Brodowys Woche: Piep
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Piep

„Beim nächsten Ton ist es…“ Erinnern Sie sich noch? Es gab eine Zeit, in der wir einen Anruf tätigen mussten, um zu wissen, wie spät es ist. Als es noch keine Funkuhren gab, ermöglichte uns ein kostenpflichtiger Anruf bei der Zeitansage das präzise Stellen unserer Uhren. Natürlich konnte man auch kostenfrei bis zum Gong der Tagesschau warten. Für Hannoveraner ist es übrigens verheerend, dass diese objektiv korrekte Zeit ausgerechnet aus Braunschweig kommt. Dort sorgen in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt unter anderem sogenannte „Caesium-Fontänen“ dafür, dass unsere Zeit absolut exakt verbreitet wird. Im Zeitalter von Handys und Smart-Uhren sind Anrufe bei der Zeitansage natürlich überflüssig. Alles stellt sich selbst und das auch noch absolut genau. Für mich ist das übrigens ziemlich dusselig, weil ich seit jeher die Angewohnheit hatte, meine Uhr am Handgelenk fünf Minuten vorzustellen, um stets pünktlich zu sein. Mein Wecker ging sogar zehn Minuten vor, was ich aber immer wieder vergaß. So wurden mir jeden Morgen aufs Neue beim Umbinden der Armbanduhr fünf Minuten im Vergleich zum Wecker geschenkt, worüber ich mich wahnsinnig freuen konnte. Diese unterschiedlichen Zeitzonen führten eigentlich nie zu Problemen. Nur manchmal bezichtigte ich ungerechterweise Mitmenschen der Unpünktlichkeit, weil ich meine eigene, die brodowysche Zeitzone vergessen hatte. Ein Anruf bei der Zeitansage löste den Konflikt. Gibt es die eigentlich noch? Ich ruf mal die Auskunft an!

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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