Schrankenwärter zum Schutz der Kröten
Zum Schutz der Kröten: Jeden Abend um 18 Uhr sperrt Gerd Wolfart die Alte Peiner Heerstraße und jeden Morgen um 7 Uhr öffnet er sie wieder.

Schrankenwärter zum Schutz der Kröten

Punkt 18 Uhr schwenkt Gerd Wolfart seit einigen Tagen allabendlich die schwere Stahlschranke über die Alte Peiner Heerstraße und kappt damit bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr den bei Autofahrern beliebten Schleichweg zwischen Misburg und Altwarmbüchen. Eine Straßensperrung, die vielen Kröten das Leben rettet.

Sobald nachts die Temperatur nicht mehr unter den Gefrierpunkt sinkt und tagsüber das Thermometer die 10-Grad-Marke erreicht, werden die Amphibien aktiv. Besonders viele leben im Misburger Wald. Vor allem in den Abendstunden gehen sie auf Wanderschaft (siehe Info-Kasten). Um diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen, schwingt sich Wulfart ab Mitte Februar jeden Morgen aufs Rad und startet zu einer Kontrollfahrt entlang der Alten Peiner Heerstraße. In der letzten Februarwoche war es in diesem Jahr soweit. Er entdeckte die ersten überfahrenen Kröten. Dann ging alles ganz schnell. Wolfart informierte die als Naturschutzbehörde zuständige Region Hannover. Diese ordnete die nächtliche Straßensperrung an und stellte entsprechende Schilder auf.

„Innerhalb eines Tage hatte die Region die Sperrung angeordnet“, freut sich der pensionierte Architekt. Das ist dann aber auch zugleich der Startpunkt für seinen ehrenamtliche Job als Schrankenwärter. Seit fünf Jahren schließt und öffnet er während der vier- bis sechswöchigen Schutzzeit der Kröten die Straßensperren an der Kreuzung Waldstraße/Ecke Alte Peiner Heerstraße und vor dem kleinen Tunnel am Autobahnkreuz Hannover-Bothfeld.

Hinweis für Autofahrer: Ein Verkehrsschild kündigt an Meyers Garten die Sperrung
der Alten Peiner Heerstraße an.

„Den Job habe ich mir selber aufgehalst“, erzählt der 79-Jährige mit einem Schmunzeln. Bis 2012 gab es lediglich die Schranke an der Ecke Waldstraße. Die beileibe nicht alle Autofahrer davon abhielt, auch in der Sperrzeit die Abkürzung durch den Misburger Wald zu nehmen. Einige umfuhren auf Waldwegen die Schranke. Trotz Sperrung wurden jede Nacht auf der Alten Peiner Heerstraße weiterhin viele Kröten überfahren.

Bei einem Krisengespräch mit Mitarbeitern der Region schlug der zuständige Revierförster vor, eine zweite Schranke an der Unterführung am Autobahnkreuz zu installieren. Zu teuer, winkte die Region ab. Schließlich zahlte die Behörde den Einsatz eines Mitarbeiters der Wach- und Schließgesellschaft, der die Schranke bediente. Müsste der nun auch noch eine weitere Schranke am rund zwei Kilometer entfernten anderen Ende der Straße betätigen, dann wäre das zu teuer. „Da habe ich angeboten, dass ich diese Aufgabe übernehme. Natürlich ehrenamtlich“, erzählt der engagierte Naturschützer. Ein Angebot, dass die Region gerne annahm. Seitdem können Kröten wieder sicher die Straße überqueren und Wulfart muss während der Schutzzeit früh aus den Federn. Schließlich muss er um jeden Morgen pünktlich um 7 Uhr beide Schranken öffnen und damit die Alte Peiner Heerstraße wieder für den Autoverkehr freigeben.

Krötenschutz in Hannover

Neben der Sperrung der Alten Peiner Heerstraße hat die Region Hannover für die Landeshauptstadt drei weitere Krötenschutzmaßnahmen angeordnet.
• Beschilderung Am Lindener Berg: zwei Hinweisschilder zur Krötenwanderung gegenüber Am Spielfelde und hinter Badenstedter Straße
• Beschilderung Mardalstraße (Kirchrode): zwei Sondertafeln „Vorsicht Krötenwanderung“ zwischen Hausnummer 12 und Parkplatz TSV Kirchrode in beiden Richtungen
• Bakenstrecke Deveser Straße (Wettbergen): Baken sind slalomartig gestellt, es gilt Schrittgeschwindigkeit für Autofahrer; außerdem Beschilderung.

Von Thomas Oberdorfer

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