Brodowys Woche: Laubhäufchen
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“. Foto: Privat

Brodowys Woche: Laubhäufchen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin ja ein großer Herbstfan. Als Kind fand ich nichts schöner als raschelnd durch die Laubhaufen zu laufen. Manchmal dahingehend enttäuscht, dass sich im Laubhaufen noch ein weiterer Haufen befand, weil es sich zuvor ein Hund dort gemütlich gemacht hat. Aber von solchen Missgeschicken abgesehen, hat doch der Herbst sehr viel reizvolles.
Allein die Luft! Manchmal nehmen wir viel zu wenig wahr, wie sehr Jahreszeiten duften. Und so ein herbstlicher Spaziergang durch einen buntgefärbten Wald an einem Tag mit blauem Himmel, Sonne und trotzdem schon deutlich kühleren Temperaturen wird durch diesen erdigen und doch zugleich irgendwie klaren Geruch zu einer wahren Sinnesexplosion.

Wichtig ist nur: Unbedingt das Handy ausschalten! Und einfach still durch den Wald ziehen, durch Laubhaufen rascheln und in Gedanken Rilke rezitieren.

Nun hat der Herbst nicht nur eine romantische Seite. Seit einigen Jahren hat sich ein wahrlich apokalyptisches Ungetüm breit gemacht: Der Laubbläser, der jegliche Idylle durchschreit. Diese Dinger wirbeln mit einer solchen Wucht die gefallenen Blätter auf, dass ich nicht wissen möchte, ob sie nicht auch die Kraft besäßen, die Hundehäufchen durch die Gegend zu schleudern. Früher hatte nur der städtische Reinigungsdienst solche Hilfsmittel, heute sind sie für Jedermann im Baumarkt erhältlich.

„Wer jetzt kein Haus hat“, schreibt Rilke, „baut sich keines mehr.“ Bestimmt nicht, bei dem Lärm! Was lob ich mir Harke und Besen…

Matthias Brodowy
www.brodowy.de


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