„Ein Stück weit wie Heimkommen“
Mal ganz privat: Erbprinz Ernst August.

„Ein Stück weit wie Heimkommen“

Erbprinz Ernst August über seine private Beziehung zur Marienburg, Besucher und das neue Programm

Von Heike Schmidt
Hannover. Er ist zurückhaltend. Höflich. Und natürlich würde er nie sagen, dass er Interviews eigentlich gar nicht gern mag. Dazu ist Erbprinz Ernst August viel zu diplomatisch. Vor rund zehn Jahren hat er die Geschicke auf der Marienburg übernommen. Damals kamen etwa 35.000 Besucher im Jahr. Heute sind es 190.000 Menschen, die den Weg zur Marienburg finden. Mit dazu beigetragen hat ein Veranstaltungsprogramm, das historisch wie kulturell Neugierige befriedigt. Zudem schließt die Burg auch nicht im Winter:  vom 9. November bis 23. Dezember ist das Schloss Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Was ist Ihre erste Erinnerung an die Marienburg?
Das erste Mal habe ich das Schloss besucht als ich noch ein Kind war – leider kann ich nicht mehr sagen wie alt ich damals war. Aufgewachsen bin ich in London, aber in den Ferien sind wir immer auf das Schloss gefahren. Die Zeit, die wir hier verbrachten, habe ich sehr genossen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich heute noch so gerne auf dem Schloss bin.

Was verbinden Sie heute mit der Marienburg?
Aus beruflichen Gründen muss ich viel pendeln, bin oft unterwegs und bereise viele Länder. Wenn ich dann wieder nach Deutschland komme und mich auf Schloss Marienburg und in der Region aufhalte, ist das ein Stück weit wie ein Heimkommen für mich. Für mich liegen meine Wurzeln vor allem hier, denn Schloss Marienburg ist ein wichtiger Bestandteil meiner Familiengeschichte und stellt daher für mich – wie für viele Menschen in Niedersachsen – einen wichtigen Identitätspunkt dar.

Zum Programm: Was ist Ihre Lieblingsveranstaltung, resp. was werden Sie persönlich auf keinen Fall verpassen?
Wir haben im Jahr 2016 wieder viele verschiedene Programmpunkte in unser Angebot aufgenommen. Daher finde ich es recht schwierig zu sagen, welche meine Lieblingsveranstaltung ist. Unsere Open-Airs beispielsweise sind sehr verschieden. Wir haben hier das Best of „Kleines Fest“ mit tollen Kleinkünstlern, und wir haben das Schloss Marienburg Tattoo, ein Blasmusik-Festival, das besonders in der Region starken Anklang findet. Auch das Live-Hörspiel „Jack the Ripper“ finde ich sehr spannend, da die Geschichte sehr lebendig durch die Synchronsprecher berühmter Hollywoodstars vertont wird. Sie sehen, das Programm ist so facettenreich. Da fällt es mir schwer, einen Favoriten zu finden.

Das Programm ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert worden – welches sind Kriterien, nach denen Sie Veranstaltungen aussuchen?
Wir bemühen uns, hier auf Schloss Marienburg vielen Menschen mit unterschiedlichen Interessen tolle Erlebnisse zu bescheren. Unser Programm soll Besucher jeden Alters begeistern, deshalb haben wir beispielsweise viele Aktionen für Kinder: Kinderführungen, zu Halloween mit Hexen, oder zu Weihnachten mit Märchenfiguren. Für die Erwachsenen gibt es Theaterführungen, in denen sie die Geschichte hautnah miterleben können. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir die Konzeption unseres Programms ganz an unseren Besuchern ausrichten. Wir möchten, dass unsere Gäste tolle Momente auf dem Schloss erleben und viele unvergessliche  Erinnerungen nach ihrem Besuch mit nach Hause nehmen.

Besitz bedeutet auch immer eine Verpflichtung. Die Marienburg muss – wie jedes andere Haus auch – immer wieder überholt werden. Können die Veranstaltungen annähernd die Kosten der laufenden Reparaturarbeiten einspielen? Oder anders gefragt: Ist die Burg neben der (sicherlich emotionalen) Bereicherung manches Mal auch eine Belastung?
Zunächst möchte ich betonen, dass die Arbeit für das Schloss eine tolle Aufgabe und jedenfalls emotional keineswegs eine Last ist. Dazu tragen vor allem auch meine Mitarbeiter bei, die den täglichen Betrieb aufrechterhalten. Hier arbeiten rund 80 Mitarbeiter mit einer unglaublichen Motivation und Leidenschaft dafür, Schloss Marienburg unseren Besuchern zu präsentieren. Dabei muss bedacht werden, dass das Schloss ein historisches Gebäude ist, das natürlich instandgehalten werden muss – und natürlich fallen dafür erhebliche Kosten an. Die Erträge aus der Bewirtschaftung können jedoch in überhaupt keiner Weise die erheblichen Instandhaltungskosten decken, die für den Erhalt eines historischen Schlosses wie die Marienburg erforderlich sind. Hier spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Ich gebe zu, dass der Betrieb und die Erhaltung von Schloss Marienburg für mich eine enorme Herausforderung sind. Dennoch ist es mir eine Herzensangelegenheit, mich dafür einzusetzen, Schloss Marienburg auch für zukünftige Generationen in all seinem Glanz zu erhalten.

Zur Person „Ernst August“

Erbprinz Ernst August, der mit vollem Namen Ernst August Andreas Philipp Constantin Maximilian Rolf Stephan Ludwig Rudolph heißt, ist am 19. Juli 1983 in Hildesheim zur Welt gekommen. Seine Eltern sind die Schweizerin Chantal Hochuli und Ernst August von Hannover. Seine Taufe war am 15. Oktober 1983 in der Kapelle der Marienburg. Zu seinen Taufpaten gehörte unter anderem Philipp-Ernst von Schaumburg-Lippe, der Vater des heutigen Fürsten Alexander. Aufgewachsen ist Ernst August in London; in New York studierte er Volkswirtschaft. Er wohnt zwar in London, ist aber in den vergangenen Jahren immer häufiger in der Region Hannover anzutreffen gewesen. Mindestens jede zweite Woche sei er inzwischen in Hannover, sagt er: „Ich bin viel hier. Wirklich viel.“

Das Programm

Königlich: Die Krone zieht die Besucher an – und sie wird bleiben. Die Sonderausstellung „Der Weg zur Krone“ mit den Insignien der Macht wird bis Ende 2016 zu sehen sein.
Britisch: Bereits zum siebten Mal wird es das Musikfestival „Tattoo“ am 8. und 9. Juli im Innenhof des Schlosses geben.
Festlich: Zum ersten Mal wird es im kommenden Jahr an drei Abenden „Best of Kleines Fest“ geben. Am 1., 3. und 4. September kommen die Publikumslieblinge aus Herrenhausen auf die Marienburg.
Spannend: Die Lauscherlounge ist inzwischen Kult. Nach „Romeo und Julia“ kommt im nächsten Jahr „Jack the Ripper“ am 2. September in den Schlossinnenhof.
Gruselig: Erstmals wird es Vollmond-Führungen geben. Start wird im April 2016 sein.
Hintergründig: Einen Blick hinter die Kulissen der Marienburg kann man ab Mai werfen. Einmal im Monat geht es dann nicht nur durch die Wirtschaftsräume, sondern auch in die Salons, in der die Serie „In your Dreams“ gedreht wurde.
Spielerisch: Wie es sich einst auf dem Schloss lebte, bringen verschiedene historische Figuren den Besuchern bei Theaterführungen näher.
Karten unter Telefon 05069/34 80 00
❱❱ www.schloss-marienburg.de

Bildquelle

  • Ernst August_Droese_onl: Dröse

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