Stadt macht Rückzieher: Neubau an der Karl-Wiechert-Allee (vorerst) gestoppt
Hier soll gebaut werden: Die Nachbarn Andreas Lochte (links) und Mathias Möhle wehren sich gegen das geplante Bauvorhaben in der vorgestellten Form.Foto: Oberdorfer

Stadt macht Rückzieher: Neubau an der Karl-Wiechert-Allee (vorerst) gestoppt

HANNOVER. Alles zurück auf Start: Die Stadtverwaltung hat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein 13000 Quadratmeter großes Grundstück am Bahnhof Karl-Wiechert-Allee zurückgezogen. In einer Dialogrunde unter Leitung von Bezirksbürgermeister Hennig Hofmann wollen Stadt, Hochtief als Investor und die Anwohner nun nach Eckpunkten für die Bebauung des Grundstücks suchen.

Rückblende: Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan wollte die Stadtverwaltung den Bau von 300 „temporären“ Wohnungen – siehe Infokasten – auf dem Grundstück an der Karl-Wiechert-Allee ermöglichen. Diese sollten in vier bis zu siebengeschossigen Häusern entstehen. Das Problem: Der gültige Bebauungsplan sah nur eine bis zu dreigeschossige Bebauung vor. Zu wenig für den Investor aber auch zu wenig für Hannover, um die starke Nachfrage gerade nach kleinen Wohnungen befriedigen zu können. Gegen die höhere Bebauung wehrten sich jedoch die Anwohner. „Wir möchten nicht solche großen Betonklötze direkt vor die Nase gesetzt bekommen“, sagt Mathias Möhle. Er wohnt in direkter Nachbarschaft am Schnevedinger Weg. In einer Diskussionsrunde brachte Bezirksbürgermeister Hofmann alle Beteiligten an einen Tisch.

Der ursprüngliche Plan: Hochtief wollte vier bis zu sieben Stockwerke hohe Häuser an der Karl-Wiechert-Allee errichten.

Der ursprüngliche Plan: Hochtief wollte vier bis zu sieben Stockwerke hohe Häuser an der Karl-Wiechert-Allee errichten.

Das Ergebnis: Nach dem Treffen zogen Stadt und Investor in der vergangenen Woche ihre Pläne vorerst zurück. Eine Entscheidung über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan wurde wieder von der Tagesordnung der morgigen Bezirksratssitzung gestrichen.

„Wir können die Arbeiten der vergangenen eineinhalb Jahre in den Papierkorb packen, wir stehen jetzt wieder ganz am Anfang“, sagt Projektentwickler Dirk Felsmann. Ein Architekt soll die Bedenken und Anregungen der Anwohner in einen neuen Entwurf einarbeiten. Mit dem in der Tasche will der Investor dann in die von Bezirksbürgermeister Hofmann angekündigte Dialogrunde gehen. „Die Baumasse wird sich in dem neuen Entwurf sicher reduzieren“ sagt Felsmann. Er sieht aber auch „echte Chancen für alle Beteiligten“ in dem Projekt. So würde beispielsweise „der Lärmschutz für die Anwohner am Schnevedinger Weg verbessert“, sagt Felsmann.

Über den angekündigten Einstieg in den Dialog freut sich auch Mathias Möhle: „Klar gibt es Anwohner die am liebsten die grüne Wiese behalten möchten. Aber das ist sicher nicht realistisch. Gut ist, wenn wir jetzt gemeinsam in die Suche nach einen Kompromiss einsteigen.“

Bis die ersten Bagger auf dem Grundstück an der Karl-Wiechert-Allee anrücken und die Arbeiten beginnen, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. „Planungen, Dialog mit allen Beteiligten und die Bauvorbereitungen werden sicher eineinhalb bis zwei Jahre dauern“, erläutert Felsmann.


 Stichwort „Temporäres“ Wohnen

Das ist eine „temporäre“ Wohnung: Der Neubau an der Karl-Wiechert-Allee soll vorrangig für Pendler errichtet werden. Denn: Die Lärmbelästigung durch Autos und Züge ist in diesem Bereich so hoch, dass ein dauerhaftes Wohnen in den Häusern nicht möglich ist. „Wir wollen die Wohnungen beispielsweise in Kontingenten an Firmen vermieten, die hier Mitarbeiter für einen kürzeren Zeitraum „temporär“ unterbringen können“, erläutert Felsmann das Konzept des Investors. (tob)


 

Hier soll gebaut werden: Die Nachbarn Andreas Lochte (links) und Mathias Möhle wehren sich gegen das geplante Bauvorhaben in der vorgestellten Form.Foto: Oberdorfer

Hier soll gebaut werden: Die Nachbarn Andreas Lochte (links) und Mathias Möhle wehren sich gegen das geplante Bauvorhaben in der vorgestellten Form.Foto: Oberdorfer

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