Ara Malikian im Gespräch

Ara Malikian im Gespräch

Ara Malikian ist einer der besten Violinisten der Welt. Im April kommt er nach Hannover – kein unbekannter Ort für den Musiker, aus dem Libanon stammt und derzeit in Spanien lebt.

Herr Malikian, Sie kommen im April nach Hannover. Mit 15 waren Sie einst der jüngste zugelassene Student an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Stadt?
An Hannover habe ich sehr, sehr gute Erinnerungen. Ich kam 1984 aus dem Libanon nach Hannover, und am Anfang war es sehr schwer für mich. Ich war alleine, keine Eltern, keine Freunde oder Bekannte waren dort. Außerdem konnte ich kein Deutsch. Aber nach einem halben Jahr sah alles anders aus: Ich hatte sehr viele Freunde gefunden und ich genoss das Musikleben. Ich erinnere mich mit etwas Nostalgie an diese Zeit.
Gibt es noch Freunde von damals, die noch immer hier leben?
Ja, einige Freunde gibt es noch in Hannover. Wir sehen uns aber sehr selten. Ich habe Hannover immer sehr vermisst, aber es gab bislang auch keine Gelegenheit zurückzukommen. Daher ist es für mich jetzt sehr aufregend, im Kuppelsaal zu spielen.
Ist das Konzert selbst auch etwas Besonderes für Sie?
Ja, ist es. Es ist Teil meiner „Royal Garage World Tour“. Ich habe als kleiner Junge damals das erste Mal vor Publikum in einer Garage gespielt. Als während des Krieges im Libanon die Bomben fielen, haben wir in Garagen Schutz gesucht. Ich habe immer meine Geige mitgenommen und gespielt.
Sie haben ein unglaublich großes Repertoire. Sie spielen Bach, Mozart und Paganini genauso wie Jimi Hendrix, Led Zepperlin oder David Bowie. Wo ist Ihre musikalische Heimat?
Ich hatte das Glück, an sehr vielen unterschiedlichen Orten zu spielen. Das hat mich geprägt. Um zu überleben, habe ich auch im Kabarett, auf Hochzeiten oder im Zirkus musiziert. Das waren alles verschiedene Inspirationen für mich. So konnte ich auch meine eigene musikalische Sprache entdecken und entwickeln. Sie ist nicht klassisch, sie ist nicht Rock, man kann sie nicht in Schubladen einordnen. Sie ist das, was ich fühle. Zuhause fühle ich mich in meinem Körper.
War das in Ihrer Anfangszeit anders?
Am Anfang steht im Unterricht die Perfektion. Man musste alles möglichst perfekt spielen. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass Perfektion zwar wichtig ist, aber das Publikum Emotionen jenseits der Perfektion sucht. Man sollte Musik nicht analysieren. Musik muss ins Herz gehen, nicht durch den Kopf.
Gehört eine gewisse Lässigkeit dazu, um wirklich gut zu sein?
Ja, und unbedingt auch Authentizität. Man muss die eigene Persönlichkeit entwickeln. Das kam damals im Studium etwas zu kurz.
Sie haben für Kinofilme komponiert, u.a. für Pedro Almodóvar. Was war das Besondere an dieser Arbeit?
Die Arbeit im Studio hat mir schon gefallen. Aber auf Dauer ist das nichts für mich. Ich muss raus, ich möchte vor Publikum spielen. Ich brauche die Live-Auftritte.
Sie haben in Deutschland, Frankreich, England, Spanien gelebt. Wo fühlen Sie sich eigentlich zuhause?
Ich bin so viel gereist. Ich glaube, ich könnte mich an jedem Ort wohl fühlen. Die Hauptsache dabei ist doch immer, dass man gute Freunde hat und mit sich selbst zurecht kommt. Als ich nach Spanien kam, wo ich jetzt wohne, war mein Leben kompliziert. Aber in Spanien ist alles gut gegangen. Von daher: In Spanien fühle ich mich sehr wohl.
Ara Malikian spielt am 2. April 2019 um 20 Uhr im Kuppelsaal des HCC. Die Tickets gibt es in den HAZ- und NP-Ticketshops.

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