Das rote Sofa: Axel von der Ohe
Axel von der Ohe, Dezernent für Ordnung und Finanzen, über die neue Initiative, die Hannover zu einem saubereren Ort machen möchte. Foto: Niehaus

Das rote Sofa: Axel von der Ohe

Unsere Stadt soll sauberer und sicherer werden. Dazu soll die Aktion „Hannover sauber“ beitragen. Es ist eine gemeinsame Aktion der Landeshauptstadt Hannover und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha). Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Kultur wollen sie sich für eine liebenswerte Stadt einsetzen, in der Müllfahnder nur noch selten wilde Müllkippen aufspüren und Bußgelder aussprechen müssen. Axel von der Ohe, Finanz- und Ordnungsdezernent der Stadt, erklärt das Konzept.

Lassen Sie uns über Sauberkeit und Sicherheit sprechen. Inwieweit haben die beiden Faktoren miteinander zu tun?
Es ist ganz sicher so, dass sich Menschen an sauberen Orten subjektiv sicherer fühlen. Von daher haben die beiden Themen viel miteinander zu tun. Aus diesem Grund hat die Stadt bereits im vergangenen Jahr ein Sicherheits- und Ordnungskonzept aufgelegt. Der neue Ordnungsdienst ist bereits seit diesem Frühjahr in der Stadt präsent. Nun folgt das Thema Sauberkeit. Im September hat der Rat das Konzept zu „Hannover sauber“ beschlossen, so dass wir jetzt mit der Umsetzung starten können.
Wie sieht das aus?
„Hannover sauber“ sieht nicht nur vor, dass es zusätzliches Personal bei aha geben wird. Wir wollen auch die Sensibilität in Sachen Müll bei den Bürgern erhöhen. Wir wollen das Thema ins Bewusstsein bringen und zeigen, dass jeder etwas zur Sauberkeit der Stadt beitragen kann.
Stichwort „Kehren vor der eigenen Tür“?
Ja, ein wenig ist das auch so. Es ist auch empirisch belegt, dass in einer sauberen Umgebung weit weniger wilder Müll entsorgt wird als an Plätzen, an denen beispielsweise schon Müll vorhanden ist. Dort haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche wilden Müllablageplätze durchaus wachsen können.
Für die Aktion „Hannover sauber“ wird zusätzliches Personal eingestellt. In welchem Bereich wird es eingesetzt?
Bislang gab es fünf Stellen für Müllfahnder, die unter anderem solche wilden Müllablageplätze gemeldet haben. Diese Zahl wird jetzt verdoppelt. Sie werden in der ganzen Stadt unterwegs sein. Auch an den Orten, von denen wir bereits wissen, dass sie als wilde Deponien gelten. Sie sollen dort auch in Erfahrung bringen: Wer lädt da was ab? Und können auch Bußgelder einfordern. Ein ausgespuckter Kaugummi oder eine weggeworfene Zigarettenkippe kostet beispielsweise 15 Euro, Hundkot liegen zu lassen 50 Euro.
Zudem soll es eine App geben, mit der die Bürger selbst Müll melden können…
Ja, aber diese ist noch in der Testphase. Wir sind gerade dabei, Tester für die App zu finden. Später sollen die BürgerInnen, mit dem Smartphone ein Bild von dem Müll machen, dieses dann per App verschicken, und aha dann per GPS genau orten, wo der Müll liegt und diesen entfernt.
Bislang hat die Stadt 1 Million Euro für Entsorgung von wildem Müll ausgegeben. Wie viel Budget gibt es jetzt dafür?
Insgesamt liegen wir bei 2,1 Millionen Euro – das sind 1,1 Millionen Euro mehr. Knapp die Hälfte davon verwenden wir für die Aufstockung der Abfallfahnder. Die andere Hälfte nutzen wir, damit auch zusätzliches Personal für das schnelle Abräumen von wildem Müll eingestellt werden kann. Und wir wollen sensibilisieren – etwa durch Aktionen in Kindergärten und Schulen. „Hannover sauber“ basiert auf drei Pfeilern: Prävention, Service, Sanktion.
Zusätzliche Kehrmaschinen sollen zudem in Nachmittagsstunden eingesetzt werden; zwei Handreiniger sind zusätzlich in der Innenstadt unterwegs – inwiefern muss das Saubermachen auch öffentlich sein, um bewusst wahrgenommen zu werden?
Das ist sehr wichtig. Wir wollen eine neue Achtsamkeit bei der Bevölkerung erreichen. Das gelingt nur, wenn man auch aktiv sieht, dass etwas passiert. Die Handreiniger sind insofern Kümmerer, aber auch Gesichter von „Hannover sauber“.
In einem ansprechenden Umfeld ist es häufig sauberer, weil sich die Menschen leichter mit einer schönen Umgebung identifizieren. Inwieweit hat Sauberkeit auch mit Stadtplanung zu tun?
Sehr viel. Das Thema Stadtplanung müssen wir immer mitdenken, wenn es um Sauberkeit und Sicherheit geht.
Stichwort „schönes Umfeld“: Im Sommer gab es immer wieder Schwierigkeiten mit wildem Müll in Park- und Grünanlagen. Wie wollen Sie dem Problem begegnen?
Erst einmal ist es durchaus positiv zu sehen, dass die Menschen die Grünanlagen nutzen. Das zeigt ja auch, dass sie attraktiv sind. Umgekehrt führt die intensivere Nutzung des öffentlichen Raums aber mitunter aber eben auch dazu, dass mehr Müll hinterlassen wird. Nach solchen Picknicks sieht man ja immer wieder, dass neben dem Mülleimer noch Müll aufgestapelt ist. Das wollen wir in Zukunft reduzieren, appellieren an die Menschen möglichst auf Einwegverpackungen zu verzichten. Und für das, was dennoch übrig bleibt, braucht es im Zweifel schlicht größere Mülleimer oder eine häufigere Leerung.

Interview: Heike Schmidt

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