Mit BISS gegen häusliche Gewalt
Stolz auf die erbrachte Leistung, aber traurig, dass es Gewalt gegen Frauen und Kinder in Familien noch gibt: Der BISS-Verbund feiert zehnjähriges Bestehen.Foto: Triller

Mit BISS gegen häusliche Gewalt

Beratungsverbund gegen häusliche Gewalt an Frauen feiert zehnjähriges Bestehen

Für manche Frauen ist ihr Zuhause der gefährlichste Ort der Welt. In den eigenen vier Wänden werden sie vom Partner geschlagen, beleidigt, bedroht und vergewaltigt. Beratung und Hilfen finden die von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen in den Beratungs- und Interventionsstellen (BISS). Im vergangenen Jahr verzeichnete BISS Nachfragen von 1368 Frauen aus der Region Hannover. In der Landeshauptstadt waren es 2719 Frauen. „Wir können stolz auf unsere Leistung sein, aber es ist traurig, dass wir im Jahr 2016 immer noch mit Gewalt an Frauen und Kindern in Familien zu tun haben“, sagte Birgit Merkel, stellvertretende AWO-Vorsitzende in der Region Hannover anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des BISS-Verbundes. Unter den rund 100 Gästen der kleinen Feier im AWO-Zentrum im Ahrbergviertel in Linden-Süd am vergangenen Donnerstag waren Vertreter von Kooperationspartnern wie Polizei, Jugendämtern, Rechtsanwälten und Frauenberatungsstellen.
„Im BISS arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen in enger Vernetzung zusammen, um für betroffene Frauen Beratung und Schutz zu gewährleisten und Wege aus der Gewaltbeziehung aufzuzeigen“, sagte Merkel. Das Thema Häusliche Gewalt, das wurde auf der Veranstaltung klar formuliert, ist immer noch mit einem Tabu belegt. Jede vierte Frau in Deutschland, quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, habe Gewalt in Beziehungen erlebt. So das Ergebnis einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004. „Betroffene Frauen wünschen sich Solidarität und Unterstützung in ihrer Familie, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft“, berichtete Andrea Buskotte von der Koordinierungsstelle „Häusliche Gewalt“. Aber stattdessen gebe es den verbreiteten Reflex, Gewalt gegen Frauen kleinzureden. Persönliches Unglück statt Verletzung von Frauen- und Menschenrechten. Von Männern höre sie häufig, dass es viel mehr Frauen gebe, die ihre Männer schlecht behandeln würden. „Dadurch gehen Frauen mit ihren Erfahrungen nicht nach draußen“, sagte Buskotte. Sie wünsche sich, dass sich auch Männer eindeutig gegen häusliche Gewalt positionieren würden. Für die Zukunft sei es wichtig, dass sich der BISS-Verbund verstärkt im Internet präsentiere. „Ich habe beruflich mit jungen Frauen zu tun, die häusliche Gewalt erleben. Diese Frauen suchen im Netz nach Hilfen“, sagte Buskotte.
Das BISS-Projekt wurde von der AWO Region Hannover, der Laatzener Beratungsstelle Donna Clara und Ophelia, dem Beratungszentrum für Frauen und Mädchen in Langenhagen, im Jahr 2006 gegründet.  Das Land Niedersachsen fordert die Einrichtungen im BISS-Verbund pro Jahr mit 810.000 Euro.
Das BISS-Telefon ist von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr unter (0511) 3 94 54 61 zu erreichen. Die Beratung ist kostenfrei und kann in Deutsch und Englisch erfolgen.
Der Verein Suana/kargah bietet eine kostenfreie Beratung für Migrantinnen an. Zur Verfügung stehen zwölf Sprachen. Telefonisch ist Suana von Montag bis Donnerstag von 10 bis 13 Uhr und am Freitag von 14 bis 17 Uhr unter (0511) 12 60 78 14 zu erreichen.

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