Brodowys Woche: Primelnamen
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Primelnamen

Haben Sie in den vergangenen Wochen ein bisschen Zeit gehabt, in guten Büchern zu blättern? Insbesondere im Weihnachtsurlaub lese ich gerne und viel. Und eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, am Urlaubsort Buchhandlungen zu durchstöbern. Ich kann Stunden dort verbringen. Eigentlich bräuchte ich gar nicht wegzufahren, sondern müsste einfach in einer hannoverschen Buchhandlung nachfragen, ob ich dort meine Liege aufbauen darf. Meine Versuche, elektronische Bücher zu lesen, sind kläglich gescheitert. Ich brauche das Haptische, den Geruch des Papiers, das Durchblättern und letztlich – beim Anblick des Buchrückens im Regal – auch das Gefühl, dieses Buch mein Eigen nennen zu dürfen. Was mir seit geraumer Zeit auffällt, ist der gnadenlose Trend der Verlage, einem Bestseller möglichst viele ähnliche Bücher folgen zu lassen. Jan Weilers sehr amüsanter Lektüre „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ folgten zahlreiche Pendants anderer Autoren, die in gleicher Aufmachung ihre Familienerlebnisse aus nahezu jedem Land der Erde schilderten. Dann stieg ja mal ein 100-Jähriger aus dem Fenster und verschwand, der dann wiederkam, um die Welt zu retten. Ich warte auf die 98-Jährige, die über den Gartenzaun kletterte und sich das Bein brach. Was im Übrigen durchaus realistisch wäre. Bin ich froh, dass nach dem Erfolg eines meiner Lieblingsbücher „Der Name der Rose“ niemand auf die Idee kam, die Namen der Tulpe, Primel, Narzisse oder Amaryllis zu enttarnen. Bei der Heide weiß man’s: Die heißt Erika!

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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