligen Moderatorin aus Berlin.

Hallo Sonntag: hallo Inka, herzlich willkommen in Hannover. Du hast so ein „Sonnenschein“-Image, woher nimmst du deine gute Laune?

Inka Bause: Ich habe versucht, immer so zu sein, wie ich bin. Das ist für mich am unanstrengensten, weil ich eigentlich ein relativ fauler Mensch bin. Ich arbeite sehr gerne sehr gezielt und organisiert und auch viel, ich kann aber auch wahnsinnig faul sein. Ich bin keine gute Rhetorikerin, kann mir schlecht Namen merken und so rumtaktieren kann ich auch nicht, das ist mir viel zu anstrengend. Dann dachte ich mir ‚jetzt biste einfach so, wie du bist und entweder du hast Erfolg damit oder nicht‘. Ok, damit war der Weg zwar zeitweise etwas lang *lacht* aber es hat doch irgendwie geklappt. Das ist aber kein Image, ich bin so. Mein Image ist vielleicht mittlerweile, so die Wohltäterin der Nation zu sein, und allen irgendwie Glück bringen zu wollen, oder anderen zu ihrem Glück verhelfen zu sollen. Aber das ist eine Schublade, mit der kann ich super leben. Schlimmer wär es, die Zimtzicke der Nation zu sein. Aber ich lache natürlich nicht immer, dann wäre ich ja bekloppt und doof wie Bohnenstroh – und ich denke nicht, dass ich das bin *lacht*. Aber mich bezahlt keiner dafür, dass ich in einer Talkshow sage, wie hart mein Arbeitstag war. Das will keiner hören und auch keiner wissen.

… und das glaubt einem auch sowieso keiner…

Stimmt, das glaubt einem eh keiner. Klar haben wir auch Probleme, aber das kann man nicht Otto Normalverbraucher verkaufen denn die haben ganz andere Probleme. Die haben auch einen ganz anderen Tarifvertrag als wir. Wir können uns immer mal abseilen und drei Tage an die Ostsee fahren und andere hängen da mit ihren 800 Euro Netto jeden Tag zehn Stunden an der Kasse und müssen auch ihr Kind von der Schule holen und haben noch dies und jenes zu erledigen.

Bekommst du privat eigentlich auch Post von Leuten, die einen Partner suchen?

Nee, die wollen geheiratet werden von mir *lacht*. Die schicken ganz süße Post, nicht so auf Stalker-Niveau – weil, die haben eher Angst vor mir, weil ich ja eine relativ burschikose Person manchmal sein kann – ganz nette, sehr ernst gemeinte Anfragen. Da bin ich immer ganz gerührt, weil für mich ist so eine Anfrage erstmal ein riesiges Kompliment. Ich finde, zwar nicht alles, aber vieles sehr schön. Ich nehme das sehr ernst, wenn einer sich ‚ne Stunde hinsetzt und einen Brief schreibt oder eine Mail tippt und sein Ansinnen äußert, dass er mich ganz toll findet und er mich am liebsten kennenlernen und heiraten möchte. Das ist erstmal ein unheimliches Kompliment. Man wischt das als Promi immer nur so weg, aber wenn eine normale Frau auf der Straße angesprochen wird und jemand sagt ‚ich finde sie ganz toll und würde sie gerne heiraten‘ – dann ist der Tag doch gelaufen, das ist doch toll.

Hm, das hab ich so noch nicht probiert…

Dann wirds aber Zeit *lacht*

Ich habe gelesen, dass du gerade an einer neuen Platte arbeitest zu dem auch Rosenstolz einen Song für dich beigesteuert haben, stimmt das?

Jetzt kommen wir mal zum Blöden an der Prominenz. Man hat ja ganz viele Vorteile, aber das Doofe ist, dass alles immer aufgebauscht wird. Es gibt eine Firma, die möchte mit mir arbeiten, ich möchte auch gerne, habe aber im Moment überhaupt keine Zeit. Aber man sagt, man möchte in dem und dem Zeitraum ein paar Titel sammeln und mal zu Potte kommen. Und da habe ich ganz viele tolle Autoren, die ich über die Zeit angesammelt habe, ich habe Wünsche, die Firma hat Partner und Wünsche – und jetzt wird gerade deutschlandweit eruiert, wer denn Lust hat, für die Tante, die da die Bauern verkuppelt, mal ein Lied zu schreiben. Und da gibt es erste Gespräche und sogar keine Abneigung *lacht* – was mir sowieso schon runtergeht wie Öl, das die das überhaupt in Erwägung ziehen. Aber es ist überhaupt nichts in Sack und Tüten, das kann morgen schon jemand anderes sein. Wir haben auch noch nicht einmal miteinander gesprochen, das lief bisher alles über dritte. Das hat wieder irgendeiner irgendwo auf der Damentoilette aufgeschnappt und verbreitet. Also, wir arbeiten an einem Album und möchten ganz tolle Produzenten haben und ganz tolle Autoren. Und wenn Rosenstolz dabeisein sollten, würde es mich unendlich freuen.

Wäre das denn deine Musik?

Rosenstolz mag ich. Für mich machen die auch Schlager, auch wenn die schwarze Klamotten tragen. Schlager ist auch für mich kein Schimpfwort. Das ist für mich eine schöne, authentische, eingängige und nachsingbare Musik.

Du möchtest also auch gerne wieder Musik machen?

Absolut. Ich habe bis jetzt ja regelmäßig Platten gemacht – das weiß nur keiner, weil ich „unter Auschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht habe“ *lacht*. Ich gönne mir, weil ich ja Musik studiert habe und von der Musik auch komme, nach wie vor – wenns gut läuft alle zwei Jahre und wenns nicht so gut geht dauerts auch schon mal fünf Jahre – ein Album. Aber in meinem Leben habe ich schon über ‘ne Million Platten verkauft. Nur ist es eben den Fans von „Bauer sucht Frau“ nicht bewusst.
Und ich singe auch nach wie vor auf Galas. Und ich scheue mich auch nach wie vor nicht, in Autohäusern aufzutreten. Es gibt auch Gegenden, da haben die Leute nicht soviel Geld für eine Konzertkarte und da macht man dann mal ein Familienfest – zu Ostern zum Beispiel. Und die freuen sich dann ein Loch in den Bauch, nicht weil sie mich sehen, aber dass sie ein schönes Programm bekommen und dass sie mal einen Tag umsonst gesponsert bekommen. Ich bin gerne für die Leute da und mache sie auch gerne glücklich. Ich bin keine Künstlerin, die von ihren Problemen singt, dabei dauernd auf den Boden guckt und vergisst, dass Leute da sind. Mir macht es Spaß, die Leute zu unterhalten. Ich bin eben so. Ick bin ne kleene Rampensau.

Du hast in der DDR als Sängerin begonnen, machst hier überwiegend Moderation und willst jetzt wieder Musik machen. Machst du lieber Moderation oder singst du lieber?

Es ist schwierig zu sagen. Ein Lied bewegt die Menschen, oder Musik bewegt die Menschen. Wenn man gut druff ist, dann ist man noch gut drauf, wenn man den passenden Song hört. Ich kann als Moderatorin nur eine Information weitergeben, und die Information kann Leute bewegen, aber nie ich als Moderatorin. Die werden nie sagen ‘die Moderatorin, oder der Moderator hat den Tony Christie so toll angesagt, das ist so toll’. Ich finde manche Moderatorinnen auch toll, aber wir sind nur Mittler, und das vergessen auch ganz viele Moderatoren, die sich immer unheimlich gerne profilieren und sich in Vordergrund schieben und sagen ‘hallo, bin ich’ und der Künstler ist dann nebensächlich. Ich sage immer ‘eine Moderatorin kann eine Zwei-Stunden-Show nicht durchmoderieren ohne Künstler, aber umgekehrt ohne Moderatorin und nur mit Künstlern wäre es möglich‘. Als Moderator bin ich der Gastgeber, der Kommentator. Bei mir stehen die Bauern im Mittelpunkt. Viele ärgern sich, dass ich nicht noch mehr in der Show zu sehen bin – warum sollte ich? Die sollen sich mit ihren Frauen beschäftigen, da muss ich nicht dazwischenfunken. Ich sage ‘hier hast du deine Frau, lern sie kennen, die hast du dir gewünscht’ und dann lass ich die alleine. Was soll ich denn da noch auf dem Bauernhof sitzen und den Bauern sagen ‘warum haste denn dit jetzt gemacht’ – ich halte mich da raus.

Hast du eine Lieblingsstaffel, oder einen Lieblingsbauern?

Also die beiden letzten Staffeln waren schon wahnsinnig stark. Und da kann ich nur ‘Danke’ an Narumol und Josef sagen, ‘Danke’ an Heinrich, ‘Danke’ an den sehr komischen Hansi, der mich wirklich auch Nerven gekostet hat *lacht* Das lebt durch die Bauern, und da einzelne hervorzuheben… Es gibt natürlich auch für mich immer Leute, mit denen komme ich mehr klar, oder mit denen komme ich weniger klar. Ich komme mit Heinrich (der singende Schäfer, Anm. d. Red.) hervorragend klar, weil ich den mittlerweile wirklich fast am besten kenne. Weil man mich immer wieder zu diesem Problemfall schickt, und ich da immer wieder hin muss und er mich immer wieder fragt, ob er Post gekriegt hat.

Du machst also auch „Nachsorge“?

Ja immer. Und Heinrich glaubt immer, dass wir ihm Körbeweise Post vorenthalten würden. Da muss ich dann immer sagen ‘nein, Heinrich, es tut mir leid, das tun wir nicht’ *lacht*
Es haben alle Bauern über die Produktionsfirma die Möglichkeit, mich zu kontaktieren – über Mail. Ich habe zum Beispiel Nachts um zwei ne Mail gekriegt von Bauer Jürgen ‘ich bin jetzt Papa geworden’. Das hat er, neben seinen Freunden, gleich Frau Bause geschrieben *lacht*. Das macht mich natürlich happy und stolz, das finde ich voll niedlich. Oder eben Ute, aus der ersten Staffel, die eine Mail geschrieben hat, als sie beschlossen hat, sich von Rainer zu trennen. Und auch vorher schon, als sie Probleme mit ihm hatte. Manche melden sich natürlich nicht, aber es findet für jeden der mag, Kontakt statt. Ich rede auch nach den Staffeln immer mit den Leuten und bei mir hat sich noch keiner beschwert. Im Gegenteil. Auch wenn sie keine Frau gefunden haben, hat es ihnen weitergeholfen. Es gibt ja Bauern, die haben zum ersten Mal andere Leute auf dem Hof gehabt. Die habe in ihrem ganzen Leben das erste Mal fremde Menschen auf dem Hof gehabt. Und die fanden das toll und sind auch viel lockerer geworden. Und das freut mich dann natürlich. Deshalb ärgern mich auch immer Zeitungsberichte in denen geschrieben wird, das sei alles Schmuh. Natürlich machen wir keine 3sat-Recherche bei der wir das echte Leben auf dem Lande zeigen, wir machen Unterhaltung. Und wenn die nicht wissen, was sie mit der Frau machen sollen, kommt die Redakteurin und sagt ‘wie wärs denn, wenn du die jetzt mal zum Eis einlädst und sie nicht zum 15 Mal den Stall ausmisten lässt’ *lacht* Da stehe ich aber voll dahinter. Und wenn uns mal ein Bauer anlügt und sagt er sei ledig, aber ist es nicht, ist es das Problem des Bauern und nicht des Formates – das ist dann für ihn ein Armutszeugnis. Und man nimmt dem ganzen doch den Charme, wenn man jetzt anfängt, sich Schufa-Auskünfte einzuholen und polizeiliche Führungszeugnisse und Lebensläufe vorlegen lässt.

Derzeit moderiert Inka Bause im NDR die „TOP 15 – Die NDR Hitparade“. Nächster Termin ist der 18. Juli 2010

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