Viel Grund zum Feiern
Gehören zum Kollektiv des Cafe Glocksee: Frank Freiheit (links) und G.T Drecka. Foto: niehaus

Viel Grund zum Feiern

Café Glocksee feiert 25. Geburtstag  und (fast) 15 Jahre Ruby Tuesday

von Clemens Niehaus
Calenberger Neustadt. 45 Jahre Unabhängiges Jugendzentrum (UJZ), 25 Jahre Café und (fast) 15 Jahre „Ruby Tuesday“ – die Glocksee hat in diesem Jahr allen Grund zum Feiern. Und, Hand auf Herz, wer hätte 1972 einen Pfennig darauf gewettet, dass das UJZ Glocksee so lange überlebt. Denn: Die See, auf dem das UJZ segelte, war rau damals.
Rückblende: Im Juni 1972 gründeten rund 40 Leute eine Initiativgruppe UJZ Glocksee. Grund: Die Stadt hatte der damaligen Bürgerinitiative Linden das leerstehende ehemalige Fuhramtsdepot Glocksee angeboten. Eine erste Besichtigung der Räume sorgte ob der zahlreichen Möglichkeiten, die das Gebäude bot, für Begeisterung. Schnell wurden Arbeitsgruppen gegründet, die die Realisierung der Räume als UJZ vorantreiben sollten. Im Oktober wurden die ersten zwei Räume bezogen und dann schnell das ganze Gebäude „besetzt“. Trotzdem dauerte es ein weiteres Jahr, bis am 7. November 1973 der Nutzungsvertrag mit dem Verein Glocksee und der Stadt unterzeichnet werden konnte. In den Folgejahren sorgte das UJZ Glocksee immer wieder für Schlagzeilen: Chaostage, Punks und Polizeieinsätze begleiteten die ersten zehn Jahre und das UJZ war mehr als einmal von Schließung bedroht. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. 1992 feierte das Unabhängige Jugendzentrum sein 20-jähriges Bestehen. Rechtzeitig zu diesem Feierjahr eröffnete das Café Glocksee mit einem neuen Kollektiv und einem neuen Konzept seine Pforten. Damals wie heute fußt das Konzept Glocksee auf drei Säulen: Hobbywerkstätten, Jugendarbeit und Konzerte. Gerade letztere finden im neuen Café nun immer häufiger statt. 2003 etabliert sich dort mit dem „Ruby Tuesday“ eine neue Konzertreihe. Der Startschuss fällt im Mai mit dem Konzert der Wohnraumhelden. „Die Idee war, dass wir Bands, die in der Regel am Dienstag keinen Auftritt hatten, einluden, bei uns zu spielen – kostenlos“, erläutert Frank Freiheit vom Café-Kollektiv das Ruby Tuesday-Konzept. Denn während im Bei Chez Heinz montags Konzerte waren und am Mittwoch schon wieder die Diskotheken lockten, war am Dienstag eher nichts los. „Wir wollten einen an sich toten Tag beleben“, sagt Freiheit, „und das mit möglichst geringen Kosten“. Und das Konzept ging auf. Die Booking-Agenturen fanden die Idee gut, ersparte es ihnen doch einen Tag Unterkunft und Verpflegung für die Bands. Schöner Nebeneffekt: „Da der Eintritt frei ist, sind die Konzerte in der Regel gut besucht und das ist für Bands natürlich toll“, erklärt G.T. Drecka, ebenfalls vom Café-Kollektiv. „Inzwischen legen manche Bands sogar schon ihre Konzerte so, dass der Dienstag frei ist sie bei uns auftreten können“, sagt Freiheit.
Während zu Beginn der Ruby Tuesday-Reihe der Fokus überwiegend auf Bands aus dem Punk-Bereich lag, hat sich das musikalische Spektrum im Laufe der Jahre stark erweitert. „Wir haben irgendwann festgestellt, dass die Punker immer weniger wurden, da mussten wir reagieren und uns Alternativen überlegen“, erinnert sich Freiheit. Und so spielen im Café Glocksee nicht mehr nur Punk-, sondern auch Rock- und Wave-Bands, Singer-/Songwriter und sogar Countrymusiker.
Inzwischen ist die Liste der Bands, die im Café Glocksee auf der Bühne stand ellenlang: Calexico, Wir sind Helden, Townes van Zandt, Stereo Total, Fugazi, Calvin Russel, UK Subs, um nur einige zu nennen. Kürzlich überzeugten Linda Rum und Too Tangled im rappelvollen Café. „Bis November steht inzwischen das Booking für Ruby Tuesday“, sagt Freiheit. Und: „Ab September beginnen die Konzerte schon um 21.30 Uhr“, verrät er.

Das Café Glocke war der Vorgänger vom jetzigen Café Glocksee.               Foto: Broschüre

Zwischenzeitlich hatte das UJZ und speziell das Café Glocksee immer mal wieder mit der Lindener Drogenszene Probleme. Doch das sei, seitdem die Polizei öfter kontrollieren würde, inzwischen besser, so Freiheit. Manchmal dauere es eben etwas, bis der „linke Schlendrian“ reagiere. Sorgen um die eigene Sicherheit braucht sich im Café niemand machen, dafür sorgt das hauseigene Securityteam.
„Das Haus hat sich über den pädagogischen Wert hinaus zu einem Anlaufzentrum, zu einer Institution mit Bedeutung über den Stadtteil hinaus entwickelt“, sagt Stephan Weil, damals noch hannoverscher Oberbürgermeister, im Vorwort der Dokumentation zum vierzigjährigen Bestehen des UJZ Glocksee. Daran hat sich auch im fünfundvierzigsten Jahr nichts geändert. Und, obwohl die Wellen ungleich kleiner sind, spiegelglatt ist der See noch immer nicht.
Das Programm gibt es bei Facebook/cafe Glocksee oder unter

❱❱ www.cafe-glocksee.de

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