„Kultur ist Vielfalt“. „Leinestern“-Träger Klaus Grupe über das Erfolgsmodell „bauhof Hemmingen“
Ohne das Team geht es nicht: Klaus Grupe (M.) mit seinen Mitstreitern (von links) Reinhard Ludewig, Karl-Heinz Höhne, Hildegard Hoffmann-Fesca und Ingrid von Drathen. Foto: Ulla Petersen

„Kultur ist Vielfalt“. „Leinestern“-Träger Klaus Grupe über das Erfolgsmodell „bauhof Hemmingen“

Hemmingen (rks). Befragt man Klaus Grupe nach den Gründen für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, fällt häufig der Satz „Es gibt kein besseres Signal für die Demokratie“. Der 65-Jährige, der in diesem Jahr in der Kategorie Kunst & Kultur mit dem Leinestern ausgezeichnet wurde, ist überzeugt davon, dass unsere demokratisch verfasste Gesellschaft ohne bürgerschaftliches Engagement nicht überlebensfähig wäre. „Jeder von uns“, sagt der Vorsitzende des Kulturzentrums bauhof hemmingen, „ist in der Verantwortung, dass unsere Demokratie keinen Schaden nimmt.“

Das Amt, das ihm den Oscar unter den Ehrenamts-Auszeichnungen einbrachte, füllt Grupe seit nunmehr 18 Jahren aus. 1998 – Grupe arbeitet zu dieser Zeit noch als Wirtschaftsförderer bei der Stadt Hannover – war seitens der Stadt Hemmingen die Idee einer kulturellen Nachnutzung für das Gebäude des ehemaligen städtischen Bauhofes an der Dorfstraße in Hemmingen-Westerfeld entwickelt worden. Ein Jahr später, am 25. Oktober 1999, wurde der Verein bauhof e.v. Hemmingen im Landhaus Artischocke mit Klaus Grupe als Vorsitzendem ins Leben gerufen.

18 Jahre später kann man über die Zahl der bundesweit bekannten Künstler, die im bauhof ihre Visitenkarte abgeben, manchmal nur staunen. „Der bauhof besitzt als Kleinkunst-Spielstätte mittlerweile bundesweit eine hohe Akzeptanz“, sagt Grupe nicht ohne Stolz und fährt – das „wir“ betonend fort: „Das haben wir uns erarbeitet.“

Nicht weniger erstaunlich ist, dass der Verein Jahr für Jahr die „schwarze Null“ halten kann. Die Beiträge der zurzeit rund 120 Mitglieder, regelmäßige Sponsoren-Zuwendungen, ein jährlicher Zuschuss über 12 000 Euro von der Stadt Hemmingen und die Einnahmen aus den bis zu 40 Veranstaltungen im Jahr genügen, um die Kosten des Unternehmens bauhof zu decken.

„Mit Kunst Geld zu verdienen“, sagt Grupe, „ist schwierig.“ Aber das sei auch nie das Ziel des Vereins gewesen. „Wir wollten ganz bewusst ein Kulturzentrum für Hemmingen und die südliche Region schaffen, in dem Kultur ehrenamtlich organisiert stattfindet. Das ist uns gelungen“, sagt der Vorsitzende für den Kultur die Basis des Zusammenlebens der Menschen und zugleich einen bedeutenden gesellschaftlichen Wert darstellt. „Kultur“, sagt er, „bedeutet Austausch, bedeutet Kommunikation, bedeutet eine sinnvolle Lebensgestaltung. Wer Kultur wertschätzt hat einen Sinn in seinem Leben.“

Viel zum anhaltenden Erfolg des bauhofes dürfte nicht nur das sich in einem außergewöhnlich vielfältigen Programm widerspiegelnde Motto Kultur ist Vielfalt beigetragen haben. Vom Publikum wie von den Künstlern gleichermaßen geschätzt wird die familiäre Atmosphäre des Kulturzentrums.

Diese zu bewahren sieht Grupe als eine wichtige Aufgabe auch für die Zukunft an. Natürlich, sagt er, gebe es ein paar Wünsche für die Zukunft – die weitere Professionalisierung des Programmes etwa oder die Modernisierung der technischen Ausstattung. „Auch eine eigene Künstlertoilette wäre schön“, so der Träger des Leinesterns. Ganz oben an stehe jedoch immer der Wunsch, Künstlern und Publikum eine Atmosphäre zu bieten, in der sie sich wohlfühlen könnten. Jährlich rund 40 fast immer ausverkaufte Veranstaltungen auch mit regionalen Künstlern legen nahe, diesen Ansatz beizubehalten.

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