Brodowys Woche: Fensterstreit
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Fensterstreit

Ein Fliegenfenster, ein Bundeskanzler und eine alte Dame – das ist der Stoff aus dem ein handfester Streit werden kann. Die alte Dame ist fast 700 Jahre alt und steht in rotem Kleid gewandet in der Altstadt von Hannover: Die Marktkirche! Eigentlich sollte sie in diesem Jahr ein neues Fenster bekommen, geschaffen vom Künstler Markus Lüpertz. Und so wie einst Kanzler Adenauer der Abteikirche Maria Laach ein Kirchenfenster stiftete, wollte Altkanzler Schröder ebenso eines spendieren. Ein modernes, spannendes, symbolträchtiges Fenster, das dazu einlädt, über das dort Abgebildete nachzudenken. Markant sind dabei mehrere Fliegen, über die schon viel diskutiert wurde. Sie stehen symbolisch für das Böse. Und wie böse Fliegen sein können, weiß jeder, der des Morgens viel zu früh von einer Fliege Flug geweckt wurde, durch das Geräusch und die Landung auf der Nase. Nun könnte also dieses Fliegenfenster eingebaut werden, wäre da nicht der Stiefsohn des Architekten Oesterlen, der nach dem Krieg den Innenraum der Kirche neu gestaltete und dafür die Urheberrechte erhielt, die nun von seinem Angehörigen ererbt wurden. Ich staune! An dieser Kirche haben Generationen gebaut, jedes Jahrhundert hat auf seine Weise Spuren hinterlassen. Dort haben sich Menschen verewigt mit ihren Gedanken, ihren Träumen und auch mit ihren Zweifeln. Und nun soll das auf einmal enden, weil jemand ein jahrzehntealtes Urheberrecht an einer jahrhundertealten Kirche besitzt? Wenn das mal nicht das Werk einer Fliege ist!

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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