Interview: Michael Bresser

Interview: Michael Bresser

Michael Bresser hat ein Buch über seine neue Familie in Hannover geschrieben

Hannover. Patchworkfamilie hört sich leicht an, ist es aber oft nicht. Wenn sich die Teilstücke zweier Familien zu einer neuen zusammensetzen, ist das oft nicht unproblematisch – aber eben manchmal auch sehr komisch.

Michael Bresser ist Teil einer solchen Patchworkfamilie geworden. Er hat sich in eine Frau mit Kind verliebt. Und wenn die Traumfrau nur mit Anhang und zudem nur in Hannover zu bekommen ist, dann packt Mann seine Koffer, zieht nach Hannover und erlebt Familie kompakt: lernt kochen, geht zu Elternabenden und muss sich schließlich auch von seinem Ziehsohn anhören, dass Möhren eigentlich gar nicht gehen, schon gar nicht in Bolognese, auch wenn sie da rein gehören. Seine Erlebnisse mit Marten, der im Buch Max heißt, hat der gelernte Betriebswirt jetzt aufgeschrieben. Aus seinem Buch „Seit gestern hasse ich Möhren“ liest der 43-Jährige am morgigen Donnerstag. Wir sprachen mit ihm vorab darüber, wie es ist, in einer Patchworkfamilie zu leben.

Hallo Herr Bresser, kommt Ihre Bolognese inzwischen besser an?

Ob das Essen ankommt, ist tagesformabhängig. Marten mag ja eigentlich am Hähnchen hauptsächlich Haut und Fett; das Fleisch verschmäht er. Da er bei den letzten Bolognese-Mahlzeiten die Sauce verschmäht hat, koche ich (meistens kocht ja meine Frau) etwas anderes. Neulich fand er erstaunlicherweise den von mir zubereiteten Kohleintopf lecker. Das heißt aber nicht, dass er ihn beim nächsten Mal mag. Mein erstes Chilli fand er saugut. Als ich das Gericht ein Jahr später wieder kochte, maulte er: „Schon wieder Chilli?? Gibt es nichts Anderes?“

Haben Sie irgendwann gedacht: Ich schaffe das nicht, eine Patchworkfamilie zu leben?

Eigentlich nicht. In der ersten Zeit, wo es leichte Schwierigkeiten mit Marten und mir gab, wohnten wir nicht zusammen. Da konnte ich mich unter der Woche erholen. Er war zu der Zeit im Alter von drei auch in der Trotzphase. Bekannte und Familienangehörige berichten mir, dass es in diesem Alter auch mit leiblichen Kindern nicht einfacher ist. Ein Freund mit etwas älteren Kindern sagte mir einmal: „Mach dir keinen Kopf darum. Es wird immer einfacher.“

Wie ist inzwischen ihr Verhältnis zu Max/Marten?

Wir lieben uns heiß und innig.

Was war ihr „Durchbruch“ im Verhältnis zu Max/Marten?

Das ist schwer zu sagen. Marten ist manchmal kein einfaches Kind, da er unter einer leichten Form des Asperger-Syndroms leidet. Leidet ist eigentlich das falsche Wort, eigentlich ist er ein glücklicher, fröhlicher Junge. Leider hatte er zum Anfang der Schulzeit Probleme, weil manche Lehrer mit seiner verträumten Art nicht zurechtkamen. Als er merkte, dass ich immer zu ihm hielt, hat er mich in sein Herz geschlossen.

Was war Ihr erster Eindruck von der Stadt?

Hannover ist ein grüne Stadt, die für mich eine sehr hohe Lebensqualität besitzt. Trotz ihrer Größe ist die Stadt nicht anonym. Man läuft immer jemanden, den man kennt, zufällig über den Weg. Ich stamme aus dem Ruhrgebiet. Dort muss man für Unternehmungen immer in andere Städte fahren. Hier habe ich alles vor der Haustür. Ich liebe Hannover sehr.

Hatten Sie keine Vorurteile?

Natürlich war ich von den bundesweiten Vorurteilen gegen Hannover beeinflusst. Ich fand die Stadt damals ganz nett, aber nicht besonders aufregend. Zuerst war ich hier um meine Schwester zu besuchen, die damals in Badenstedt lebte. Als ich einige Jahre später meine Frau kennenlernte, wohnte diese in Linden, einem Stadtteil, den ich sehr spannend finde und auch in dieser Art nicht kannte. Auf einmal fand ich Hannover bunt und aufregend. Jetzt wohnen wir in der List inmitten prachtvoller Altbauten und buntem Straßenleben. Ich haben den Umzug von Duisburg keinen Tag bereut.

Interview: Heike Schmidt

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