Söldner für die Bundeswehr
Neben deutschen Staatsbürgern könnten irgendwann auch Ausländer in der Bundeswehr dienen. Foto: Imago

Söldner für die Bundeswehr

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Truppe für EU-Ausländer öffnen

Von Jan Sternberg
Berlin. Schon ist von einer deutschen „Fremdenlegion“ die Rede, von „Söldnern“ und vom „Kanonenfutter“. Friedrich der Große wird zitiert mit seinem Satz „Hunde, wollt ihr ewig leben?“ Die Bundeswehr will sich fremdem Staatsbürgern öffnen. Es geht allerdings vermutlich um das Gegenteil von Kanonenfutter und Söldnertum: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Spezialisten anwerben und erste Schritte in Richtung einer EU-Armee gehen.
Bislang dürfen hierzulande nur deutsche Staatsbürger Bundeswehr-Soldaten werden. Kürzlich beschloss das Bundeskabinett ein neues Weißbuch, das die mittel- bis langfristige Strategie der Truppe festlegt. Darin heißt es: „Nicht zuletzt böte die Öffnung der Bundeswehr für Bürgerinnen und Bürger der EU nicht nur ein weitreichendes Integrations- und Regenerationspotenzial für personelle Robustheit der Bundeswehr, sondern wäre auch ein starkes Signal für eine europäische Perspektive.“
Der Bundeswehrverband lehnt das ab. „Die deutsche Staatsangehörigkeit ist für uns elementar und muss es bleiben – wegen des besonderen gegenseitigen Treueverhältnisses von Staat und Soldat und der gesetzlichen Verankerung“, sagte Verbandschef André Wüstner. Soldat sei kein Beruf wie jeder andere.
Von der Leyen betonte zwar: „Das ist nicht etwas, was in Kürze passiert.“ Gleichzeitig verteidigte sie die geplante Öffnung. „Ich glaube, die Soldatinnen und Soldaten haben eine tiefe Überzeugung, wofür sie einstehen – es ist nicht die Scholle, sondern es sind die Werte“, sagte sie.
Aus Sicht der Linken atmet die neue Sicherheitspolitik, das auch mehr deutsche Verantwortung im Nato-Verteidigungsbündnis vorsieht, deutsches „Großmachtdenken“. „Es ist ein Weißbuch für Aufrüstung und Krieg“, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Christine Buchholz. Die Grünen-Fraktion warf von der Leyen vor, sie wolle „die Zeit in die gefährliche Aufrüstungslogik des Kalten Krieges zurückdrehen“.

 

Brauchen wir eine EU-Armee? (Umfrage und Fotos: Bookani)
01(3)

David Hömisch, 33 Jahre, Student
Die EU hat momentan eher andere Probleme als eine europäische Armee aufzustellen. Sie sollen sich um andere Dinge kümmern. Wir haben die NATO und das ist völlig ausreichend.

2(10)

Günter Skat, 60 Jahre, Lagerist
Ich finde das nicht gut, weil sich jedes Land eher um seine eigenen Angelegenheiten kümmern sollte. Es wird nie eine europäische Einheit geben, das ist meiner Auffassung nach alles dummes Geschwätz.

3(10)

Luisa Elsik, 28 Jahre, Studentin
Ich finde es nicht schlecht, wenn es eine EU-Armee gibt, da wir als europäische Union immer näher zusammenwachsen und wir uns auch in der Sicherheitspolitik darauf einlassen müssen. Wenn es eine demokratische Kontrolle gibt, halte ich eine EU-Armee für eine gute Idee.

4(10)

Camilla Ackermann, 22 Jahre, Fotografin
Wir haben die NATO und sie arbeitet zusammen mit den USA und Asien. Die EU sollte die Mittel für eine eigene Armee besser in Flüchtlingspolitik investieren, damit die Flüchtlinge einen besseren Lebensstandard haben und eine bessere Bildung genießen können.

5(8)

Pablo C., 58 Jahre, Selbstständiger
Obwohl die Idee gut erscheint um Kosten zu sparen und die Armee zu verstärken, finde ich diese Maßnahme nicht sinnvoll. Vom Prinzip her wird es immer mehr Krieg geben und unschuldige Leben kosten, wenn man mit Gewalt antwortet. Davon gibt es schon zu viel in der Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.