Schulden machen krank
Hannover: Schuldnerberatung im K-Punkt mit Matthias Wenzel.

Schulden machen krank

Hannoversche Beratungsstellen beteiligen sich an bundesweiter Aktionswoche

von Clemens Niehaus

Armut macht krank: 2015 gab jeder siebte Besucher (13,5 Prozent) einer Schuldnerberatungsstelle als Grund für die Überschuldung gesundheitliche Probleme wie Krankheit, Sucht oder Unfallfolgen an. Tendenz steigend. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hervor. Dieser Zusammenhang zwischen Schulden und Krankheit ist Thema einer bundesweiten Aktionswoche vom 6. bis 10. Juni, an der sich auch die hannoverschen Schuldnerberatungsstellen beteiligen.

Das „Krankheit“ ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Armut und einer damit einhergehenden Verschuldung oder Überschuldung ist, sieht auch Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen: „Überschuldete und einkommensarme Menschen haben ein höheres Risiko zu erkranken, sowohl an körperlichen als auch an psychischen Leiden“, sagt Eckhardt.

Auch wenn heute immer mehr Menschen durch Schulden krank werden, es gibt weitere Gründe: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Tod des Partners oder Unfälle sind häufig Ursachen für eine Überschuldung. Zusammen machen diese rund 45 Prozent der Insolvenzgründe im Jahr 2014 aus, das belegt der aktuelle Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff).

Besonders häufig – nämlich in 16,6 Prozent der Fälle – war die mangelnde Gesundheit bei Arbeitslosen Grund für den Besuch einer Beratungsstelle.
Zum Vergleich: Bei Erwerbstätigen lag die Quote von Männern und Frauen, die wegen gesundheitlicher Probleme die Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, in 2015 bei 7,6 Prozent und damit nur knapp halb so hoch wie bei Menschen, die keine Arbeit haben. „Auch wir erleben bei der Beratung sehr oft die Wechselwirkung zwischen Krankheit, Überschuldung und psychischer Instabilität“, sagt Stadtsprecher Andreas Möser.

„Der Zusammenhang zwischen Armut und einem schlechten Gesundheitszustand, bis hin zu einer kürzeren Lebenserwartung, ist bereits seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt“, weiß Gaby Kujawa, Presseprecherin der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover.„Jeder der finanzielle Probleme hat, sollte unbedingt eine Beratungsstelle aufsuchen“, rät Matthias Wenzel, Fachleiter Schuldnerberatung bei der Caritas Hannover.

Im Rahmen der Aktionswoche der Schuldnerberatungsstellen informieren die Beratungsstellen der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, der Diakonie und der Schuldnerberatung STEP am 7. Juni, von 12 bis 17 Uhr, auf dem Platz der Weltausstellung.

❱❱ www.aktionswoche-schuldnerberatung.de

Überschuldung: „Ein Privathaushalt ist überschuldet, wenn Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder über einen längeren Zeitraum trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht ausreichen, um fällige Forderungen zu begleichen“, definiert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Begriff „Überschuldung“

Bildquelle

  • Schuldnerberatung: Rainer Surrey

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