Ich habe einen Traum vom idealen Theater

Ich habe einen Traum vom idealen Theater

Sänger Ralf Lukas träumt von einem Opernhaus der Zukunft für Jung und Alt

Es klingt vielleicht seltsam, aber obwohl ich selbst Sänger bin, der weltweit in Sachen Oper unterwegs ist, träume ich seit langem von einem idealen Opernhaus. Mein Traum-Opernhaus liegt in einem weitläufigen Park an einem kleinen See – ein Ort, den man gern aufsucht, um in eine ganz andere Welt einzutauchen, mal abzuschalten oder ein spannendes Abenteuer zu erleben. Kinder haben dort natürlich freien Eintritt – Sponsoren und Mäzene ermöglichen ihnen das. Es gibt ganz viele Angebote für Kinder, denen man übrigens weit mehr zutrauen kann, als viele meinen. Sogar mit zeitgenössischer Oper können sie etwas anfangen! Was wir vor allem von Kindern lernen können, ist ihre grundsätzliche Offenheit für Neues. Und das ist etwas, was ich mir auch für das erwachsene Publikum erhoffe: die unvoreingenommene Haltung, mit der man einem neuen Werk, einer neuen Inszenierung oder vielleicht auch einem neuen Sänger begegnet. Das sollte dem Zuschauer nicht die Möglichkeit zum Austausch, zur kritischen Auseinandersetzung nehmen – aber eben erst hinterher, nicht schon im Vorfeld mit dem Halbwissen, was man vielleicht irgendwo aufgeschnappt hat. Natürlich kann man eine Opernaufführung einfach genießen. Aber gerade wer häufiger Opern besucht, wird feststellen, dass sie durchaus zum Nachdenken anregen kann und gerade dadurch eine anhaltende Wirkung erzeugt.

Mein Opernhaus der Zukunft, wie ich es nennen möchte, unterscheidet sich schon im Foyer, also im Zugangsbereich zum eigentlichen Zuschauersaal, von anderen Theatern. Überall sind große Tische aufgestellt, an denen ganze Familien Platz nehmen können. Für Kinder sind die eleganten Stehtische, die man häufig im Theater vorfindet, ja eher ungeeignet. Überhaupt ist „Wohlfühlen“ hier ein ganz wichtiger Begriff. „Come as you are!“ ist eine häufig zu hörende, in flottem Marketing-Englisch ausgesprochene Einladung. Sie passt aber auch für den Theaterbesuch. Hauptsache, du fühlst dich in dem, was du trägst, wohl. Dann kannst du dich nämlich dem Eigentlichen, dem, was auf der Bühne und im Orchestergraben stattfindet, viel besser und konzentrierter widmen. Fast so, als wäre das Opernhaus dein zweites Zuhause. Was wiederum nicht ausschließt, dass man sich im langen Abendkleid oder im Smoking nicht auch wohlfühlen könnte!

Und auch hinter der Bühne geht es eher leger zu. Natürlich gibt es Hierarchien, gibt es jemand, der den Hut aufhat und entscheidet: „So wird’s gemacht.“ Aber die Entscheidung ist auf demokratische Weise gefallen, jeder hat seine Meinung zu einem Sachverhalt kundgetan, was sogar ausdrücklich erwünscht ist. Den Umgang zwischen den Kollegen zeichnen großer Respekt und große Herzlichkeit aus. Regisseure müssen in meinem Traum-Opernhaus kluge, aber nachvollziehbare Inszenierungen schaffen. Wenn ich eine Gebrauchsanleitung benötige, stimmt für mich etwas nicht. Unsere ‚Caligula‘-Inszenierung halte ich in dieser Hinsicht übrigens für besonders gelungen. Das Werk ist ja nur ganz selten zu sehen, es fehlen einem also Vergleichsmöglichkeiten, es ist auch in keinem Opernführer zu finden (zumindest bislang!), so dass der Zuschauer hier auf eine klare Regie angewiesen ist. Und das ist Frank Hilbrich sehr gut gelungen. An Theaterabenden wie diesen komme ich meinem Traum vom idealen Opernhaus dann schon sehr nahe.

Bildquelle

  • Ralf Lukas – Caligula: Staatsoper Hannover

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