„Ich fühle mich hier sehr wohl“
Eine sehr charmante Persönlichkeit: Karsten Speck. Foto: Wilde

„Ich fühle mich hier sehr wohl“

Karsten Speck spielt im Theater am Aegi in dem Stück „Im Himmel ist kein Zimmer frei“

Herr Speck, in dem Stück, das Sie derzeit spielen, schickt Petrus Sie zurück auf die Erde. Das ist doch ein verlockender Gedanke. Wenn Sie die Chance hätten, von Neuem anzufangen – was würden Sie anders machen?
Karsten Speck: Ich denke, ich würde nichts anders machen. Denn auch Fehler gehören im Leben dazu. Und es kann wohl keiner von sich behaupten, dass er in seinem Leben keine Fehler gemacht hat. Der schlimmste Fehler ist, keinen zu machen. Ein kluger Mann hat einmal zu mir gesagt: „Die Summe der Fehler, die wir machen, ist gleich die Lebenserfahrung, die wir haben.“  Genau das macht ja auch die Einzigartigkeit unseres Daseins aus. Man macht Fehler und lernt daraus. Man lebt eine Kette von Ereignissen, die oftmals auch aufeinander aufbauen – positive wie negative. Da kann man nicht einfach sagen: Das mache ich nochmals neu. Wo will man da anfangen?
Ganz am Anfang der Kette wollten Sie Opernsänger werden. Was ist eigentlich daraus geworden?
Ja, das war die Absicht. Ich habe ab 1981 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ studiert. Ich habe aber immer mehr gemerkt, dass das nicht ganz so meins ist, habe Grenzen vorausschauend erkannt. Danach habe ich einen Studienplatzwechsel an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch vollzogen und dort von 1982 biss 86 studiert. Aber: Ich liebe die Oper, eine Kunst, die niemals aussterben darf.
Ihre ersten Engagements waren beim Ensemble des Berliner Kabaretts „Die Diestel“. Von da aus ging es von der Kabarett-Bühne in die Traumschiff-Kajüte, ins Varieté und jetzt auf die Boulevard-Bühne. Was gefällt Ihnen eigentlich am besten?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Diese Frage würde mir in Übersee wahrscheinlich so nicht gestellt werden. Dort findet man es toll, wenn jemand so vielseitig ist. Hier hat diese Frage immer den leicht negativen Zungenschlag: Wenn Du etwas machst, dann mach es auch richtig. Dabei gibt es ganz wenige, die das alles können. Und ich habe gezeigt, dass es auch in Deutschland möglich ist.
Das klingt schon sehr selbstbewusst. Sie sollen einmal in einem Interview gesagt haben: „Unbescheidenheit ist nicht mein Ding“. Stimmt das?
Grundsätzlich ist das so. Als Künstler braucht man einen großen Abstand zu sich, zu dem, was man tut. Und die Demut dem Erfolg gegenüber ist ganz wichtig. Aber diese Grundhaltung schließt ja nicht aus, dass man  stolz auf Erreichtes ist und damit auch selbstbewusst umgeht.
Man stellt sich trotzdem die Frage: Was erwartet uns nach Kabarett, Traumschiff-Darsteller, Familienserien-Star und Boulevard-Theater eigentlich als nächstes? Das Dschungelcamp?
Sicherlich nicht.
Anders gefragt: Was würde Sie reizen?
Varieté beispielsweise ist eine tolle, irre Form. Warum nicht im GOP-Varieté in Hannover durch den Abend führen? Aber richtig herausfordern würde mich eine Rolle, mit der man mich vielleicht nicht auf den ersten Blick in Verbindung bringen würde – so wie Götz George als Massenmörder Haarmann in dem Film „Der Totmacher“ oder Harald Juhnke in „Der Trinker“. Beides sind hervorragende, einzigartige Schauspieler, denen solche Aufgaben nicht immer zugetraut wurden, weg vom Sonnyboy und Leichtigkeits-Image.
Und was ist mit Paul, der vom Himmel auf die Erde zurückgeschickt wird?
Paul ist ein völlig anderer Typ als ich. Er geht etwas vorsichtiger mit den Herausforderungen des Lebens um. Dadurch sind ihm bestimmte Erlebnisse bis jetzt erspart geblieben, aber im Laufe des Stückes erhöht Paul die Summe seiner Lebenserfahrungen beträchtlich. Es ist toll, was Jan Bodinus aus dieser doch altbackenen Komödie gemacht hat. Das Stück ist mir richtig ans Herz gewachsen. Ich fühle mich hier sehr wohl.
Interview: Heike Schmidt

Karsten Speck (rechts) auf der Bühne im Stück „Im Himmel  ist kein  Zimmer frei“.

Karsten Speck (rechts) auf der Bühne im Stück „Im Himmel ist kein Zimmer frei“.

Bildquelle

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