Brodowys Woche: Die Halme der Saurier
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Foto: privat

Brodowys Woche: Die Halme der Saurier

Der Ackerschachtelhalm macht mich noch fertig! Jahr für Jahr breitet er sich in unserem Garten aus, als gäbe es kein Halten mehr. Man kommt mit dem Rupfen überhaupt nicht nach. Nun habe ich ja mal gelernt, dass es eigentlich gar keine Unkräuter gibt, sondern nur Wildkräuter. Trotzdem mag ich keine Wildkräuter in meinem Gemüsebeet.
Seit ein paar Tagen allerdings ist alles anders und ich fange an, den Schachtelhalm geradewegs zu verehren. Seit ich nämlich erfahren habe, dass die Schachtelhalme quasi lebende Fossilien sind und unsere Erde seit ungefähr 375 Millionen Jahren bevölkern. Ich habe jetzt so einen Respekt, denn das bedeutet, dass sie nicht nur älter als die Dinosaurier sind, sondern diese auch überlebt haben. Bevor die ersten Verschwörungstheorien aufkommen: Die Schachtelhalme, von denen es heutzutage ungefähr 20 Arten gibt, sind in keinem Fall Schuld am Aussterben der Dinos. Im Gegenteil. Hätten die schwerfälligen Riesen mal ordentlich Halme gekaut, wären sie vielleicht viel robuster geworden, denn wir haben es hier mit einer Heilpflanze zu tun.
Der gute Herr Kneipp hat sie zum Beispiel eingesetzt zur Reinigung des Blutes und der Blase, ist dieses Wildkraut doch auch ein extrem harntreibendes Mittelchen. Noch heute lindert die Pflanze Rheuma und Entzündungen.
Wie, um Himmels Willen, kann ich mit diesem Wissen das vermeintliche Unkraut jetzt noch rausrupfen? Im Gegenteil. Ich werde Schachtelhalmplantagen anlegen. Aber bei meinem Glück werden sich dort dann wahrscheinlich Brennnesseln, Disteln und Vogelmiere breitmachen. Und wenn ich erst anfange darüber nachzudenken, was man mit Brennnesseln alles machen kann…

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