Brodowys Woche: Baukunstungunst
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Baukunstungunst

Das war eine Meldung, die mich hin- und hergerissen hat: Aus einer Berliner Grundschule wurde ein Kunstwerk gestohlen und zwar ein goldenes Nest, bestehend aus 74 massiv-goldenen Zweigen, schwerst gesichert in einer Vitrine mit zahlreichen Vorkehrungen, um einen solchen Diebstahl zu vermeiden. Mein zweiter Gedanke war: Was für eine Sauerei, das zu klauen! Mein erster Gedanke allerdings war zunächst: Warum liegt in einer Grundschule in Berlin-Marzahn ein Nest aus massivem Gold? Die Antwort darauf findet sich im Berliner Baurecht. Wenn ein Gebäude mit öffentlichen Geldern finanziert wird, soll ein Prozent des Geldes für Kunst am Bau ausgegeben werden. Der Künstler in mir jubelt! Ich finde die Idee wunderbar, die Wahrnehmung für Kunst zu schärfen und diese in den Alltag zu integrieren. Der Steuerzahler grummelt natürlich ein wenig angesichts meist klammer kommunaler Kassen. Der Pragmatiker in mir fragt sich, ob es in besagter Schule nicht auch ein nicht abbaubares Kunstwerk aus Stein getan hätte. Zumal in einem Stadtteil wie Marzahn für den ein oder anderen so ein goldenes Nest fast zynisch wirken könnte. Und dann ist da noch eine Frage! Wenn ein Prozent der Bausumme für Kunst ausgegeben werden soll, welche Werke dürfen wir dann demnächst im Terminal des Berliner Flughafens anschauen? Bei der bisherigen Gesamtsumme dürften da wohl inzwischen einige hübsche Bilder zusammengekommen sein! In gewisser Weise ist der gesamte Flughafen ein einziges Kunstwerk. Titel: „Das Geld zum Fenster…!“

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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