Kleiner Käfer stoppt die Gärtner
Stoppt die Gärtner im Berggarten: der Juchtenkäfer

Kleiner Käfer stoppt die Gärtner

Hannover. Der Juchtenkäfer ist keine vier Zentimeter lang, nur wenige Gramm leicht und trotzdem ein Schwergewicht. Denn: Das kleine Krabbeltier schaffte es, städtische Gärtner wie auch Denkmalsschützer auszubremsen. Diese wollten die morschen und nicht mehr standfesten 280 Jahre alten Bäume der Lindenallee im Berggarten fällen und durch neue Baumreihen ersetzen.

Aus diesem Plan wird nun vorerst nichts, da sich in mindestens 60, wahrscheinlich aber sogar in fast allen Bäumen der Allee die Käfer eingenistet haben – streng geschützt von deutschen wie auch europäischen Naturschutzgesetzen. Wer sie vertreibt, muss mit heftigen Strafen rechnen: „Es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Das ist keine Ordnungswidrigkeit, das ist ein Straftatbestand und ich möchte nicht im Gefängnis landen“, erklärt Ronald Clark, Direktor der Herrenhäuser Gärten. Er stellte in dieser Woche drei Varianten vor, wie es mit den Bäumen und der seit gut einem Jahr für Besucher gesperrten Lindenallee im Berggarten weitergehen soll.

Hier darf keiner rein: Ronald Clark, Direktor der Herrenhäuser Gärten, präsentiert an der abgesperrten Lindenallee die Umbauvarianten für die alten Baumreihen.

Quelle: Dröse

Hier darf keiner rein: Ronald Clark, Direktor der Herrenhäuser Gärten, präsentiert an der abgesperrten Lindenallee die Umbauvarianten für die alten Baumreihen.

Dabei hat die Stadt fast ein Jahr lang dafür gekämpft, die morschen Linden doch noch fällen zu dürfen, um eine neue Allee anlegen zu können. Vergebens. Für eine angedachte Umsiedlung der Juchtenkäfer – beispielsweise in Eilenriede oder Deister – gab es kein grünes Licht von der zuständigen Naturschutzbehörde. So bleibt nur der Erhalt der Bäume.

Leidtragende des langen Entscheidungsprozesses waren die Besucher des Berggartens. Sie dürfen seit über einem Jahr die Allee nicht mehr betreten. Gleiches gilt übrigens auch für die städtischen Bediensteten. Wegen Unfallgefahr untersagte die Berufsgenossenschaft Rasenmähen oder andere gärtnerische Arbeiten rund um die Bäume.

Zumindest zwei der jetzt von Gartendirektor Clark vorgestellten drei Varianten würden eine Öffnung der Lindenallee für Besucher wieder ermöglichen. Die Stadt selber möchte gerne die „Variante zwei“ verwirklichen. Diese sieht vor, die Linden an der ersten Astgabelung zu kappen, so dass nur die Stämme stehen blieben. Die wiederum werden mit einem Gurt an einem neben dem Baum stehenden Metallstab fixiert. Nun ist die Politik gefragt. Alle drei Varianten liegen dem hannoverschen Rat zur Entscheidung vor.

Übrigens: Eine endgültige Rettung für den Juchtenkäfer im Berggarten ist keine der drei Varianten. In 20 bis 30 Jahren helfen auch keine Metallgerüste mehr, um die dann über 300 Jahre alten Linden am Leben zu halten – und im toten Holz kann dann auch der Juchtenkäfer nicht leben.

 

Variante 1

Die Bäume werden zurückgeschnitten, aber Stamm und Starkäste bleiben erhalten. Drahtseile sichern die Linden. Allerdings: Sie ragen als Stolperfallen in die Wege hinein. Rund drei Millionen Euro würde diese Variante in den kommenden 20 Jahren kosten.

Die Bäume werden zurückgeschnitten, aber Stamm und Starkäste bleiben erhalten. Drahtseile sichern die Linden. Allerdings: Sie ragen als Stolperfallen in die Wege hinein. Rund drei Millionen Euro würde diese Variante in den kommenden 20 Jahren kosten.

 

Variante 2

Der Favorit der Stadtverwaltung: Die Bäume werden bis zum Stamm zurückgeschnitten. Jeder Baum wird mit einem Metallstab gesichert. Kosten: Rund 350 000 Euro, verteilt auf 20 Jahre. Die Lindenallee könnte wieder betreten werden.

Der Favorit der Stadtverwaltung: Die Bäume werden bis zum Stamm zurückgeschnitten. Jeder Baum wird mit einem Metallstab gesichert. Kosten: Rund 350 000 Euro, verteilt auf 20 Jahre. Die Lindenallee könnte wieder betreten werden.

 

Variante 3

Die Stadt tut nichts. Die Lindenallee bleibt abgesperrt und sich selbst überlassen. Aus Sicherheitsgründen dürfen nicht einmal Gärtner in diesen Bereich. Die Allee verwildert, die  morschen Stämme würden im Laufe der Zeit von selber umkippen. tob

Die Stadt tut nichts. Die Lindenallee bleibt abgesperrt und sich selbst überlassen. Aus Sicherheitsgründen dürfen nicht einmal Gärtner in diesen Bereich. Die Allee verwildert, die morschen Stämme würden im Laufe der Zeit von selber umkippen. tob

Bildquelle

  • clark: Dröse
  • Kaefer: Dröse
1 Kommentar zu diesem Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.