Trickbetrüger setzen häufig auf den Enkeltrick
Vorsicht bei Geldübergaben an der Haustür. Mit vielen miesen Tricks versuchen Betrüger, Senioren um ihr Erspartes zu bringen. Foto: Imago

Trickbetrüger setzen häufig auf den Enkeltrick

Immer mehr Betrügereien: Im Bereich der Polizeidirektion Hannover  – Stadt und Region – wurden im vergangenen Jahr 1290 entsprechende Straftaten angezeigt. Zum Vergleich: 2010 waren es 1069 und 2006 rund 828 Fälle. Zudem wird mit einer ähnlich hohen Dunkelziffer gerechnet. Aus Scham melden sich viele Opfer nicht bei der Polizei.

Vor allem mit dem Enkeltrick werden immer wieder große Summen aus den Senioren herausgepresst. So vor wenigen Wochen in Mittelfeld: Ende Juli klingelte bei einer 79-jährigen Frau in der Karlsruher Straße in Mittelfeld das Telefon. Am anderen Ende der Leitung die vermeintlichen Enkelin der alten Dame. Sie bat ihre Oma um Unterstützung für einen angeblichen Wohnungskauf. 38 000 Euro würden benötigt. Die Seniorin besorgte sich das Geld und übergab ihr Erspartes an die angekündigte Geldbotin „Frau Weiß“. Doch damit nicht genug: Kurze Zeit später klingelt erneut das Telefon. Nun fordert die Enkelin weiteres Bargeld, Goldschmuck und Sparbücher. Inzwischen wird die Seniorin misstrauisch, ruft ihre Tochter an und mit ihr zusammen die Polizei.
Für Silvia Knapp, Leiterin des Fachkommissariats Trickbetrug bei der Polizeidirektion (PD) Hannover, ist dieser Fall symptomatisch. „Die Betrüger  kennen keine Gnade. Das Opfer wird geschröpft, bis es nicht mehr geht. Denen ist es egal, wenn der oder die Betrogene keinen Cent mehr zum Leben hat“, beschreibt sie ihre Erfahrungen aus vielen Fällen.

„Hinter dem Enkeltrick steckt ein richtig großes Netzwerk“, berichtet Carsten Luhmann. Der Hauptkommissar aus der Ermittlungsgruppe Trickbetrug bei der Polizeidirektion (PD) Hannover. Und so gehen die Betrüger vor: Die Anrufe kommen oft aus dem Ausland. Dort ist auch zumeist das Hauptquartier der Ganoven. Sie rufen wahllos Senioren an, häufig in zwei verschiedenen Städten gleichzeitig. Die Nummern stammen aus dem Telefonbuch. Ausgewählt werden Personen, die einen zur Zeit nicht so gebräuchlichen Vornamen haben. Vor Ort koordiniert ein Bandenmitglied den Betrug. Es hält Kontakt zu dem Anrufer, organisiert die Überwachung der Wohnung und dirigiert den Geldboten. „Die Geldabholer am Ort des Geschehens werden oftmals nur für diesen einen Einsatz angeworben, kennen in der Regel die Hintermänner gar nicht“, beschreibt Luhmann die Organisationsstruktur der Banden. „Darum ist es für die Polizei kaum möglich, die Drahtzieher der Betrügereien dingfest zu machen“, sagt er weiter.

Meldet ein Senior einen Betrugsversuch und hat noch Kontakt zum Anrufer, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Polizei und Betrügern. „Wir versuchen dann unbemerkt in die Wohnung des Opfers zu gelangen, um bei der Geldübergabe die Falle zuschnappen zu lassen. Die Betrüger ihrerseits haben allerdings extra eine Person abgestellt, um genau diese Situation rechtzeitig erkennen zu können“, erklärt Luhmann die Schwierigkeiten des Einsatzes. Der Hauptkommissar weiter: „Sobald die Betrüger Verdacht schöpfen, brechen sie sofort ab, schließlich gibt es viele, viele tausend potentielle Opfer“.tob

Mit welch anderen Tricks die Betrüger derzeit unterwegs sind, lesen Sie in diesem Artikel.

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