Wir können gegen jeden gewinnen
Fabian Böhm hat Hannover ins Herz geschlossen. Foto: niehaus

Wir können gegen jeden gewinnen

Fabian Böhm ist neu bei den Recken. Hannover hat er schon jetzt ins Herz geschlossen

Hannover. Die Recken vom TSV Hannover-Burgdorf haben einen einmaligen Aufstieg hingelegt. Auch wenn sie die letzten vier Spiele verloren haben, ist diese Mannschaft doch auf der Gewinnerseite. Fabian Böhm ist in dieser Saison „der Neue“ im Team. Was er an der Mannschaft besonders schätzt und warum er mit ihr nur gewinnen kann, hat er im Interview verraten.

Wie ist die Stimmung im Team nach vier Niederlagen, die letzte ausgerechnet beim Heimspiel gegen Balingen-Weilstetten, bei dem man schon von einem Sieg ausgegangen war?
Ich habe viel darüber nachgedacht. Der Druck steigt natürlich, wenn man vorher drei Spiele verloren hat. Aber ausgerechnet beim Spiel gegen Balingen, und das, obwohl wir auf dem Papier doppelt so gut aufgestellt waren. Ich denke einfach, jeder aus der Mannschaft wollte Verantwortung übernehmen. Jeder Spieler wollte den Karren aus dem Dreck ziehen. Statt zu sagen: Jetzt erst einmal Ruhe, durchatmen und wir schaffen das nur zusammen, als Team. Wir haben letztendlich zu hektisch agiert.

Wie geht es dann eigentlich in der Kabine zu? Was sagt der Trainer, wenn sich in der Halbzeit schon wieder eine Niederlage abzeichnet?
Da gibt es klare Worte. Zuerst gehen wir die taktische Komponente durch. Zu Anfang ist es sachlich. Dann kommt der emotionale Teil. Aber diese Mannschaft hat eine große Qualität. Sie hinterfragt viele Sachen nach so einer Niederlage.

Also aus etwas Negativem etwas Positives machen?
Ja, ein so katastrophaler Start kann ja auch eine Chance sein.

Und jetzt am 26. März das Spiel gegen den THW Kiel. Ein Angstgegner?
Nein. In Hannover habe ich das Gefühl, wir können gegen jeden gewinnen. Der THW ist kein Angstgegner.

Was macht das Team aus?
Wir sind eine sehr homogene Mannschaft. Da gibt es keinen, der außen vor ist.

Sie haben ja schon einige Mannschaften hinter sich: Magdeburg, Berlin, Rheinland, Bergischer HC, TUSEM Essen und eben auch Balingen-Weilstetten. Wie kam das?
Ich wollte unbedingt in der Bundesliga spielen. Mir kam es weniger auf die Verträge an, vielmehr darauf, wo ich am meisten spielen konnte. Ich wollte schon in jungen Jahren Verantwortung übernehmen und habe mir die Vereine gesucht, wo ich das konnte.

„Wir können gegen jeden gewinnen“, ist Fabian Böhm optimistisch. Foto: niehaus

Wie lange dauert es, bis man sich nach einem Wechsel an die neue Mannschaft gewöhnt hat?
Zwei bis drei Monate. Aber richtig angekommen ist man meist nach einem halben Jahr.

In der Nationalmannschaft, in der Sie ja auch schon gespielt haben, ist meist noch viel weniger Zeit dazu da.
Ja, aber ich denke, je höher die Qualität, desto kürzer ist die Eingewöhnungszeit.

Was ist das für ein Gefühl, in einer solchen Mannschaft spielen zu dürfen?
Als ich vor zwei Jahren das erste Mal mit der Deutschen Nationalmannschaft unterwegs war, war ich natürlich nervös und erst einmal total zurückhaltend. Aber man kennt sich ja und ich hatte schon mehrfach gegen einige gespielt. Aber die Nervosität legte sich dann schnell. Man ist ja schließlich nicht da, weil man zufällig dazugerufen wurde, sondern weil man zu den 15 besten Spielern Deutschlands gehört. Aber ehrlich? Als vor dem ersten Spiel die Nationalhymne gespielt wurde, habe ich geheult. Das war so ein Gefühl davon, etwas geschafft zu haben, einen kleinen Meilenstein erreicht zu haben.

Das hört sich wie die Erfüllung eines Kindheitstraums an. Wann begann Ihre Begeisterung für Handball?
Ich habe drei größere Brüder, die Handball gespielt haben. So bin ich auch dazu gekommen. Mit vier oder fünf Jahren bin ich schon immer mitgegangen. Ich wollte nie etwas anderes machen. Handball ist meine Leidenschaft. Meine Eltern wollten mir auch etwas anderes eröffnen. Fechten, Schwimmen, Leichtathletik. Aber da war ich immer nur eine Woche. Höchstens. Das war nichts für mich. Ich wollte immer in der Bundesliga spielen.

Aber das bedingt auch immer hartes Training. Haben Sie nicht irgendwann gedacht: Jetzt ist Schluss mit dem Handball?
Doch, habe ich. Ich hatte zu einer Zeit total Stress mit einem Trainer. Ich hatte gar keine Lust mehr. Hinzu kam, dass meine Freundin weit weg war. Da wollte ich aufhören. Dabei war Handball immer meine Stütze.

Aber ans Aufhören muss man ja irgendwann einmal denken. Gibt es Pläne für die Zeit nach dem Handball?
Ja, ich habe immer gesagt, ich will nicht mit 35 noch Handball spielen. Ich habe eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht und habe mit einem Freund ein Start-up für Fair-Trade-Produkte gegründet.

Sie leben jetzt in Hannover. Was gefällt Ihnen an der Stadt?
Hannover ist eine Großstadt mit Dorfcharakter. Im Zentrum hat man alles; drumherum ist es dörflich. Das ist toll. Und ich kann mit dem Fahrrad alles erreichen.

Interview: Heike Schmidt

 

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