Brodowys Woche: Stille
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Stille

Zu dem größten Luxus, den man in einer Stadt haben kann, gehört für mich die Stille! Reinhard Mey sang das schöne Lied „Irgendein Depp bohrt irgendwo immer“. Manch Zeitgenosse wartet dafür aber unbedingt noch die Mittagszeit ab. Diese scheint ja völlig aus der Mode gekommen zu sein. Die Zeit von 13 bis 15 Uhr ist tabu, so habe ich das mal gelernt. Ich bin noch gar nicht sooo alt, aber der vorstehende Satz scheint aus grauer Urzeit zu stammen. Mancher Leute Rasenmäher nämlich funktionieren offenbar ausschließlich in genau diesem Zeitraum. Auch am Feiertag. Nun war der 1. Mai ja der Tag der Arbeit, aber das mit der Arbeit war anders gemeint, als man diesen Tag einführte. Manch einer demonstriert gar, um unbedingt am Karfreitag tanzen zu dürfen. Na, wenn es sonst nichts gibt, für das es sich zu demonstrieren lohnte… Wie schön Stille sein kann, wie genussvoll, aber wie schwer sie doch erreichbar ist. Auf Schritt und Tritt werden wir beschallt. Ich habe auch nichts gegen leise Musik im Restaurant. Wenn es nicht immer diese grässliche „Chillout“-Musik wäre, in der in einer 24-minütigen Dauerschleife ein Zweiakkordeturnus zelebriert wird. Schlimmer ist nur Chillout-Musik mit Anleihen aus dem Freejazz, mit einer sich durch die 12-Ton-Amplitude trötenden Trompete und einer psychodelischen, an Wahnsinn grenzenden Querflöte, deren sich überschlagende Frequenzen tote Hunde zu wecken in der Lage wären. Wie sang damals Vadder Abraham? „Der Flötenschlumpf fängt an“. Nein! Bitte nicht!

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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