Uli Stein auf dem Roten Sofa
„Mich erkennt doch niemand“: Uli Stein auf dem Roten Sofa. Foto: Niehaus

Uli Stein auf dem Roten Sofa

Uli Stein ist wohl der bekannteste unbekannte Promi, der in der Region Hannover lebt. Und normalerweise gibt er keine Interviews. Für uns hat er eine Ausnahme gemacht.

Im Karnevalsumzug wird es heute jede Menge Mäuse und Pinguine geben: Der Hannoversche Carneval Club (HCC) will mit dieser Aktion für die Uli Stein-Stiftung werben. Die Mitglieder des HCC verkaufen auch Schlüsselanhänger von Uli Stein zugunsten der Stiftung. Ein Gespräch mit dem erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands über Mäuse und Hunde, zeichnen und fotografieren und warum er Menschen eigentlich nicht mag.

Sie haben eine Stiftung für Tiere gegründet. Wie kam es dazu?
Es war mein großer Herzenswunsch. Da ich viele Hunde fotografiere, komme ich auch mit vielen Besitzern ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass zwanzig Prozent der Hunde entweder aus dem Tierheim oder aus Spanien oder Rumänien stammten.
Wen oder was unterstützt Ihre Stiftung?
Wir unterstützen die vielen kleinen Vereine, die sich um diese Tiere kümmern; die sie den Tötungsstationen in Rumänien holen, die Straßenhunde auflesen, aber auch die, die sich um die medizinische Versorgung der Tiere kümmern. Aber wir kümmern uns nicht nur um Hunde, sondern auch um Katzen oder Tauben und alle anderen Tiere in Not.
Sind Sie eher ein Hunde- oder ein Katzenmensch?
Ich bin ein Hundemensch. Hundert Pro. Ich mag auch Katzen, aber Hunde einfach lieber.
Haben Sie selbst einen Hund?
Nein, aber meine Mitarbeiterin hat einen, den sie jeden Tag mit zur Arbeit bringt. Ich muss ja auch daran denken: Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich beispielsweise mal ins Krankenhaus müsste?
Hatten Sie als Kind ein Tier?
Nein. Ähm, doch, einen Goldhamster. Aber der hat ein kurzes Leben gehabt. Ende des 70er, Anfang der 80er Jahre hatte ich mal einen Bobtail.
So einen, dem man die Haare über der Stirn hochbinden musste?
Ja, genau, oder in der Mitte scheiteln. Das ging auch. Den habe ich auch gezeichnet.
Aber Sie haben Zeichnen nicht gelernt?
Nein. Es war learning by doing. Ich konnte anfangs überhaupt nicht zeichnen. Meine ersten Cartoonideen habe ich zu Beginn noch fotografiert. Da habe ich mir Leute zusammengesucht und gesagt: „Du bist jetzt die Prinzessin; du der Frosch…“ Und dann habe ich die Szenen fotografiert. Das mit dem Zeichnen kam erst später. Meine ersten Cartoons waren vorwiegend welche mit Autos. Autos konnte ich. Da musste ich nur einen Kopf hineinzeichnen, keinen Körper. Das war einfacher.
Und jetzt sind es meistens Tiere. Mögen Sie Menschen?
Nein. Mit Ausnahmen natürlich.
Warum nicht?
Es müsste einen Grund geben, sie zu mögen.
Trotzdem sind Sie jeden Abend unter Menschen…
Ja, ich gehe jeden Abend zu meinem Italiener in Bissendorf Essen. Da habe ich meinen Tisch. 365 Tage im Jahr. Bis auf Weihnachten, da haben die geschlossen.
Sind Sie eigentlich Vegetarier?
Ich muss zu meiner Schande gestehen: Nein, bin ich nicht. Aber ich esse wenig Fleisch. Vielleicht einmal im Vierteljahr. Aber Lamm oder Kalb käme mir nie auf den Tisch! Wenn mich jemand fragt, ob ich das essen möchte, hole ich mein Handy raus und zeige demjenigen ein Bild von einem Lamm und frage, ob man das essen kann? Einen Schafbock vielleicht, der hat sein Leben gehabt. Aber ein Lamm?!
Werden Sie im Restaurant nicht erkannt?
Wieso? Es erkennt mich doch niemand. Obwohl: Manchmal fragen die Gäste heimlich einen der Ober :„Wer sitzt denn da eigentlich jeden Abend dunkel gekleidet in der Ecke?“ und sagen, wenn sie es erfahren haben, dann auch schon mal „Guten Abend, Herr Stein.“ Aber das stört nicht. Ich habe ja auch immer das gleiche an.
Wie? Aber Sie wechseln doch?
Ich habe dreißig gleiche schwarze Rollis und 30 gleiche schwarze Westen.
Im Restaurant haben Sie auch den ersten Hund, den Sie fotografiert haben, gesehen.
Das war Donna. Sie saß draußen und wartete auf ihren Besitzer. Ein toller Hund. Ich war gerade beim Bestellen „Ein Glas Wasser und eine kleine Portion Tortellini“ und wollte noch fragen: „Wem gehört der Hund?“ Und so konnte ich Donna fotografieren. Sie ist auf dem Cover meines ersten Hundebuches.
Ihr Buch, das zugunsten der Stiftung verkauft wird, vereint beides: Fotografie und Cartoons. Womit beschäftigen Sie sich derzeit mehr?
Schreiben, Fotografieren und Zeichnen waren in den letzten dreißig Jahren immer die drei Bausteine meiner Arbeit, mit unterschiedlicher Gewichtung. Zurzeit liegt mein Schwerpunkt wieder mehr auf der Fotografie.
Heute werden beim Karnevalsumzug einige Narren zugunsten Ihrer Stiftung als Mäuse und Pinguine für Ihre Stiftung werben. Werden Sie dabei sein?
Ich habe versprochen, zu kommen. Das werde ich auch. Aber mich wird niemand erkennen. Ich werde mich verkleiden.

 

Mehr zur Uli Stein-Stiftung für Tiere in Not unter www.ulistein-stiftung.de

Uli Stein wurde am 26. Dezember 1946 in Hannover geboren. Er ist der erfolgreichste Cartoonist Deutschlands, allerdings wohl auch der scheuste. Interviews gibt der bekannte Unbekannte normalerweise nie. Er lebt zurückgezogen in der Wedemark. Nach dem Abitur hat er zunächst in Berlin Deutsch, Erdkunde und Biologie auf Lehramt studiert. Als Lehrer gearbeitet hat er aber nie. Mitte der 70er Jahre erregte sein Humor die Aufmerksamkeit verschiedener Zeitschriften. 1982 kamen erste Postkarten und Bücher auf den Markt. Inzwischen hat er mehr als zwölf Millionen Bücher und mehr als 100 Millionen Postkarten verkauft. Auf der Basis seiner Zeichnungen sind bis heute mehr als 1500 Lizenzartikel entstanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.