„Wir müssen zusammenrücken“
Hauke Jagau im Haus der Region. Foto: Treblin Foto: Nigel Treblin

„Wir müssen zusammenrücken“

Regionspräsident Hauke Jagau mahnt zur Besonnenheit und kritisiert bürokratische Hürden für Flüchtlinge

Von Heike Schmidt
Hannover. „Mittelfristig müssen wir uns darauf einstellen, dass es mehr Anschläge geben wird und es jederzeit passieren kann“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau: „Wir brauchen neue, andere Sicherheitskonzepte.“ Man müsse aber gleichzeitig aufpassen, nicht überzureagieren. „Wir dürfen unsere Freiheitswerte nicht zu schnell über den Haufen werfen“, betont Jagau, der bei seinem Jahresrückblick gleichzeitig zur Besonnenheit mahnt: „Natürlich beunruhigen solche Anschläge. Aber man sollte immer bedenken, dass noch immer mehr Menschen bei einem Autounfall als bei einem Terroranschlag ums Leben kommen und trotzdem benutzen alle das Auto.“ Jagau fordert ein Zusammenrücken der politischen Parteien. Einen kurzfristigen Profilverlust der einzelnen Parteien würde er in Kauf nehmen: „Im Moment müssen wir erst einmal aufpassen, dass die Demokratie nicht geschwächt wird.“ Man müsse mehr Kraft darauf verwenden, das politische System zu erklären.
In Bezug auf die Flüchtlingsfrage sagte er: „Eine gute Integration ist für uns eine Überlebensfrage.“ Diejenigen Flüchtlinge mit Bleiberechtsstatus müssten so gestärkt werden, dass sie eine echte Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Die Region tue schon einiges zur Förderung, sagte er mit Verweis auf die sogenannten Sprintklassen an den Berufsbildenden Schulen, die Flüchtlinge mit der deutschen Sprache, dem Kultur- und Berufsleben vertraut machen. „Aber wir müssen dafür sorgen, dass diese hochmotivierten jungen Menschen dann schnell einen Job bekommen.“

Jagau sagt zum Thema…

Flüchtlinge: In Bezug auf junge Flüchtlinge nütze wenig, wenn sie nach ihrem Abschluss längere Zeit nichts machen dürften. Dann könne es niemanden verwundern, dass von der anfänglichen Motivation nichts mehr übrig sei.

Krankenhäuser: „Das Regionsklinikum ist auf einem sehr guten Weg“, so Jagau. 2017 werde nach jetziger Planung der Krankenhausverbund ein positives Ergebnis erreichen. Man rechne mit einem Überschuss von drei Millionen Euro. „2017 wird es erstmals wieder eine Personalsteigerung geben“, kündigte Jagau an. Man werde weiter investieren. So soll in Gehrden ein zweiter Herzkathederlaborplatz eingerichtet werden. „Wir brauchen in Gehrden einen zweiten Bauabschnitt.“ Wehrmutstropfen: Die Einigung mit den Versicherungen bezüglich des Wasserschadens im Nordstadtkrankenhaus sei ein mühsamer und langwieriger Prozess. Vor drei Jahren hatten Unbekannte in einem kurz vor der Fertigstellung stehenden Gebäude Wasserhähne aufgedreht. Es entstand ein Schaden in Höhe eines zweistelligen Millionen-Betrags. In Bezug auf die Situation im Osten der Region sagte Jagau: „Der Neubau an einem Standort wäre sicherlich einfacher gewesen.“ Die Regionsversammlung habe jedoch beschlossen, dass beide Standorte erhalten bleiben, das akzeptiere er. Er sei sich sicher, dass es ein sinnvolles Konzept für für den Erhalt des Standortes Lehrte und einen Neubau der Großburgwedler Klinik geben wird. Jagau kündigte an, dass auch die Kinderpsychatrie in Wunstorf neue Gebäude benötige.

Schülerticket: Jagau kündigte an, dass Schüler aus der Region wahrscheinlich von 2018 an ein so genanntes Schülerticket zum vergünstigten Preis bekommen. Für voraussichtlich 15 Euro im Monat sollen sie in der gesamten Region Busse und Bahnen nutzen dürfen.  Im Fokus stehen Schüler ab der elften Klasse. Überlegungen gibt es auch für Schüler, die an einer privaten Schule ihre Ausbildung machen – wie beispielsweise Pysiotherapeuten. Über die Einführung dieser Karte besteht in der Regionsversammlung weitgehend Einigkeit. „Das Schülerticket wird zu Mobilitätsgerechtigkeit führen“, betonte Jagau.

1 Kommentar zu diesem Beitrag
  1. Alberich bei 19:50

    Was soll man dazu sagen? Unser Regionspräsident vergleicht die Terroropfer von Berlin allen Ernstes mit Verkehrstoten. Und da wundern sich diese Politiker noch über irgendwas.

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