Brodowys Woche: Schuss nicht gehört
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Schuss nicht gehört

Immer wieder kommt es vor, dass ich bei Recherchen zu einem Thema immer tiefer in einen Sumpf aus Absurditäten hineinrutsche. Als ich gerade dabei war, einen Text über Fußball zu verfassen und mich des Themas „Schiedsrichter“ anzunehmen, stolperte ich über Gilberto Leonel de Almeida Rego. Dieser Mann war Schiedsrichter bei der Fußball-WM 1930 und brachte das Kunststück fertig, ein Spiel satte sechs Minuten vor Schluss abzupfeifen. Man stelle sich vor, heute pfiffe ein Schiri das Spiel einfach in der 84. Minute ab. Die Fans, die für 90 Minuten bezahlt hätten, kriegten sich nicht mehr ein. Die Trainer rauften sich die Haare bis keine mehr da wären. Der Ersatzspieler, der eigentlich noch eingewechselt werden wollte, schaute doof aus der Wäsche. Die Fernsehsender wüssten nicht, was sie zeigen sollten und Béla Réthy riefe minutenlang nur: „Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“. Was erschwerend im Fall Rego hinzukommt, ist die Tatsache, dass er das Spiel nicht nur zu früh abpfiff, oder sagen wir „abpfoff“, das klingt passender, nein, genau in dem Augenblick jagte der Franzose Langiller auch noch allein und zielstrebig auf das argentinische Tor zu und hatte den Ausgleichstreffer auf dem Fuß. Rego hatte auch sonst nicht das beste Händchen. Beim Halbfinale leistete er sich einen weiteren Schnitzer: Der Ball flog ins Aus, wurde von einem dort stehenden Polizisten zurück und von einem Spieler daraufhin direkt ins Tor gekickt. Solch schöne Geschichten gibt’s mit Videobeweis leider nicht mehr.

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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