Brodowys Woche: Schlusswort
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Schlusswort

„Auch Du, mein Sohn Brutus!“ Sie kennen sicherlich das berühmte Zitat Cäsars, welches zugleich seine letzten Worte wiedergibt, kurz bevor ihm die Messer der Verschwörer den Garaus machten. Für den ollen Julius war das ein trauriges Ende im Angesicht der so vertrauten Missetäter. Nicht jedes letzte Wort ist derart dramatisch. „Mehr Licht!“ soll Goethe gesagt haben, bevor er seinen Odem aushauchte. Was er wohl damit meinte? Mehr Licht für diese düstere Welt? Mehr Licht in das Denken des Menschen? Oder wollte er noch etwas schreiben, konnte aber nichts sehen, weil es zu dunkel war und bat schlicht um eine Kerze? Wir werden es nie erfahren. Höflich blieb am Ende die französische Königin Marie Antoinette. Auf dem Weg zur Guillotine trat sie versehentlich dem Henker auf den Fuß und entschuldigte sich: „Verzeihen Sie, Monsieur, ich habe es nicht absichtlich getan.“ Es waren ihre letzten Worte. Das nenne ich mal Knigge! Mein Großonkel Albert hingegen, lang ist‘ s her, saß im Garten und genoss sein Bier, erhob sich, um auf die Toilette zu gehen, und sagte zu seiner Frau – ich gebe den Satz hier im Original wieder, Onkel Albert möge mir verzeihen: „Ich geh jetzt mal pullern!“ Sprach’s und brach tot zusammen. Profane Worte, mitten aus dem Leben, literarisch nicht übermäßig hochwertig, dafür aber postmortem mindestens postmodern. Meine Lieblings-letzten-Worte stammen übrigens von Oscar Wilde, der auf seinem Sterbebett gesagt haben soll: „Entweder die Tapete verschwindet oder ich!“

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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