Interview: Johann König im Gespräch

Interview: Johann König im Gespräch

Johann König war kürzlich zu Gast bei „Die Tietjen und Dibaba“, zuvor traf sich hallo Sonntag-Redakteur Clemens Niehaus mit dem Komiker, um unter anderem über das neue Programm „Total Bock auf Remmi Demmi“ zu reden, das König im November auch im Theater am Aegi präsentiert.

hallo Sonntag: Hallo Herr König, Ihr neues Programm heißt „Total Bock auf Remmi Demmi“, was darf man sich darunter vorstellen, wie sieht das aus, wenn Johann König „Bock auf Remmi Demmi“ hat?

Johann König: Wir haben überlegt, wie wir das Programm nennen und hatten so Sachen wie ‚Richtig Laune auf Ramba Zamba‘ oder ‚Voll Bock auf Hully Gully‘ – es gibt ja so schöne Doppelworte. Aber dann haben wir uns auf ‚Total Bock auf Remmi Demmi‘, wir haben gedacht, das passt am wenigsten zu Johann König. Und darum haben wir das so genannt. Die Leute können sich ja nicht vorstellen, wie Johann König remmi demmi macht, und darum kommen sie ins Programm – weil ich das auch nicht verrate.

Also ähnlich wie bei Johann König eskaliert, das konnte sich auch keiner vorstellen.:

Genau. Ich werde jetzt aber nicht mehr so eskalieren, nicht mehr so rumschreien wie ich das da im Programm gemacht habe. Aber ich werde schon versuchen, gute Laune zu verbreiten. Ich habe zum Beispiel ein Tischfeuerwerk gekauft, was ich irgendwann mal anzünde und dann fliegen da so komische Sachen raus – das ist für mich schon Remmi Remmi genug.

Sie werden heute hier als Komiker betitelt, das klingt so schön antiquiert, wo doch heutzutage alle immer Comedians sind. Gibt es Unterschiede zwischen einem Komiker und einem Comedian?:

Ich nenne mich schon immer Komiker und Comedians sind für mich Fernseh-Comedians. Für mich hat das was mit Fernsehen zu tun und mit dem englische Stand-Up, den Stand-Up-Comedians. Und ich mache ja auch viel im Sitzen oder im Liegen, also könnte ich mich auch Sit-Up-Comedian nennen, aber ich mag generell die deutschen Worte lieber. Ein bisschen ein Vorbild für mich ist auch Heinz Erhardt und der war auch Komiker. Ich finde: Johann König, Komiker, klingt einfach auch besser. Mario Barth dagegen ist für mich ein Comedian. Das ist nicht abwertend, sondern einfach auch so eine Gefühlssache.

Ich bin mit OTTO aufgewachsen, dann Insterburg und Co, später Loriot und Heinz Ehrhardt – wie war das bei Ihnen?:

Das erste war bei mir auch OTTO. Und das war eine riesen Drohung von meinen Eltern ‚wenn ihr jetzt nicht ruhig seid, dann dürft ihr kein OTTO gucken‘. Das war das Schlimmste, dass wir abends nicht Otto gucken durften. Und später erst, als ich schon auf der Bühne stand, haben mir viele Leute Heinz Ehrhardt-Platten geschenkt und gesagt ‚hör dir das mal an, das ist ja so ähnlich wie das, was du machst‘. Und so hab ich Heinz Ehrhardt entdeckt, da war ich aber schon 26. Und da hab ich dann gemerkt, dass Heinz Ehrhardt mich in den 50er Jahren auch schon kopiert hat – er hat viele Sachen gemacht, die ich auch mache, mit den Gedichten, das Publikum ermahnen, falsch betonen und neue Worte erfinden.

Wie kam es, dass Sie Ehrhardt erst so spät entdeckt haben, es gab doch die Filme…

Die Filme hat meine Oma immer geguckt, die hab ich natürlich auch gesehen, Aber ich kannte seine Bühnenauftritte nicht. Und das ist ja das, was für mich interessant ist, dass er da vor tausend Leuten stand. Er war ja eigentlich der erste Stand-Up Comedian der Republik. Als ich dann diese Live-Platten gehört habe hab ich gedacht ‚wahnsinn, wie der die Leute im Griff hat und wie die sich weglachen‘. Die Filme, das war nicht mein Humor und die Platten hab ich erst später entdeckt.

Wenn man als Kind Otto sieht, gab es da schon den Berufswunsch ‚Komiker‘?:

Nee, bei mir nicht. Ich wollte das ja nie machen. Ich bin da so reingerutscht. Ich wollte Lehrer werden. Ich hab erst Kinderkrankenpfleger gelernt und dann hab ich Lehramt studiert. Ich wollte nie auf eine Bühne, das war nie Berufswunsch.

Kommt man als Kinderkrankenpfleger mit Komik weiter, macht das den Beruf leichter?:

Ja, das ist schon so, nur ich war nicht komisch zu der Zeit. Ich kam gerade von der Schule und ich war immer noch sehr schüchtern. Ich hab hab nie Referate gehalten und hab mich nie gemeldet. Ich war eher so ein verklemmtes Würstchen. Ich hab auch später erst erfahren, dass es Krankenhausclowns gibt. Da könnte ich mir jetzt auch vorstellen, das hobbymäßig mal zu machen. Aber ich bin nie aufgefallen als komischer Vogel oder einer, der die Schwestern unterhält. Die Ausbildung war eher anstrengend, ich hab Kinder sterben sehen und hab Obduktionen gesehen, wo Kinder aufgeschnitten wurden. Und das hab ich dann auch später auf der Bühne verarbeitet – durchs Krankenhaustagebuch und so. Aber in der Zeit der Ausbildung war das nicht lustig – weder ich, noch die Ausbildung war lustig.

Wie kommt man als so schüchterner Mensch dann auf die Bühne?:

Es gab in Köln ein Literaturcafe, da hab ich öfter zugehört. Dort gab es einmal im Monat ein Open Microphon, wo jeder was vortragen konnte. Da gab es zwei Moderatorinnen, die dann gefragt haben ’so, wer will jetzt‘- und wenn es niemanden gab, der was vortragen wollte, hat eine der Moderatorinnen einen Text von sich vorgelesen. Und das galt es zu verhindern. Und dann hat meine damalige Freundin mich auf die Bühne gedrängt, und ich hatte auch ein Gedicht dabei – ich weiß zwar nicht mehr warum. Aber ich bin dann nach vorne geschlurft und hab mein Gedicht ins Mikrofon genuschelt. Und obwohl das Gedicht gar nicht lustig gemeint war, haben die Leute gelacht. Und das wars dann. Dieser eine, erste, Auftritt, das fand ich so irre und das hat mich so gepackt, dass ich jeden Monat dahin gegangen bin. Ich habe in den Nachtwachen, mit denen ich mir mein Studium finanziert habe, immer ein Gedicht geschrieben, hab das da vorgetragen und die Leute haben gelacht. Und irgendwann hab ich mir gedacht, ‚hm, da muss ja was dran sein‘. Ich konnte das aber nicht einschätzen. Es war eher sehr unfreiwillig und ich war sehr authentisch, weil ich auch die Schüchternheit bewahrt habe vor dem Mikrofon. Und die Leute waren immer sehr überrascht, das sich jemand, der so komisch redet, auf der Bühne traut.

Das ist ja immer noch ein wenig so, gehört das inzwischen zu der Figur Johann König?:

Natürlich habe ich mich verändert. Ich rede ja längst nicht mehr so langsam wie früher. Da hatte ich auch eine andere Stimme. Das war aber keine Absicht, das kam durchdie Aufregung. Das hat sich mittlerweile gefestigt. Ich stehe auch sicher auf der Bühne, aber ich finde immer noch komisch, dass mir die Leute zugucken und lachen. Und es gibt immer noch Sachen, wo ich das auch nicht verstehe *lacht*. Aber ich will zwar auch wachsen aber auch authentisch bleiben und nicht, wie Rüdiger Hoffmann, die Langsamkeit konservieren und immer langsam sein. So, wie ich mich fühle, so bin ich auch auf der Bühne. Ich geh da jetzt natürlich mit viel mehr Selbstvertrauen ran als damals.

Es gibt erfrischend wenig König im Fernsehen. Zwar immer mal so Kurzauftritte, aber keine kompletten Shows – warum nicht?:

Ja warum nicht? Ich bin ein Livekünstler. Es ist das allerschönste, in einen Laden zu gehen und zwei Stunden Zeit zu haben, um die Leute zu unterhalten. Ich war kürzlich bei Mario Barth in der Sendung, da hatte ich vier Minuten und da lachen die Leute auch, aber dann geht man wieder. Ich nutze das Fernsehen einfach, um meine Liveauftritte bekannt zu machen. Das macht vieeel mehr Spaß. Ich seh die Leute da zwar nicht, aber ich höre sie und man ist nah dran. Ich gehe auch ins Publikum und sag ‚guten Tag‘. Ich finde mich im Fernsehen auch nicht lustig. Wenn ich mich da sehe, muss ich immer ausschalten. Ich denke, ‚das ist alles nur halb so lustig, da ist die Scheibe davor und die Distanz, und dann noch nur vier Minuten‘. Natürlich gibt es auch Angebote für Sendungen, aber wir haben noch nicht das gefunden, was mir richtig gut gefällt.

Gerade im Fernsehen gibt es viele Sendungen, die nicht komisch sind. Und je mehr im Titel steht, dass es komisch sein soll, desto weniger komisch ist es eigentlich.:

Das ist ja auch alles ganz falsch und so künstlich. Die Leute gehen da hin und müssen klatschen, zu mir kommen sie und wollen klatschen. Das ist schon ein ganz anderes Klatschen. Und es gibt keinen Anheizer, sondern ich bin der Anheizer.

Was bringt Sie denn zum Lachen?:

Naja, zu Hause natürlich. Ich hab ein kleines Kind, Katzen und eine Freundin und da braut sich schon was zusammen *lacht*. Diese Sachen fließen schon ein, ins Bühnenprogramm. Kollegen, die ich lustig finde, gibt es auch, aber das sind eher unbekanntere. Ich finde Olaf Schubert und Serdar Somuncu zum Beispiel lustig, oder Kurt Krömer. Aber es ist selten, dass ich vor dem Fernseher lache. Man guckt sich dann aus Interesse die Kollegen an, aber ich lache eigentlich nie vor dem Fernseher.

Aus Prinzip nicht, oder weil es nicht lustig ist?:

Ich hab ja mittlerweile auch einen anderen Blick, einen beruflichen Blick. Und mache kennt man persönlich. Ich fand zum Beispiel Dieter Nuhr nicht so lustig früher, jetzt hab ich den kennengelernt und der ist so nett. Jetzt kann ich mir den viel besser angucken und finde den auch viel lustiger. Und es gibt ja auch auch Kollegen, die man lustig findet und die sind dann privat total blöd. Und manche kennt man nur durchs Fernsehen und manche kennt man nur privat. Und das sind dann immer so Mischformen, die es beeinflussen, wie man die findet.

Im November kommen Sie nach Hannover..:

Ja, am 26. November. Ich war noch nie in Hannover auf der Bühne. In Langenhagen, im Theatersaal, war ich oft, aber seit zehn Jahren auf der Bühne noch nie in Hannover.

Im Moment ist gerade CeBIT – wie sieht es bei Ihnen so mit Technik aus?:

Ich hab mir jetzt für meinen i-Pod so ein i-talk zum Aufnehmen gekauft, weil ich ja immer Ideen habe, die ich dann im Zug da reinsprechen kann. Ich rede auch mit mir selber im Zug, da gucken die Leute dann immer komisch aber ich bin keiner, der nur schreibt, sondern ich muss die Texte auch sprechen. Erst sprechen und dann aufschreiben – außer die Gedichte vielleicht.

Gibt es dieses kleine Buch mit den Gedichten eigentlich wirklich?:

Na klar, das hab ich auch heute dabei. Da steht alles drin.

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