Brodowys Woche: Transformation
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Transformation

Es ist März. Und irgendwie Frühling. Allerorten schießen die Krokusse aus dem unverfrorenen Boden. Die vergangene Woche bescherte uns zauberhafte Sonnentage. Doch ist es ein wenig trügerisch, denn der Winter kann noch einmal eisig kalt über uns hereinbrechen. Und wer des Morgens früh mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann ein Lied davon singen, dass die Frostigkeit noch sehr an den Händen nagt, wenn kein lichter Sonnenstrahl wärmt. Dafür hat sich uns in den ebenso frischen wie klaren Nächten ein traumhafter Sternenhimmel gezeigt. In diesen Tagen der Temperaturschwankungen, in denen der Wintermantel viel zu schweißtreibend ist, man im Sommerjäckchen aber doch auskühlt, schlägt die Stunde eines Kleidungsstückes, das nur zwei Mal im Jahr für wenige Wochen aus der Kammer geholt wird: Die Übergangsjacke! Die deutsche Sprache kann eine sehr schöne und poetische sein. Sie kann aber auch hart und bürokratisch klingen wie bei den Wörtern: Einwegblitzlichtwürfel, Warmhaltebehältnis, Vorsteuerabzugsberechtigter, Hornhauthobel oder eben Übergangsjacke. Von Bürger-Sternchen-innen will ich gar nicht erst anfangen, auch wenn ich versucht bin, aus Gleichberechtigungsgründen die Übergangsjacke zu gendern und auch den Übergangsjackerich einzufordern. Ich persönlich besitze übrigens keine Übergangsjacke. Ich schwitze in meiner Winterjacke oder friere in meiner Sommerbekleidung. Aber eigentlich ist es mir egal. Solange das Wetter so schön ist und der frühe Frühling sein blaues Band lässt.

Matthias Brodowy

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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