Von  großen Bullen und kleinen Männchen

Von großen Bullen und kleinen Männchen

Mini-Maennchen

Gerade geboren: Erdmännchen Gustav.

HANNOVER. Der Zoo Hannover feiert in diesem Jahr sein 150. Geburtstag. Viele tausend Tiere lebten seit 1865 auf dem Gelände an der Eilenriede: vom 65-Zentner-Koloss „Goliath“ (1935) bis zum wenigen Gramm leichten Erdmännchen Gustav.

Zur Eröffnung am 4. Mai 1865 gab es sogar ein Geschenk von König Georg V.: Der Monarch spendierte dem neuen hannoverschen Zoo das Bärenpaar Butz und Petz. Neben knapp 500 weitere Tieren – unter ihnen auch ein Löwenpaar – waren diese beiden pelzigen Gesellen die ersten Bewohner im neuen Tierpark. 150 Jahre ist das nun her. Der Erlebnis-Zoo Hannover feiert dieses Jubiläum mit einem kunterbunten Programm von Mai bis Oktober. Es gibt spannende Ausstellungen, Zoo Backstage, Abendspaziergänge, Vorträge und Lesungen, ein Zoo-Lauf zugunsten des Artenschutzes, historische Markttage, kulinarische Zeitreisen, Maskottchenparaden und eine neue Robbenshow. 1.933 Tiere in 204 Arten leben heute im Erlebnis-Zoo in Themenwelten von Afrika bis Kanada.

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Eine wunderschöne Zoolandschaft zum Start: Die Verlobungsbrücke im Zoo Hannover.

Zurück zum Zoo von 1865: Den Mittelpunkt bildete damals eine romantische Felsenanlage für Gebirgstiere, mit Greifvogel-Voliere, Aquarium und Grotten für Raubtiere. Die verschiedenen Teilbereiche waren durch die „Verlobungsbrücke“ miteinander verbunden. Der neue Zoo entwickelte sich schnell zum Publikumsmagneten: Bereits im ersten Jahr kamen 91.922 Besucher! Zum Vergleich: Hannover zählte damals nur etwa 68.000 Einwohner.
Neben den exotischen Tieren bot der Zoo auch jede Menge anderer Attraktionen: Besonders beliebt waren die nächtliche Illumination der Felsenanlage, Gartenfeste, Konzerte und schließlich auch die „Völkerschauen“.

Der Zoo wuchs beständig. 1866 kam das große Raubtierhaus hinzu, 1880 das erste Elefantenhaus. 1891 wurde das im orientalischen Stil mit Minaretten und Kuppel gebaute Haus für Antilopen, Kamele und Giraffen fertiggestellt. 1911 setzte der Zoo erstmals die richtungsweisende Idee von Carl Hagenbeck um, Tiere in gitterlosen Freisichtanlagen zu zeigen. Die Affeninsel im Schwimmvogelteich wurde zum  Hauptanziehungspunkt, besonders wenn die Tierpfleger zur Fütterung der Äffchen zur Insel ruderten und lebhaft von den Tieren begrüßt wurden.

Der erste Weltkrieg setzte dem Ausbau des Zoos ein Ende. Die Besucherzahlen sanken, die Futterkosten stiegen, wenn es das benötige Futter überhaupt gab. Im Januar 1920 schließlich konnten die Tierhäuser nicht mehr geheizt werden, weil es kein Brennmaterial mehr gab. Der Aktienverein, der den Zoo einst gegründet hatte, konnte den Zoo nicht mehr halten. 1920 übernahm ihn die Stadt Hannover.

Aber auch die Stadt resignierte bald vor den tierischen Aufgaben und Kosten, die ein Zoo mit sich bringt. Für die Sanierung fehlte das Geld, und die wenigen Tiere, die den Krieg überlebt hatten, lockten nicht viele Besucher an. Am 1. Oktober 1922 wurde der Zoo geschlossen, die Tiere verkauft, das Inventar versteigert Doch die Stadt hatte nicht mit ihren Bürgern gerechnet, die ihren Zoo behalten wollten! Eine Bürgerinitiative zur Rettung des Zoos gründete sich. Also erhielt die Stadt den Zoo in Zusammenarbeit mit der Tierhandelsfirma Ruhe aus Alfeld. Bis zum Herbst 1924 wurden ein Raubtierhaus, ein Affenfelsen für Paviane und eine Löweninsel neu erbaut – mit tatkräftiger Unterstützung der Bürger. Im Mai 1924 konnte der Zoo wieder eröffnet werden.

1932 wurde der Zoo komplett an den Tierhändler Ruhe verpachtet und damit zu seinem „Schaufenster“. Auf der Löweninsel lebten zeitweise bis zu 30 junge Bären. Viele Tiere waren nur wenige Wochen im Zoo, bevor sie wieder verkauft werden. Zu Besuch kamen exotische Tiere wie Affenadler, Schuhschnabel, Saruskranich, Nilwaran, Trompetervogel, Giraffengazelle, Gerinuk, Wapitihirsch, Blaumaulmeerkatze, Colobusaffe, Banteng, Oryxantilope, Spekes-Gazelle, Buschschwein, Kongoni, Husarenaffe und Mishmi-Takine.
Im zweiten Weltkrieg wurde der Zoo nahezu komplett zerstört, 1944 geschlossen und erst 1946 provisorisch mit geringem Tierbestand wieder eröffnet. Der Neubau begann in den fünfziger Jahren. Es entstanden Häuser für Nashörner, Elefanten, Giraffen und Antilopen, eine Robben- und Pinguinanlage. 1972, als die Ära des Tierhandels durch weltweite Naturschutz-Abkommen zu Ende ging, übernahm die Stadt den Zoo wieder in eigener Regie.

Doch Anfang der 1990er Jahre entsprachen weder der Erlebniswert des Zoos noch die Tierhaltung den zeitgemäßen Anforderungen. Aber für die dringend erforderlichen Investitionen fehlten die öffentlichen Zuschüsse. Es stellte sich die Frage: Schließen oder einen Neuanfang wagen?
Neuanfang! Zunächst wurde das städtische Amt in eine GmbH umgewandelt, diese dann 1994 an den Kommunalverband Großraum Hannover veräußert (heute: Region Hannover). Zoofachleute, Architekten und Freizeitforscher entwickelten in enger Zusammenarbeit das Konzept „Zoo 2000“, mit dem sich die Zoo Hannover GmbH erfolgreich am Ideenwettbewerb der EXPO 2000 beteiligte.

Es begann der Umbau zum Erlebnis-Zoo: 1996 entstand der Gorillaberg, 1997 der Dschungelpalast, 1998 Meyers Hof. 2000, nach zwei Jahren Bauzeit, bahnte sich der Sambesi seinen Weg durch die afrikanische Steppe, Wüste und Savanne. 2010 folgten das Outback und die Kanadalandschaft Yukon Bay, 2013 Kibongo, das Reich der Menschenaffen. Die Besucherzahl stieg mit jeder neuen Themenwelt auf schließlich über 1,3 Millionen an.

Heute ist der Erlebnis-Zoo das beliebteste Ausflugsziel in der Region Hannover und europaweit bekannt. An seiner Attraktivität arbeitet das Zooteam ungebremst begeistert weiter: Der Masterplan 2025+ liegt bereits vor – mit Ideen von Madagaskar bis Südamerika. Und wie der Zoo in weiteren 150 Jahren aussehen wird, werden die Riesenschildkröten erleben, die, so sieht es der Masterplan vor, bald wieder in den Erlebnis-Zoo zurückkehren sollen.

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