„Wir sind sehr erfolgreich“
Michael Klügl im Gespräch im Heike Schmidt. Pfingstmontag gibt das Orchester ein Benefizkonzert zugunsten der Syrienhilfe. Foto: Niehaus

„Wir sind sehr erfolgreich“

Warum es sinnvoll ist, manchmal auf Blockbuster zu setzen, erklärt Opernintendant Michael Klügl

Von Heike Schmidt
Hannover. Michael Klügl ist seit zehn Jahren Intendant der Staatsoper Hannover. Auf dem roten Sofa sprach er von konzertanten Hits, was das mit der Syrienhilfe zu tun hat, über zehn Jahre Hannover, den Aufstieg des Balletts unter Jörg Mannes, den neuen Generalmusikdirektor und über den neuen Spielplan.

Das_Rote_Sofa_Logo.inddHerr Klügl, für Pfingstmontag haben Sie recht spontan zusätzlich etwas auf den Spielplan genommen: ein Benefizkonzert zugunsten der Syrienhilfe. Ist das eigentlich das letzte Konzert, das Generalmusikdirektorin Karen Kamensek dirigieren wird?
Nein; es wird noch das Konzertfest „Crossover“ mit einem virtuosen Dudelsackpfeifer geben – ein typisches Kamensek-Konzert, wenn Sie so wollen. Es wird ein spielerischer Abend, mit keltisch-galizischen Elementen.

Da ist das Benefizkonzert am Pfingstmontag schon anders aufgestellt. Man ist versucht zu sagen: Alles Hits, die das Orchester spielen wird: Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, Schuberts „Unvollendete“ und Dvoráks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ …
Ja, und es sind drei Dirigenten, die am Pult stehen werden. Neben Karen Kamensek werden unsere Kapellmeister Benjamin Reiners und Mark Rohde das Orchester dirigieren. Wir haben bewusst Blockbuster gewählt – es ist ja auch ein schwieriger Termin. Pfingstmontag haben viele Leute etwas vor; es gibt viele Angebote, aber wir wollen eben auch so viel Geld wie möglich für die Syrienhilfe einnehmen.

Die Syrienhilfe ist ein Verein, der direkt vor Ort, in Syrien, aber auch im Libanon und der Türkei hilft. Wie sind Sie darauf gekommen? Von wem ging die Initiative für das Konzert aus?
Die Initiative kam vom Orchester selbst. Bei unseren Nachforschungen sind wir dann auf die Syrienhilfe gestoßen. Wir hätten natürlich auch für die Flüchtlinge hier etwas machen können. Aber das tun wir ja bereits regelmäßig. In der Syrienhilfe engagieren sich viele Menschen, die in Syrien gearbeitet haben oder dort noch immer arbeiten – sei es als Ärzte oder Archäologen. Sie engagieren sich für vielfältige Projekte vor Ort, beispielsweise unterstützen sie Waisenhäuser, geben medizinischen Beistand und helfen u.a. in den Libanon geflüchteten Frauen, die jetzt für Theater Kostüme nähen und damit ihr Geld verdienen. Man darf nicht vergessen: Die Hälfte der Menschen, die jetzt noch in Syrien leben, sind hilfsbedürftig. Wir können sicherlich nur einen Tropfen dazu beitragen, dass dort geholfen werden kann. Aber der Tropfen sollte möglichst groß werden.

A propos groß: Die Sparte Tanz ist – hinsichtlich der Zahl der Veranstaltungen – inzwischen ja auch ziemlich groß geworden. Nach den Ostertanztagen kommt jetzt auch der Tanzkongress im Juni nach Hannover, und im Sommer wird das Ballet Revolución im Opernhaus zu Gast sein. Ist das nicht etwas viel Tanz?
Ganz und gar nicht! Die Ballett­abende, die Herr Mannes auf die Beine gestellt hat, sind nahezu immer aufverkauft. Der Tanz ist ein ganz wichtiger Pfeiler unserer zehnjährigen Arbeit.

Zehn Jahre ist ein gutes Stichwort…
Sie meinen, weil ich jetzt zehn Jahre in Hannover bin? Immerhin in einem der schönsten Opernhäuser der Welt. Und ich kann sagen: Wir sind erfolgreich! Ich finde es großartig, wenn wir wie bei der Premiere von „Traumgörge“ Menschen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich zu Gast haben. Ich habe keine besonderen Wünsche.

Man hört auch, dass Sie auch gut wirtschaften…
Natürlich bin auch ich auch vertraglich zum Sparen verpflichtet. Aber sparen heißt nicht, geizig sein, sondern die zur Verfügung stehenden Mittel sinnvoll einzusetzen.

Gibt es denn noch einen Herzenswunsch, den Sie sich erfüllen möchten? Ein Stück, das Sie unbedingt noch im Spielplan haben möchten?
Nein, das gibt es nicht. Ich habe keine besonderen Wünsche. Unsere Inhalte orientieren sich an den starken Ensembles der Staatsoper.

Gibt es denn ein Stück im neuen Spielplan, auf das Sie sich besonders freuen?
Die Stücke auf dem Spielplan sind wie Perlen an einer Kette – jede für sich genommen ist schön und hat ihre Eigenart.

Das war jetzt sehr schön diplomatisch gesagt. Haben Sie jemals überlegt, einer Spielzeit einen roten Faden oder gar ein Überthema zu geben?
Nein, mir sind die Inhalte der einzelnen Inszenierungen wichtig, kein besonderes übergeordnetes Thema.

Im Bereich Konzert wird es eine Änderung und somit sicherlich auch neue Akzente geben.
Ja, das wird so sein, da uns Frau Kamensek verlässt. Neuer Generalmusikdirektor wird Ivan Repusic. Da er gebürtiger Kroate ist, wird er sicherlich auch slawische Akzente setzen. Er ist aber auch ein sehr gefragter Dirigent des italienischen Repertoires. Wir werden beispielsweise die kommende Spielzeit mit Manon Lescaut von Puccini beginnen.

Wird es denn auch im Bereich Jugend etwas Neues geben?
Ja, wir werden unter anderem ein deutsch-türkisches Projekt für die ganz Kleinen machen und wir bringen eine Romeo-und-Julia-Geschichte nach einer persischen Vorlage. Das wird sehr spannend.

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