Interview: Matthias Reim im Gespräch

Interview: Matthias Reim im Gespräch

Das Leben hat es nicht immer nur gut gemeint mit Matthias Reim (55). Dennoch: Der Mann hat sich nicht unterkriegen lassen und ist wieder da. Er selbst sagt: „Der Schlagertitan ist back“ und lächelt breit. Ein Titan ist Reim aber eigentlich nicht:
eher ein Kumpeltyp, einer, mit dem man gerne auf ein Bier zusammensitzt. Und auch Familienmensch. Während des Interviews kommt ein Anruf von zuhause rein: Das Auto streikt. Die Ehefrau braucht Rat. Kein Problem: Reim drückt das Telefonat nicht weg, sondern hilft auch hunderte von Kilometern weit weg. „Familie ist eben Familie“ lächelt er entschuldigend. Jeanine Cujé-Bartsch sprach mit Matthias Reim im MOCA über seinen Erfolg, seine Musik und Zukunftspläne.

Erst einmal Glückwunsch zur Nummer 1 in den deutschen Albumcharts. Wie hast Du davon erfahren?

Matthias Reim: Natürlich hofft man schon am Tag der Veröffentlichung darauf. Aber als dann der erlösende Anruf am Montagnachmittag kam, dass war schon ein ganz besonderer Moment. Davon träumt jeder Künstler.

Für alle, die Deine Musikkarriere in den letzten Jahren nicht so verfolgt haben: Wenn man an Matthias Reim denkt, kommt einem sofort „Verdammt ich lieb Dich“ (Durchbruch 1990) in den Sinn. Hängt Dir der Song mittlerweile zum Hals raus?

Auf gar keinen Fall. Der Song hat mein Leben verändert. In jeder Hinsicht. Es gibt, glaube ich, niemanden, der den Song nicht auswendig mitsingen kann. Vielleicht ist das Lied sogar der zeitloseste deutsche Song aller Zeiten. Dazu ist er generationenverbindend. Die Leute mögen ihn noch immer. Und ich freue mich jedesmal bei einem Konzert auf den Moment, an dem ich ihn singen darf. Das ist immer ein magischer Moment, für mich und das Publikum.

Erklär doch bitte mal den Unterschied zwischen Matthias Reim von 1990 und dem von heute.

Heute KANN ich das, was ich damals anfing. Ich kann die Menschen mitreißen und begeistern und zwei Stunden lang volle Power liefern. Ich hatte eigentlich zwei Karrieren: eine fiel vom Himmel und die andere war und ist bis heute harte Arbeit.

Es geht für Dich jetzt Schlag auf Schlag: Neue CD („Unsterblich“), NDR 1 Schlagerstarparade (24. Februar/TUI Arena) und anschließend die Konzerttournee. Aufgeregt?

Na klar bin ich aufgeregt. Es ist gerade ein so verdammt gutes Gefühl, wieder auf der Glücksspur zu sein. In den vergangenen Jahren haben die Medien immer nur über meine Schulden geschrieben. Jetzt geht es endlich wieder um meine Musik und die Message.

Welche Message?

Ich singe grundsätzlich über das, was mich bewegt und wie ich zu den Dingen im Leben stehe. Und ich möchte den Leuten immer ein positives Gefühl geben mit meiner Musik. So wie bei „Ein einsamer Stern“. Ich möchte vermitteln, dass wenn eine Tür zu geht, vielleicht eine Liebe endet, immer wieder eine andere Tür aufgeht. Und dass man auch an eine verlorene Liebe gerne zurückdenken kann. Und wenn dann Hunderte Fans im Konzert die Songs mitsingen und feiern, ist das ein ganz tolles Gefühl.

Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du vor 100 oder vor 3000 Menschen singst?

Für das was wir tun, ist es egal. Für das Gefühl ist es nicht egal: je mehr es sind, desto aufregender. Wenn Du eine Halle mit 3000 oder 8000 Leuten hast, ist das schon richtig toll.

Helene Fischer, Andrea Berg, Matthias Reim. Warum ist der deutsche Schlager derzeit so erfolgreich, wie seit 20 Jahren nicht mehr?

Weil der deutsche Schlager ehrlich ist, weder blöd noch spießig. Endlich begegnet man nationalen Künstlern wieder mit Achtung. In England und Frankreich war das schon immer so. Und Millionen Besuchern, die zu den deutschsprachigen Konzerten pilgern, sagen den Medien, die immer nur alles aus Amerika und England hypen: „Wir wollen auch Lieder in unserer Muttersprache hören!.

Werfen die Fans eigentlich bei Deinen Konzerten auch Dinge auf die Bühne?

Ja. Vom Teddybär über BHs bis zum Schlüpfer bekomme ich alles um die Ohren geworfen. Manche Mädels machen das. Ich weiß nur nie, wer es war.

Was war denn das Skurrilste?

Einmal wurde ein Riesenpaket auf die Bühne geworfen. Da war Lübecker Marzipan drin. Meine Fans wissen, dass ich das mag.

Wie entspannst Du denn vor einem Live-Konzert. Yoga?

Ich bin wahrscheinlich der Künstler mit dem größten Lampenfieber in Deutschland. Ich bin total am Flattern. Ein kleines Bierchen und eine Zigarette – das ist mein Yoga.

Was hat das große Kreuz an Deiner Halskette verloren? Ausdruck Deines christlichen Glaubens oder nur schmückende Dekoration?

Den Anhänger habe ich vor über 20 Jahren an einem Schmuckstand auf Ibiza für wenig Geld gekauft, weil er mir gefiel. Als ich die Kette einmal durch eine andere ersetzt habe, bekam ich noch während des Konzerts Fieber und fühlte mich schlecht. Seitdem nehme ich sie nicht mehr ab.

Also bist Du abergläubisch?

Nein, eigentlich gar nicht. Dennoch glaube ich, der Kreuzanhänger ist magisch. Er ist mein ganz persönlicher Glücksbringer. Ich habe mir sogar ein Abbild auf meine rechte Schulter tätowieren lassen.

Dein Sohn Julian (16 Jahre) macht auch Musik. Er hat den Songtext zu „Unsterblich“ geschrieben?

Das Intro ist tatsächlich von Julian. Er hat es mir vorgespielt und ich war gleich begeistert. Der Text zum Song stammt von mir. Natürlich freut sich Julian, dass er mit im Booklet steht.

Wie entspannst Du Dich bei Deinem doch recht anstrengenden Musiker-Leben?

Ich gehe in mein Fitnesstudio im Keller, lese oder nehme mein kleines altes Bötchen und fahre ein bisschen auf dem Bodensee herum. Wir haben auch Mountain-Bikes. Na ja, was man halt so macht“ (lacht).

Matthias Reim rudert also im Holzboot über den See?

Wo denkst Du hin. Nix Ruderboot. Es ist natürlich ein Motorboot. Ich bin doch ein Junge.“ (breites Grinsen).

Du hast nach dem Abitur Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert. Wieso hast Du Dich für deutsches Liedgut entschieden und nicht dafür, auf Englisch zu singen?

Meine Gefühle kann ich eben am besten in meiner Muttersprache ausdrücken. Das ist ehrlich. Da fühle ich mich zuhause. Zu meiner Musik gehören auch die Texte, das kann man nicht trennen.

Was hörst Du privat?

Einfach alles: Von Pink Floyd über Adele, David Garrett bis David Guetta. Schon durch meine Kids komme ich mit allen Musikrichtungen in Kontakt. Ich bin da sehr offen.

Auf Deiner facebook-Seite hat ein Fan geschrieben: „Matthias, Du bist einfach eine geile Sau“. Freut Dich so etwas?

Aber klar. Das ist doch nett. Ich habe Sie doch gelehrt, diese deftige Sprache zu nutzen.

Die Fans mögen an Dir besonders Deine nette, unkomplizierte Art. Kein Problem mit zu viel Nähe?

Nein, ich habe keine Kontaktängste. Ist doch schön, wenn die Fans einen mögen. Ich mache auch auf der Straße Fotos mit den Leuten. Wenn es die Menschen freut – warum denn nicht. Es gibt bestimmt Tausende von Fotos von mir. Und auf allen sehe ich scheiße aus (lacht). Ich hätte ja auch gerne mal ein Foto mit Ozzy Osborne. Das wäre mir heilig. Das würde bei mir an der Wand hängen. Am besten noch mit der Widmung „Für meinen Freund Matthias Reim“.

Auf was dürfen sich Deine Fans denn auf den Live-Konzerten demnächst freuen?

Auf mich, meine neun Musiker, eine musikalische Reise durch Neues und auch viele Erinnerungen.

Am Dienstag, 23. April (20 Uhr), macht Matthias Reim auf seiner „Unendlich-Tour 2013“ Station im Capitol. Karten (44,50 Euro) gibt es im Vorverkauf unter der Ticket-Hotline 0511/44 40 66, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter
www.hannover-concerts.de

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