Brodowys Woche: Alter was geht
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Alter was geht

Ich bin nicht mehr auf dem neuesten Stand. Uptodate, wie wir mal vor zwei Jahrzehnten in unserer Jugendsprache gesagt haben. Wobei das Wort inzwischen auch schon „oldfashioned“ ist. Kein Wunder, gehöre ich doch zu denen, die als Ü-40er längst Teilnehmer von „Gammelfleischpartys“ sind.In der vergangenen Woche wurde das Jugendwort des Jahres 2014 gekürt. Ein Dreiwort: „Läuft bei Dir!“ Oder wie der Bayer sagte: „Passt scho‘!“ Sprache unterliegt einem Wandel. Und das ist auch gut so. Ich bin sogar froh, dass die Jugend gesellschaftliche Phänomene ironisierend in die Sprache integriert. „Hartzen“ oder „Tebartzen“ sind dafür frohlockende Beispiele. Jenseits der schöpferischen Kraft missfällt mir jedoch, dass unsere Grammatik zunehmend ausgehebelt wird. Möglicherweise der SMS-Sprache geschuldet verfallen wir oftmals in einen telegrammartigen Sprachstil. „Alter, bin Fitnessstudio!“ hörte ich vor kurzem in der U-Bahn einen jungen Mann sagen, der weiterhin ausführte „Geh gleich noch Stadt und dann chillen.“ Es verstörte mich. Sah er doch überhaupt nicht aus wie „Bin Fitnessstudio“. Eher wie „Bin Schnellimbiss“. Er schien regelmäßig zu chillen. Chillen – ein Wort, das Aktivität vorgaukelt, wo letztlich formvollendete Passivität vorherrscht. Vor allem aber störte mich seine Aussage „Geh gleich noch Stadt.“ „In die“, das scheint zuviel verlangt. Die Weglassung ist bereits der Beginn des Chillens. Dabei verbrennt man doch sogar beim Sprechen Kalorien. „Nache Stadt hin“ hätte man als Hannoveraner auch noch gelten lassen. Aber ich will ja kein „Senfautomat“ sein, der alles besser weiß. Und überdies hat sein Gegenüber alles verstanden. Also, läuft bei ihm!

Ein chilliges Wochenende wünscht

Matthias Brodowy

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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