Heimat in Vitrinen
An einigen Tagen ist der Fotograf Michael Wallmüller selbst in der Ausstellung anwesend und beantwortet die Fragen der Besucher. Foto: Wallmüller

Heimat in Vitrinen

Michael Wallmüller und zehn weitere Absolventen des Studiengangs „Fotojournalismus“ stellen in der GAF aus

Von Franka Haak
Hannover. Vladimir Bogdanovic trägt einen Bademantel. Er sitzt auf einem hellen Sofa in Beige- und Gold-Tönen mit Blatt-Muster. Über ihm an der Wand hängt ein Aquarell des hannoverschen Künstlers Hans-Ulrich Buchwald. Diese Szene hat Michael Wallmüller in Bogdanovic‘ Wohnzimmer auf einem Foto festgehalten. Es ist Teil seiner Bachelorarbeit, die er im Fach Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover erstellt hat.
Zusammen mit zehn weiteren Bachelor-Absolventen stellt er seine Bilder jetzt in der Galerie für Fotografie (GAF) aus. Für seine Abschlussarbeit hat Wallmüller Einwanderer porträtiert, die seit mehr als 20 Jahren in Hannover leben und hier eine neue Heimat gefunden haben. So wie Vladimir Bogdanovic, der 1990 aus Russland in die niedersächsische Landeshauptstadt kam, weil er sich nach Freiheit sehnte.
„Weltreise durch Hannovers Wohnzimmer“ hat Wallmüller seine Arbeit betitelt. Denn er hat die Migranten in einer ganz persönlichen Atmosphäre in ihren Wohnzimmern fotografiert. Insgesamt hat er 20 Bilder gemacht, 17 davon sind in der GAF zusehen. „Ich habe tolle Menschen aus fast der ganzen Welt kennengelernt und fotografiert“, sagt Wallmüller rückblickend: „Ich bin mit meiner Arbeit sehr glücklich.“
In seinen großformatigen Aufnahmen wollte er erkunden, wie sich Herkunft und Integration in der neuen Heimat verbinden. Doch zu seiner Überraschung stellte er fest, dass Erinnerungen an die Hekunftsländer in den Wohnzimmern oft nur wenig Platz einnahmen: „Ich war überrascht, wie deutsch die meisten Wohnzimmer aussahen.“ Mitbringsel aus der früheren Heimat seien, wenn überhaupt, meist in Vitrinen eingeschlossen gewesen.
Das Konzept seiner Arbeit ist für Wallmüller aufgegangen. Das zeigen ihm auch die Reaktionen von Besuchern der Ausstellung: „Viele stellen Verbindungen zu den Porträtierten her. Sie sagen beispielsweise: Ach, schau mal, den Teppich hätten wir doch auch fast gekauft.“
Die 17 Fotografien von Michael Wallmüller sind nur ein Teil der vielseitigen Ausstellung in der GAF. Die angehenenden Fotojournalisten haben sich in ihren Abschlussarbeiten mit ganz unterschiedlichen Themen auseinandergesetzt. Karsten Klama hat für seine Arbeit „Ruhestand. Die wollen nur spielen“ die Bremer Rentnerband „Never too late“ bei Proben Aufbau und Konzerten in  Gemeindesälen und Schützenhallen begleitet. Jana Eutmeier  hat eine junge Mutter begleitet, die mit 18 ihren Sohn Paul zur Welt brachte. Sie hat sie beim nächtlichen Feiern fotografiert. Aber auch nachts am Kinderbett mit ihrem Sohn Paul auf dem Arm. Mit ihren Bildern will sie die Widersprüche im täglichen Leben der Alleinerziehenden sichtbar machen.
Die Ausstellung ist noch heute und morgen jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Galerie für Fotografie in der Eisfabrik, Seilerstraße 15d, zu sehen.

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