Kritik am offenen Sonntag
Verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt Hannovers. Foto: Jan Philipp Eberstein

Kritik am offenen Sonntag

Ver.di setzt durch, dass Veranstaltungen am gleichen Tag sein müssen

Von Jan Sternberg
Berlin. Gibt es zu viele oder zu wenige verkaufsoffene Sonntage? Mit dieser Frage müssen sich verstärkt Kommunen herumschlagen und stehen dabei zwischen den Fronten der Händler und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die hatte zum Beispiel die Stadt Hannover verklagt, weil diese angeblich zu großzügig mit den Ausnahmegenehmigungen umging. Die Gewerkschaft bekam Recht. In Hannover sind 2016 daher nur vier verkaufsoffene Sonntage gestattet. „Wir müssen stets einen Anlass angeben“, sagt Ordnungsdezernent Marc Hansmann (SPD). Die Kommune muss darauf achten, dass der Einkaufsbummel Anhängsel einer größeren Veranstaltung bleibt und nicht umgekehrt. Am 6. März durften die Geschäfte in der Landeshauptstadt öffnen, weil an diesem Tag unter anderem der Marktschreier-Wettbewerb und ein das Tennis-Daviscup-Turnier ausgetragen wurden. 250.000 Menschen bummelten durch die Innenstadt.
Der Zwang, Shopping-Sonntage an konkrete touristische Anlässe zu koppeln, treibt mitunter skurrile Blüten. Am 6. März öffneten auch die Händler im Gewerbegebiet Altwarmbüchen. Darüber hatte sich Verdi beschwert, weil die Gewerbetreibenden zunächst ebenfalls die Veranstaltungen in Hannover als Anlass für die Öffnung angaben. Ohne der Gewerkschaft erneut die Chance zu einer Klage zu geben, wurde still und heimlich der Altwarmbüchener Volkslauf als Anlass für einen erneuten Antrag genannt.
Die nächsten drei verkaufsoffenen Sonntage in Hannover sind bereits festgelegt: Am Sonntag nach Ostern, dem 3. April, ist verkaufsoffen, denn an diesem Tag feiert Linden Scillablütenfest. Danach dürfen die Geschäfte wieder am 4. September öffnen, denn dann ist der Regionsentdeckertag geplant. Zum letzten Mal im Jahr ist der 6. November zum Shoppen freigegeben. An diesem Termin veranstaltet die Stadt eine große Benefizaktion unter dem Motto „Hannover hilft“. Die Klage-Strategie von Verdi hat bundesweit dazu geführt, dass in immer mehr Städten die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage sinkt. Auch an den Advents-Sonntagen sind nur noch in wenigen Kommunen die Geschäfte geöffnet.

Nutzen Sie den verkaufsoffenen Sonntag? (Umfrage/Foto: triller)
Brigitte Fischer

Brigitte Fischer (62), Büroangestellte, Hannover: Nein, ich gehe am Sonntag nicht einkaufen. An dem Tag ist es mir in der Stadt zu voll. Außerdem denke ich an die Verkäuferinnen, die schon in der Woche abends sehr lange arbeiten müssen.

Evelyn Büscher

Evelyn Büscher (36), Mitarbeiterin Gesundheitswesen, Hannover: Ja, ich nutze den verkaufsoffenen Sonntag. Das ist angenehm für Berufstätige und für Leute, die im Schichtdienst arbeiten. Sie können am Wochenende in Ruhe einkaufen.

Jörg Landmann

Jörg Landmann (60), Dozent, Hannover: Ich nutze den verkaufsoffenen Sonntag ganz bewusst nicht. Der Sonntag ist ein freier Tag und sollte der Erholung, der Freizeit und der Familie dienen. Es ist falsch, den verkaufsoffenen Sonntag von oben zu verordnen. Die Arbeitnehmer können sich dem nicht entziehen.

Martina Wiek

Martina Wiek (54), Sozialarbeiterin, Hannover Nein, ich kaufe am Sonntag nicht ein. In der Stadt ist es mir zu voll, Ich kann alle Einkäufe in der Woche erledigen. Dabei denke ich auch an die Verkäuferinnen, die am Sonntag arbeiten müssen.

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