Kein bisschen Frieden

Kein bisschen Frieden

Schauspielhaus bringt „Im Westen nichts Neues“ auf die Bühne

Hannover. Es ist keine leichte Kost. Aber man sollte dieses Stück gesehen haben. Sein Titel ist „Im Westen nichts Neues“. Schauspielhaus-Intendant Lars-Ole Walburg hat den gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque auf die Bühne gebracht. Knapp zwei Stunden lang kämpfen sich junge Menschen, die sich freiwillig zum Kriegseinsatz gemeldet haben, pausenlos durch Schlamm und Schmutz, zerreißen gierig ein Spanferkel, saufen, raufen und befinden sich doch in einem großbürgerlichen Salon, in dem eine ganz in Weiß gekleidete Dame auf einem ebenfalls weißen Flügel spielt.

Das unschuldige Weiß des Bühnenbildes wird aber nicht lange so bleiben. Es werden mit Farbe gefüllte Wasserbomben auf dem Flügel platzen. Zunächst wird die Farbe wie rotes Blut an ihm herunterlaufen. Später wird sich schwarze Farbe dazu mischen und alles in ein Schlammbraun tauchen. Die großbürgerliche, unschuldige Welt, die Salons, in denen die jungen, kriegsbegeisterten Männer (Jakob Benkhofer, Daniel Nerlich, Dominik Maringer, Nicola Fritzen und Jonas Steglich) groß geworden sind, wird dann längst nicht mehr die sein, aus der sie kamen. Die Welt wird sich verändert haben. Sie wird nicht mehr die sein, die sie kannten. Sie werden sich nicht mehr in ihr zurecht finden.

Wie ein Ausrufungszeichen der alten, großbürgerlichen Welt sitzt Katja Gaudard am Flügel. Sie spielt Stücke romantischer Walzerseligkeit bürgerlichen Heimatgefühls, das allerdings mit jedem Farbbeutelangriff ein wenig mehr in Dissonanzen untergeht. Auch ihr Kleid bleibt von den Farbbeutelangriffen nicht verschont. Schlammverschmiert sitzt sie schließlich auf dem Schemel vor dem Symbol der Großbürgerlichkeit, von dem die Farbe tropft. Am Ende wischt sie hilflos über die Tasten, um sie sauber zu bekommen. Doch immer wird Farbe an ihr oder dem Instrument kleben bleiben.

Und so ist auch eine der stärksten Szenen dieser Inszenierung, wenn die jungen Menschen in voller Montur unter dem Flügel Schutz vor den Farbbeutelbomben suchen. Auch das Instrument wird sie nicht retten können. Zum Schluss ist die ganze Bühne mit Farbschlamm verschmiert und zu einem rutschigen Parkett für jeden geworden. Auf kurz oder lang wird es jeden zu Fall bringen.

Karten unter Telefon

(05 11) 99 99 11 11

Informationen
im Internet unter

www.schauspielhannover.de

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