Das Rote Sofa: Krimi-Autorin Susanne Mischke
Erfolgsautorin Susanne Mischke über Mordskerle, Mordmethoden und warum ihr einheimische Gewächse lieber sind als ein Hochpräzisionsgewehr

Das Rote Sofa: Krimi-Autorin Susanne Mischke

Susanne Mischke ist deutschlandweit eine der erfolgreichsten Krimi-Autorinnen. Sie lebt in der Region Hannover. Dort ermittelt auch ihr Kommissar Bodo Völxen. Er ist ebenfalls einer der „Mordskerle“, die in ihrer gleichnamigen Anthologie vorkommen, die sie herausgebracht hat. Es geht um Mord – direkt vor unserer Haustür.

Frau Mischke, was sind für Sie Mordskerle?
In Bayern, da wo ich herkomme, ist ein Mordskerl einer, der tapfer, mutig und klug ist. Ein Held eben.

Naja, in Ihrem Buch „Mordskerle“ sind das aber eher keine Helden. Da gibt es den gelegenheitsmordenden Bankmitarbeiter und Barliebhaber…  
…ah, der Typ aus dem Oscars! Ja, der ist eher kein Held. Der ist eher hinterhältig und total heimtückisch.

..und auch eher ein Gelegenheitsmörder, oder?
Ja, der ist total genervt. Das kennt man ja auch aus eigenen Erfahrungen. Da sitzt man in einer Bar und fragt sich: „Muss der jetzt so in sein Handy reinbrüllen?!“ Und als dann der Strom ausfällt, schlägt er zu.

Susanne Mischke stammt aus Kempten im Allgäu. Seit etwa zwanzig Jahren schreibt sie Romane. Ihre Romane wurden in fünf Sprachen übersetzt, die Bestseller „Mordskind“ und „Die Eisheilige“ wurden vom ZDF verfilmt. Sie lebt in der Wedemark.

Jupp hingegen ist da ganz anders. Er kommt vom Dorf, ist unbedarft…
Der Jupp ist ein Held! Ein Held der Arbeit. Er ist jung, schüchtern..

…und stattet einen Puff mit Rauchmeldern aus. Die Bar, von der wir eben sprachen, das Oscars, kennen Sie…
Ich war noch nie im Puff!

Das liest sich aber sehr authentisch…
Naja, man sieht so etwas auch im Fernsehen. Da kann man sich das doch gut vorstellen.

Bodo Völxen haben Sie ja schon öfter ermitteln lassen. Ist sein Name eine Reminiszenz an den Springer Ortsteil Völksen? Ihr Verleger wohnt ja da.
(lacht) Ja, der wohnt da. Das war kein Zufall. Das war ein Gag! Ich habe damals ewig rumgedoktert,  wie ich den Kommissar nennen könnte. Und es heißen ja oft Leute nach Gebieten. Die Namenssuche für eine Hauptfigur ist extrem schwierig. Der Name muss schließlich irgendwie passen. Ich habe bei meinen Figuren Gesichter vor Augen. Da ist die Namensfindung gar nicht so einfach. Wenn ich noch keinen Namen habe, ist das immer ein Zeichen dafür, dass die Figur noch nicht fertig ist.

Wenn Sie die Figur haben, wissen Sie denn dann schon, wie die Geschichte ausgeht?
Das kommt darauf an. Entweder steht am Anfang der Plot oder die Figur. Ich versuche beides bis zum Ende durchzudeklinieren. Bei der Völxen-Serie steht der Plot. Bei meinen Psychokrimis habe ich die Figur vor Augen und überlege mir, was der passieren könnte. Ich wollte beispielsweise mal unbedingt etwas über eine Analphabetin machen. Ich habe mich gefragt: Wie findet sich so jemand überhaupt in unserer Welt zurecht? Das war die Grundidee für den Krimi „Die Eisheilige“.

Entwickeln sich die Figuren beim Schreiben manchmal von alleine weiter?
Nein, das ist ein Klischee. Es kann manchmal sein, dass ich eine Nebenperson so spannend finde, dass ich ihr mehr Platz einräume oder sie zur Hauptperson wird. Manchmal gewinnen die Figuren auch an mehr Tiefe. Im Verlauf einer Serie erfährt man ja von Geschichte zu Geschichte mehr über sie. Aber dass sie ein Eigenleben führen würden, nein, ganz bestimmt nicht.

Kommissar Völxen hat Schafe. Warum Schafe?
Die fand ich so cool! Erst wollte ich ja Hühner nehmen. Meine Nachbarin hat welche, die sind auch lustig. Aber mit Schafen kann man mehr Sachen machen. So müssen die Mitarbeiter von Völxen  immer Schafwitze reißen. Wenn man sich damit beschäftigt, wie häufig Begriffe rund ums Schaf noch immer in der Sprache vorhanden sind, wird einem erst einmal klar, wie wichtig Schafe für uns einst gewesen sein müssen. Lammfromm, dumm wie ein Schaf. Seine Mitarbeiterin Oda sagt einmal, nachdem ihre Kollegen wieder einmal einen Schafswitz gerissen haben: „Scher dich nicht drum…“

Und Ihr nächster Krimi heißt dann: Der „Wolf im Schafspelz“?
(lacht) Nein, ich habe ja schon „Wölfe und Lämmer“ geschrieben! Allerdings vor zehn Jahren. Damals waren Wölfe im Deister Utopie. Heute ist das Thema aktuell. Ich war meiner Zeit wohl voraus.

In einer Ihrer Mordskerl-Geschichten kommt ein Engel vor. Sind Sie gläubig?
Nein. Aber es gibt schon grenzwertige Sachen, die man nicht erklären kann. Im nächsten Völxen kommt Voodoo vor.

Voodoo am Deister?
Nein, Voodoo in Dedensen. Das ist schon schräg, aber auch total interessant. Und die Recherche muss ja auch Spaß machen.

Manchmal gibt es ja auch gar keinen Mord oder ein Opfer – wie in der Geschichte der Egli-Schwestern…
Ja, aber fast! Manchmal muss es ja auch einmal ein Happy-End geben!

Einen Mörder in dem Sinne gibt es auch nicht.
In der Story ging es mir eher um die Figur des windigen Hochstaplers. Man muss doch echt klug sein, um so etwas durchzuziehen. Ich bewundere intelligente Kriminelle. Wie sie ihre Umgebung täuschen und manipulieren, und zudem sind sie ja auch meist gewaltfrei.

Und oft kommen sie auch – bis auf in den Völxen-Krimis – davon..
Ich mag am liebsten Geschichten, in denen Mörder davonkommen, wenn es der Ermordete es verdient hat.

Wie finden Sie eigentlich Ihre Mordmethoden?
Ich mag Mordmethoden, die jedermann zugänglich sind. Das interessiert mich mehr als das Hochpräzisionsgewehr.

So wie der Tee aus der Engelstrompete?
Engelstrompete ist echt übel! Und die kann man überall kaufen.

Der nächste Bodo Völxen-Krimi erscheint im September. Es geht um einen alten Fall, der Völxen nicht los lässt. Der Titel des Buches ist „Alte Sünde“. Die „Mordskerle“ hat der zu Klampen-Verlag herausgegeben; sie sind bereits im Handel erhältlich.

Woher wissen Sie denn immer um die Wirkung? Haben Sie Kontakt zu einem Rechtsmediziner?
Ich habe einen Pool aus Informanten. Ich habe eine Freundin beim LKA, bei der Polizei, natürlich auch Mediziner. Die Freundin beim LKA erzählte mir einmal, sie habe in ihrem Büro gesessen und plötzlich habe das Gebäude gewackelt. Sie habe dann erfahren, dass die Kollegen in der Etage unter ihr einen Rammkurs gemacht haben, Sie wissen schon, zum Türenaufbrechen.

Als Sie eben Rammkurs gesagt haben, habe ich zum ersten Mal wegen des rollenden R gehört, dass Sie aus Bayern kommen. Was hat Kempten eigentlich, was Hannover nicht hat?
Kempten hat eine nette Kleinstadtgröße und man ist nah an Italien.

Und was hat Hannover?
Hannover hat Großstadtflair. Ich wohne ja jetzt im Moor. In der Wedemark.

Was lesen Sie persönlich eigentlich?
Alles, was mich anspringt. Und nicht nur Krimis! Im Sommer lese ich übrigens mehr als im Winter. Da sieht man ja auf dem Laptop nichts mehr. Im Winter ist die Verlockung Fernsehen einfach zu groß.

Gehören Sie zu den Tatort-Guckern?
Nein. Null. Die sind humorlos, langweilig, schlechte Schauspieler. Grauenvoll. Die aus Münster gehen noch. Hingegen die Serie „Mord mit Aussicht“ ist großartig! Neulich habe ich eine Petition für die Weiterführung dieser Serie unterschrieben. Die gucke ich fünfmal hintereinander und finde sie noch gut.

Wenn Sie dann mal ausgehen, welche ist Ihre Lieblingsbar?
Das Oscars. Aber so viele Bars kenne ich auch ehrlich gesagt nicht in Hannover.

Und Sie bestellen wahrscheinlich Weißweinschorle, richtig?
Woher wissen Sie das?

War so eine Ahnung.
Und im Winter trinke ich Rotwein. Und Gin Tonic trinke ich auch. Meine Nachbarin ist Irin. Da gibt es immer erst einmal einen G ‚N T.

Haben die nicht Angst, in Ihren Büchern vorzukommen?
Nein, meine Figuren denke ich mir immer komplett aus.

Interview: Heike Schmidt


Weitere Interviews lesen Sie auf unseren Themenseiten aus der Serie „Das Rote Sofa„.

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