Brodowys Woche: Haarig
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Haarig

„Aber die Frisur sitzt!“ Das war mein Gedanke nach dem ersten Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM. Die Köpfe hingen, die Haare standen. Sie waren alle so frisch barbiert, weil sie wohl direkt vor dem Anpfiff noch beim Putzer waren, sahen aber dennoch so aus, als hätten sie gerade erfahren, dass Heidi Klum kein Foto für sie hat. Bei einigen Frisuren frage ich mich, ob nicht bei einem Kopfball die Flugbahn des Balles beeinträchtigt wird, so denn der Spieler sich überhaupt traut, seine Haarzierde zu gefährden. Ich halte es sogar für denkbar, dass auf einigen Köpfen das Spray und das Gel die Haare so verhärtet haben, dass der Ball daran zerplatzen könnte. Wenn man sich Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten anschaut, sieht man, dass Fußballer immer am haarmodischen Puls der jeweiligen Zeit waren: Lange Haare bis Löwenmähne bei den Weltmeistern von 1974 oder aber der berühmt-berüchtigte Vokuhila-Schnitt (vorne kurz, hinten lang) bei denen von 1990. Und dann gibt es natürlich auch noch Günter Netzer. Aber so getrimmt wie heute waren die Spieler wohl nie zuvor. Die Ikone Nummer eins ist und bleibt natürlich Ronaldo. Wenn die anderen in der Halbzeitpause durchatmen, ist sein Leibfriseur garantiert am Kopfgärtnern. Ganz nach dem (ziemlich dämlichen) Slogan unserer Mannschaft „Best never rest“! Nein, die Coiffeure ruhen nicht! Was damals dem Zarenhof der Rasputin war, ist der Mannschaft heute der Barbier. Wer weiß, vielleicht flüstert der ihnen sogar die Taktik ein.

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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