Das Rote Sofa: Prof. Bernd Goetzke
„Ich wünsche mir, dass das Paradiesische erhalten bleibt“ – Prof. Bernd Goetzke im Gespräch mit Dr. Heike Schmidt. Foto: Niehaus

Das Rote Sofa: Prof. Bernd Goetzke

In Hannover kaum bekannt, weltweit hoch renommiert: Die Internationale Musikakademie für Solisten (IMAS) mit Sitz in Hannover wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Sie ermöglicht jungen, hochtalentierten Musikern Meisterkurse, bei denen sie sich nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich weiterentwickeln können. Das Besondere ist auch der Ort, an dem die jungen Menschen eine Woche lang musizieren: Die Bückeburger Fürstenfamilie stellt der IMAS seit 1988 ihr Schloss zur Verfügung. Prof. Bernd Goetzke ist seit 2011 Mitglied des Vorstandes und künstlerischer Leiter. Ein Gespräch über Talente, Tasten und leidenschaftliche Menschen, die die IMAS unterstützen.

Herr Professor Goetzke, wenn Sie in einem Satz die IMAS beschreiben sollten, was würden Sie sagen?
Die IMAS ist ein besonderer Meisterkurs, der sich an hochqualifizierte junge Menschen richtet, die auf die Bühne streben.
Meisterkurse, bei denen Studenten ihr Wissen und ihre Technik weiterentwickeln, gibt es einige. Was ist das Besondere?
Da kommen mehrere Faktoren zusammen: Ein attraktives künstlerisch-pädagogisches Angebot, das Ambiente, die Arbeitsmöglichkeiten, eine gewisse, konzentrationsfördernde Abgeschiedenheit. Aber auch der Preis: Es kann sehr leicht sein, dass ein Meisterkurs bis 2000 Euro kostet; bei uns liegt die Gebühr bei 250 Euro –und das ist inklusive Aufenthalt. So etwas ist aber auch nur möglich, weil wir uns immer um Unterstützung von dritter Seite bemühen.
Sicherlich tragen auch die Gastfamilien dazu bei, bei denen die Studenten in Bückeburg unterkommen, oder?
Ja, natürlich. Die Unterstützung, die uns die Gastfamilien zum Teil über Jahre hinweg entgegenbringen, ist großartig. Da ist eine ganz wunderbare Begeisterung in der Bevölkerung. Manche Familie nehmen sogar zwei oder drei Studenten bei sich auf. Wir sind dafür sehr dankbar.
Ein wichtiger Pfeiler ist sicherlich auch, dass die Fürstenfamilie Sie sehr unterstützt.
Das ist ein sehr wichtiger Faktor, dass die Studenten das Schloss nutzen dürfen. Zu Anfang stehen die meisten staunend vor dem Schloss und fragen sich: Dort dürfen wir wirklich spielen? Ja, das dürfen sie. Und wir dürfen die unterschiedlichsten Räume nutzen –so beispielsweise das Zimmer, in denen sonst die Trauungen stattfinden und natürlich den Festsaal, den besonders die Sänger genießen.
Doch bei der IMAS geht es ja in erster Linie um Klavier, oder nicht?
Nein, nicht nur. Klavier ist immer dabei, das ist richtig. Aber es wird durch zwei jährlich wechselnde Sparten wie beispielsweise Cello oder Violine, Horn oder Klarinette ergänzt.
Eine heute in Hannover sehr bekannte Sängerin ist einst für das Fach Klavier nach Bückeburg gereist und hat dort ihre Leidenschaft für Gesang entdeckt: Mareike Morr, die an der Staatsoper Mezzosopranistin ist. Sie sagt, durch das gemeinsame Abschlusskonzert habe sie ihre Liebe zum Gesang entdeckt. Wie oft kommt so etwas vor?
Um ehrlich zu sein: Das war eine absolute Ausnahme. Man muss schon sehr viel Talent mitbringen, um solch einen Wechsel zu schaffen.
Aber es zeigt doch etwas, was die IMAS auch sein möchte: Kommunikations- und Diskussionszentrum, dass die jungen Musiker miteinander ins Gespräch kommen, oder?
Ja. Als ich 2010 als künstlerischer Leiter anfing, gab es keinen Treffpunkt für die Musiker abends. Und in Bückeburg geht man nicht ins Kino. Also habe ich ein Zelt in den Garten stellen lassen. Dort kann man sich abends ungezwungen treffen, miteinander etwas trinken, reden. Das fehlte und ist doch so wichtig. Da sind schon echte Freundschaften entstanden.
Jetzt sind Sie wieder an dem Punkt, an dem Sie junge Menschen für den nächsten Kurs auswählen müssen..
Ja, und es ist sehr schwer, denn wir haben ja nur zwölf Plätze pro Kurs zu vergeben. Und sie kommen von überall, dieses Jahr haben wird sogar eine Bewerbung aus Neuseeland.
Wenn Sie sich für die IMAS etwas wünschen dürften, was wäre das?
Ich würde mir wünschen, dass nicht nur der Idealismus der jungen Musiker bleibt, sondern auch, dass das Paradiesische der IMAS auf höchstem Niveau erhalten bleiben kann. Und dass wir dazu immer Partner haben werden, die uns unterstützen.

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