Interview: Silbermond im Gespräch

Interview: Silbermond im Gespräch

Volkswagenhalle Braunschweig. Silbermond sind beim Soundcheck und plötzlich wird Ulf gesucht. Ob er gefunden wurde, interessierte auch hallo Sonntag Redakteur Clemens Niehaus, der beim anschließenden Interview mit Stefanie Kloß, Andreas Nowak sowie Johannes und Thomas Stolle einfach nachgefragt hat.

Ist Ulf denn wieder aufgetaucht?

Silbermond: Ja, er ist dann gefunden worden. Das Problem ist ja, dass wir zwei Ulfs haben, und fünf Thomase und fünf Stefans. Um die auseinander zu halten haben sie entweder Spitznamen oder werden nach den jeweiligen Gewerken eingeordnet. Da gibt es dann den Licht-Ulf, den Ton-Ulf, Licht-Stefan oder Gitarrist Thomas…

Ich habe mal eure Karriere anhand eurer Hannover-Konzerte nachvollzogen – von dem ersten Besuch bei der BRAVO-Supershow, über die Konzerte im Capitol, auf der Gilde-Parkbühne, der EXPO-Plaza bis hin zum Start der „Nichts Passiert“-Tour in der ausverkauften AWD-Hall. Jetzt spielt ihr in Hannovers größter Halle, der TUI Arena – seid ihr die nächste Stadion-Band?

Mal gucken *lachen*. Diese Tour mussten wir ein Jahr vorher planen, obwohl das meistens eigentlich gar nicht so unser Ding ist. Denn wenn wir die letzten Jahr etwas gelernt haben, Musik ist so ein Ding, was jetzt passiert und was man auch jetzt genießen sollte. Wir sind nicht so Typen, die in drei, vier oder zehn Jahren denken. Das war wir gerade machen, fühlt sich gut an. Und diese Tour, die gerade angefangen hat, macht total viel Spaß, wir haben eine supertolle Crew. Für uns neu ist, dass da jetzt nicht mehr drei Trucks stehen, sondern sechs, nicht mehr zwei Nightliner, sondern drei. Das ist schon eine große Gruppe. Aber es macht uns Spaß, es macht den Fans Spaß – und das ist für uns gerade das Wichtigste. Und was da in Zukunft kommt, muss man von Jetzt abhängig machen.

In so großen Produktionen ist ja in der Regel alles gut durchgeplant, so dass die Spontanität auf der Strecke bleibt …

Wir mussten und damit auch erst anfreunden. Aber das ist keine Sache, die uns aufoktroiert wird, sondern die man selber lernt. Wir wollten manche Sachen visuell unterstützen und da muss man halt mit dem Licht genau zusammenarbeiten. Wir haben uns vor über einem Jahr mit unseren Leuten hingesetzt und überlegt, wie man das machen kann. Und dann findet man das schon gut, wenn das jeden Abend funktioniert. Und deswegen gibt es Stellen, die jeden Abend wirklich fast identisch sind – natürlich spielen wir sie immer anders, das ist halt live – und manchmal verspielt man sich auch, klar. Und das wird auch so bleiben, denn das ist das allerallerwichtigste. Es geht immer um die Musik und nicht darum, ob alles perfekt inszeniert ist. Aber es gibt bestimmte Sachen, wie der Start der Show, die sind natürlich überlegt, da steckt ja auch eine Idee dahinter, und eine Aussage, und das wollen wir auch jeden Abend bestmöglich auf die Bühne bringen. Aber genauso wichtig sind uns die Momente, wo alles komplett frei ist und wo es keine Anweisungen gibt, wo man sein muss, weil da gerade ein Licht ist. Da macht es dann auch keinen Unterschied, ob wir im Jolly Joker spielen oder in der Volkswagenhalle. Das sind auch für uns ganz ganz wichtige Momente – und das sind nicht wenige!

Habt ihr Orte, wo ihr besonders gerne live spielt?

Ein tolles Open Air, ist was ganz feines – wenn so die Sonne untergeht… Wir haben dieses Jahr in unserer Heimat in Dresden am Elbufer gespielt, die Kulisse ist schon fast nicht zu toppen. Was auch toll ist, sind Konzerte in Städten, mit denen wir auch emotional was verbinden – sprich Städte, wo viele Freunde sind, wo die Familie ist. Natürlich ist da Sachsen, da ist es egal in welche Stadt wir da spielen, dann in Braunschweig, weil die Hälfte unserer Stammcrew kommt aus Braunschweig, und Undercover, unsere Booking-Agentur, auch. Die sind auch heute alle hier, und kommen mit ihren Kids vorbei – und das ist für uns auch eine schöne Situation. Oder Städte wie Hamburg, wo auch immer viele Freunde und Bekannte kommen. Und natürlich Berlin, was sozusagen mittlerweile unsere zweite Heimat ist, was auch immer etwas ganz Tolles ist, weil unsere Produzenten da kommen, und viele Musiker-Freunde.

Erinnert ihr euch noch an Konzerte, die ganz grottig waren?

Na klar, die merkt an sich am Besten *lachen*. Also so ein richtiges, richtiges Desaster, wo die Leute rausgerannt sind, hatten wir zum Glück noch nicht. Aber es gab natürlich Konzerte, wo verhältnismäßig viel schief gelaufen ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wir hatten beispielsweise 2005 in unserer Heimat ein Konzert, da hatten wir uns überlegt, dass am Anfang nach den erstenTakten ein Vorhang runterfallen sollte – übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass man sich nicht zu sehr auf Technik verlassen sollte – aber es passierte nichts. Der Vorhand blieb einfach hängen, und er blieb wirklich hängen. Wir mussten dann das Konzert abbrechen, den Vorhang runterholen, und konnten dann erst weiterspielen. Das dauerte gefühlte zehn Minuten, obwohl es wahrscheinlich nur vier bis fünf Minuten waren. Das sind Momente, da kann man heute drüber lachen, aber in dem Moment… Aber das ist live.

Bringt euch das noch aus dem Konzept, oder bleibt ihr da ganz ruhig?

Steffi: Das bringt dich immer noch aus dem Konzept, und da können tausend Leute sagen ‚hey, ihr habt schon einige Pannen auf der Bühne erlebt, ihr müsst da ruhig bleiben‘, aber sowas kann ich nicht, das ist als wenn die beim Intro die Hose reißt. Mir ist einmal beim Intro der Hosenstall kaputtgegangen, das fand ich auch nicht witzig. Und ich konnte auch nicht mehr weg und die Hose wechseln, weil das Intro lief schon, wir mussten auf die Bühne und die Jungs haben gesagt ‚Steffi, wir müssen da jetzt raus‘ Und ich immer ‚nein, nein‘. Das sind Sachen, die bringen dich immer aus dem Konzept. Aber das ist eben, wie es ist, das ist live. Da passieren solche Sachen. Und wenn man das nicht will, muss man Playback spielen – aber das sind wir nicht und das waren wir auch nicht. Wir sind auch zu ehrgeizig und wollen den Leuten ein gutes Konzert bieten, als dass uns das völlig kalt lassen würde. Aber je älter man wird und je mehr man auch gespielt hat, und je mehr Pannen man erlebt hat – ein bisschen ruhiger wird man schon.

Ihr spielt am 22. Dezember eure letzte Show der Tour in Hannover. Ist das, so zwei Tage vor Weihnachten, eine besonderes Konzert?

Irgendwie schon. Da schließt so ein bisschen ein Kreis – wir haben die letzte Tour in Hannover gestartet und beenden diese Tour dort. Ich glaube, das wir ein ganz ganz großes Fest. Man kann eine Band erwarten, die hochmotiviert sein wird. Wir werden alles geben und es wird – wie das bei Tourabschlüssen so ist – sehr emotional sein, und gerade so kurz vor Weihnachten. Und wir freuen uns sehr, dass das in Hannover stattfinden wird.

Silbermond spielen am 22. Dezember in der TUI Arena in Hannover. Tickets gibt’s noch an den bekannten VVK-Stellen, unter der Hotline 0511/44 40 66 sowie unter www.hannover-concerts.de

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