Brodowys Woche: Stinkegelder
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Stinkegelder

Ich frage mich, wie unser Land aussähe, wenn wir alle mit unseren geschlossenen Verträgen, den Kauf- und Leasingverträgen, so umgingen, wie manch ein Fußballer mit seinen Verträgen. Dann würde unsere Wirtschaft wahrscheinlich zusammenbrechen.

„Ja, ich habe diesen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben. Na und, jetzt will ich halt nicht mehr!“ Es gibt einen alten lateinischen Spruch.“Pacta sunt servanda!“ Verträge sind einzuhalten! Diese Aussage stellt die Grundlage der Kaufmannsehre dar. Aber aus diesem „pacta sunt servanda“ wurde insbesondere in der Fußballwelt häufig ein „pacta sunt girlanda“. Das ist zugegebenermaßen nicht wirklich lateinisch, soll so viel heißen wie: Verträge sind schmückendes Beiwerk, mehr nicht!

Das große Geld lockt und da sind die heißesten Treueschwüre nur noch das Geschwätz von gestern, das die Betroffenen nicht schert. „Pecunia non olet“! Um an dieser Stelle mal noch mehr Latein in die Runde zu schmeißen. „Geld stinkt nicht!“
Dieser Satz geht übrigens zurück auf Kaiser Vespasian, der auf öffentliche Toiletten eine Latrinensteuer erhob. Der Überlieferung zufolge habe er die ersten Einnahmen aus dieser Steuer seinem Sohn unter die Nase gehalten und ihn gefragt, ob der Duft von der Toilette auf das Geld übergegangen sei. Geld stinkt nicht! Oder vielleicht doch?

In einer Gesellschaft, in der vieles beliebig geworden ist, wäre das Einhalten von Verträgen ein vorbildliches Verhalten. Aber in der großen weiten Welt des Geldes gilt zu oft: Pacta ad acta!

Matthias Brodowy
www.brodowy.de

Mehr Beiträge von Matthias Brodowy lesen Sie auf unseren Themenseiten „Brodowys Woche„.

Bildquelle

  • Brodowy: privat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.