Das Rote Sofa: Michaela Schupp
Michaela Schupp organisiert das fünfte Schokoladen-Gourmet-Festival für Hannover. Foto: Niehaus

Das Rote Sofa: Michaela Schupp

Sie kennt sich mit Schokolade aus wie wohl kaum eine andere: Michaela Schupp, Inhaberin von Chocolats-de-Luxe, veranstaltet zum fünften Mal das Schokoladen-Gourmet-Festival im Helmkehof. Vom 14. bis 16. September können die Besucher dort nicht nur eine Vielzahl von Schokoladen probieren, sondern auch Wissenswertes rund um den Kakao erfahren. Ein Gespräch über Sünden, die gar nicht süß sein müssen, sondern sogar noch gesund sind.

Guten Morgen Frau Schupp, hatten Sie schon ihre 50 Gramm Schokolade, die Sie täglich essen?
Nein, heute noch nicht. Das mache ich lieber heute Nachmittag, wenn ich Ruhe habe. Zudem: Um 11 und um 16 Uhr sind unsere Geschmacksnerven am sensibelsten.
Welche Sorte wird es werden?
Ich denke, es wird eine pure Schokolade werden. Welche genau es wird, weiß ich aber noch nicht ganz genau. Für die International Chocolate Awards muss ich noch 60 bis 80 Schokoladen probieren. Ich sitze da in der Jury.
Das hört sich für einen Schokoladenliebhaber ja traumhaft an…
Ja, aber das kann durchaus anstrengend sein. Es ist zwar immer nur ein kleines Stückchen, aber das summiert sich.
In welcher Zeit müssen Sie die Schokoladen denn probieren?
Täglich.
Was?!
Na ja, es sind zwar immer nur etwa drei Gramm, aber in Summe macht das zwei bis drei Tafeln täglich.
Da drängt sich eine wichtige Frage auf: Macht Schokolade dick?
Nein. Schokolade macht glücklich und rundet ab.
Was rundet sie ab?
Beispielsweise ein gutes Essen. Aber natürlich ist es wie bei allem eine Frage der Menge: Schokolade hat natürlich Kalorien. Aber in Maßen genossen ist sie sogar sehr gesund: Sie wirkt blutdrucksenkend und aufgrund des Fettanteils steigt der Blutzuckerspiegel auch nicht rasant. Von daher ist gute Schokolade sogar für Diabetiker sehr gut geeignet.
Würden Sie jemals auf Schokolade verzichten?
Nein, wirklich nicht. Schokolade geht immer.
Geht auch Schokolade aus dem Supermarkt?
Nein, nie. Die schmeckt doch nicht. Da muss man sich nur einmal die Zutatenlisten ansehen.
Ist also etwas dran an dem Spruch: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser ist die Schokolade? Also Kakao, Kakaobutter und Zucker?
Ja, das stimmt. Ich würde aber hinzufügen: Es kommt auch darauf an, wie die Kakaobohne angebaut und fermentiert wurde. Wenn die Frucht geerntet und die Bohnen aus dem Fruchtfleisch herausgelöst wurden, kommen sie in eine Fermentationsbox. Da entwickelt sich das Aroma. Auch die Dauer ist entscheidend, die Art der Box und wie oft sie gewendet werden.
Das hört sich fast so an wie bei der Herstellung von Amarone, einem Rotwein, bei dem die Weintrauben zum Teil vor dem Keltern auf gut belüfteten Dachböden getrocknet werden..
Ja, so ähnlich kann man sich das vorstellen. Bei der Trocknung der Kakaobohnen kommt es wiederum darauf an, wo diese stattfindet: Auf Java ist die Luftfeuchtigkeit beispielsweise so hoch, dass man sie über Feuer trocknet; andernorts werden sie beispielsweise auf Kokosmatten ausgelegt. Für diesen Herstellungsprozess interessieren sich inzwischen nicht nur Chocolatiers, weil es den Geschmack beeinflusst, sondern auch die Verbraucher.
Aber diese Schokoladen sind doch sicherlich sehr teuer?
Es geht. 100 Gramm gibt es für 9,95 Euro. Ich denke, gute Schokoladen kosten zwischen fünf und acht Euro pro 50 Gramm.
Sprechen wir über Verbraucher: In Hannover gab es einmal einen wunderbaren Schokoladen-Laden auf der Luisenstraße, der leider dicht machen musste. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Der Onlinehandel, für den Sie auch 2017 den Preis „Frauen machen Standort“ bekommen haben?
Ja, wir sind Deutschlands größter Internet-Versandhandel für Schokolade. Wir haben inzwischen 115 Hersteller aus allen Ländern der Welt im Sortiment.
Einige werden auch beim Schokoladen-Gourmet-Festival im September hier in Hannover persönlich sein.
Ja, wir erwarten Duane Dove, der nicht nur Sommelier, sondern auch Kakaoplantagenbesitzer in Tobago ist. Er bringt Schokoladen und Rum mit, die hervorragend korrespondieren. Seine Vollmilchschokolade „45 % Laura“ hat den International Chocolate Awards 2017 Welt Gold gewonnen.
Wichtige Frage bei den Temperaturen: Darf Schokolade in den Kühlschrank oder nicht?
Jein. Auf längere Sicht ist es problematisch, Schokolade im Kühlschrank zu lagern, da der Kühlschrank für Obst und Gemüse ausgelegt ist und es deswegen dort immer feucht ist. Schokolade wiederum zieht Wasser an. Dann trennt das eindringende Wasser die Kakaobutter und hässliche graue Flecken entstehen und die Schokolade verliert an Geschmack. Deshalb haben übrigens Mon Chérie, diese Kirschen in Schokolade, Sommerpause.
Was halten Sie eigentlich von so genannter Sommerschokolade?
Finde ich gar nicht schlecht. Sie ist meist hell und mit Früchten. Weiße Schokolade ist auch Schokolade, es ist ja Kakaobutter in ihr.

Interview: Heike Schmidt

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