Brodowys Woche: Quantensieg
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Quantensieg

Haben Sie schon einmal einen Erdrutsch den Berg hinaufklettern sehen? Nicht? Hätte mich auch gewundert! Ein der Erdanziehungskraft trotzender und nach oben reißender Erdrutsch wäre tatsächlich ein Phänomen. In der Sprache hingegen ist dieses nicht existente Naturwunder sehr weit verbreitet.

Wenn eine Partei bei einer Wahl einen besonders hohen Sieg erzielt, sprechen inzwischen alle von einem  „Erdrutschsieg“. Was für ein Quatsch! Aber wahrscheinlich denkt niemand darüber nach. „Erdrutschartige Verluste“ – die gibt es tatsächlich. Weil etwas wie bei einem Erdrutsch wegbricht. Zugewinne hingegen könnten raketenhaft sein. „Raketensieg“ also. Aber „Erdrutschsieg“?

Mich wundert es, dass so viele diesen Sprachquark derart unreflektiert nachplappern. Das ist beim vielgenutzten „Quantensprung“ nicht anders. Mein Kollege Vince Ebert, der nicht nur Kabarettist, sondern auch Physiker ist, wies schon vor längerer Zeit auf folgendes hin: „Ein Quantensprung ist die kleinstmögliche Zustandsänderung, meist von einem hohen auf ein niedriges Niveau.“

Wenn also ein Politiker in irgendeiner Angelegenheit von einem Quantensprung spricht, ist ihm also das Minimalstmögliche gelungen. Messbar im atomaren Bereich. Also im Prinzip ein Hauch von nichts. Ob dieses Erfolgsergebnis dann für einen Erdrutschsieg reicht?

www.brodowy.de


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Bildquelle

  • Brodowy: privat

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