Brodowys Woche: Raum-Zeit-Kontinuum
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Raum-Zeit-Kontinuum

Uns gibt es zurzeit gar nicht! Oder genauer gesagt, uns wird es einen Monat lang nicht gegeben haben. Zumindest, wenn es nach den Jahresrückblicken geht. War es früher noch so, dass die Jahresrückblicke zurecht um Silvester herum gezeigt wurden, unterbieten sich die Sender im Moment selbst. Der Schnellste glaubt der Exklusivste zu sein und damit am meisten Quote zu machen. Dafür bleibt der Dezember komplett auf der Strecke. Alles was jetzt noch passiert, wird im Jahresrückblick keine Erwähnung finden. Also wird es nicht stattgefunden haben. Eine Verlockung, mal all das zu tun, was man sich noch nie traute. Es steht ja in keiner Chronik. Ganz ehrlich: Ich finde das dämlich. Ein Jahresrückblick ohne Dezember, das ist doch wie Ende September schon alle Weihnachtsgeschenke zu haben oder wie eine Bundesliga mit Bayern als Deutscher Meister am 20. Spieltag. Überhaupt: Bundesliga! Im Prinzip dürfen wir den Borussen um Jürgen Klopp mal richtig dankbar sein. Stünde Dortmund nicht auf dem verblüffenden letzten Platz, wäre die Bundesliga ja fast gänzlich langweilig. Bis vor kurzem hieß es doch noch, langfristig würde es in der bei uns, so wie in Spanien Madrid und Barcelona, nur noch zwei Spitzenvereine geben. Der eine ist klar, der andere wäre Dortmund. Pustekuchen! Der Abstieg droht. Wobei, es kann sich ja sehr schnell ändern. Ein paar mal gewinnen und alles ist wieder gut. Und da ja der Dezember in keinem Jahresrückblick auftaucht, wird am Ende der Saison Dortmund niemals auf dem 18. Platz gestanden haben.

In diesem Sinne genießen Sie den Dezember nach allen Kräften, es wird ihn später schließlich nicht gegeben haben.

Matthias Brodowy

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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