Rat löst Schulbezirk für die IGS-List auf
Droht den Status der Stadtteilschule zu verlieren: die IGS List.

Rat löst Schulbezirk für die IGS-List auf

LIST. In der vergangenen Woche verabschiedete der Stadtrat eine neue Satzung für die städtischen Schulen in Hannover. Wichtigste Änderung: Die Gesamtschulen List und Vahrenheide sind nicht mehr Schulbezirken in ihrer näheren Umgebung zugeordnet. Sie sollen künftig Jungen und Mädchen aus dem gesamten Stadtgebiet aufnehmen.

„Diese Entscheidung der Politik ist für uns ein Problem. Wir sind eine Stadtteilschule. Das ist ein Eckpfeiler unseres Konzepts“, erläutert Martin Hahnheiser, stellvertretender Leiter der IGS List in der Röntgenstraße. Er vertritt derzeit Direktor Oswald Nachtwey, der sich für einige Zeit hat beurlauben lassen.

Das Problem: Die Schule gilt als eine der besten Deutschlands, ist mehrfach ausgezeichnet und bei Eltern und Schülern über die Stadtteilgrenzen hinaus äußerst beliebt. Schon heute können bei weitem nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Das Los entscheidet, wer aufgenommen wird und wer nicht. Durchschnittlich 180 Kinder bewerben sich jedes Schuljahr für die 120 Plätze. Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft werden bei deren Vergabe bevorzugt.

Doch ganz so schnell greift die neue Satzung nicht: Für das anstehende Schuljahr 2015/2016 bleibt erst einmal alles beim alten. Zwar gilt bei Beginn des Schuljahres im September bereits die neue Satzung, aber bei der Vergabe der Plätze – dies geschieht im Juni und Juli – ist noch die alte in Kraft und damit ausschlaggebend.

Doch mit dem Schuljahr 2016/2017 greift die neue Satzung: „Wir rechnen mit 250 Bewerbungen“, sagt Dr. Petra Hoppe, Lehrerin an der IGS List. Auch dann muss wieder das Los über die Vergabe der Plätze entscheiden. Und genau an dieser Stelle will die Schule ansetzen, um ihr Konzept der Stadtteilschule auch mit der neuen Satzung in Einklang zu bringen. Für das Losverfahren werden Töpfe angelegt.

Kriterien könnten beispielsweise „Geschwisterkind an der Schule“ oder „Schullaufbahnempfehlung der Grundschule“ sein. „Wir wünschen uns als eines der Kriterien die „Wohnortnähe der Schüler“, sagt Hahnheiser. In ersten Gesprächen hat „die städtische Schulverwaltung uns signalisiert, dass dies möglich sei“, erläutert der stellvertende Schulleiter der IGS.

Übrigens: Ganz einmütig lief die Entscheidung in der SPD-Ratsfraktion nicht ab. Bruno Gill, SPD-Fraktionschef im Bezirksrat Vahrenwald/List und gleichzeitig Ratsmitglied, stimmte nicht für die neue Schulsatzung der Stadt Hannover.

 

Meine Meinung

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Nach der Schule mit den Klassenkameraden Fußball spielen, gemeinsam ein Eis essen gehen oder zusammen den Stadtteil erkunden – Alltag für viele Schüler in der List. Noch. Geht es nach der rot-grünen Ratsmehrheit, wird es das künftig seltener geben. Sie kippte die Einzugsgrenzen für die IGSen. Aber macht es wirklich Sinn, Fünftklässler täglich quer durch Hannover zu schicken? Aus Misburg, Stöcken oder Wülferode in die List pendeln zu lassen? Nein. Der nächste Klassenkamerad wohnt dann drei Kilometer entfernt „um die Ecke“, der beste Freund vielleicht gar 15 Kilometer weit weg am anderen Ende der Stadt. Bolzen, Eis essen gehen oder Entdeckungstouren im Stadtteil sind so jedenfalls kaum mehr möglich. Schade.

Thomas Oberdorfer

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